GOÄ 4117: TRH-Test korrekt abrechnen – Tipps & Indikationen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4117
TRH-Test (Zweimalige Bestimmung von TSH)
Punktzahl 500  
Einfachsatz 29,14 € 1,0x
Regelhöchstsatz 33,51 € 1,1x
Höchstsatz 37,88 € 1,3x

Der TRH-Test nach GOÄ 4117 ist ein seltener, aber wichtiger Funktionstest. Erfahren Sie alles über Indikationen, Abrechnungssätze und typische Fehler.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4117

Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die GOÄ-Ziffer 4117 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter den Funktionstests wie folgt:

TRH-Test (Zweimalige Bestimmung von TSH) – 500 Punkte

Diese Leistung umfasst die funktionelle Überprüfung der Schilddrüsen-Regelachse durch die intravenöse Gabe von Thyrotropin-Releasing-Hormon (TRH). Im Leistungsumfang sind sowohl die basale als auch die stimulierte Bestimmung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) enthalten. Die für die Durchführung notwendigen Laboranalysen sind mit dieser Ziffer abgegolten.

GOÄ 4117 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert

In der modernen Medizin hat der TRH-Test an Bedeutung verloren, da hochsensitive TSH-Assays der 3. Generation eine präzise Primärdiagnostik ermöglichen. Dennoch bleibt die Abrechnung der GOÄ 4117 in spezifischen klinischen Konstellationen weiterhin medizinisch begründet. Dies betrifft insbesondere die Verifizierung einer latenten Schilddrüsenfunktionsstörung bei grenzwertigen Basalwerten.

Ein typisches Einsatzgebiet ist die Abklärung bei basalen TSH-Werten im Bereich von 0,01 bis 0,3 mIU/l oder von 3,6 bis 5,0 mIU/l. Ein TSH-Anstieg von weniger als 2,0 mIU/l oder von mehr als 25 mIU/l nach TRH-Gabe bestätigt eine gestörte Schilddrüsenhormonfunktion. Liegt der Anstieg dazwischen, ist eine Funktionsstörung nahezu ausgeschlossen.

Darüber hinaus ist der Test indiziert, wenn die Sekretionsleistung des Hypophysenvorderlappens (HVL) überprüft werden muss. Dies ist häufig im Rahmen von HVL-Adenomen oder nach entsprechenden operativen Eingriffen der Fall. Hierbei wird der TRH-Test oft mit anderen Stimulationstests kombiniert.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4117

Fallbeispiel 1: Verdacht auf latente Hyperthyreose

Ein Patient stellt sich mit unspezifischen Symptomen und einem grenzwertig niedrigen basalen TSH-Wert von 0,15 mIU/l vor. Zur weiteren Abklärung wird ein TRH-Test durchgeführt. Nach intravenöser Applikation von 200 µg TRH zeigt sich nach 30 Minuten ein TSH-Anstieg von lediglich 1,2 mIU/l, was die Diagnose einer latenten Hyperthyreose sichert. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4117 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Überprüfung der Hypophysenfunktion bei HVL-Adenom

Bei einer Patientin mit einem bekannten Hypophysenvorderlappenadenom soll die gonadotrope und thyreotrope Partialfunktion überprüft werden. Im Rahmen eines kombinierten Stimulationstests erfolgt die Durchführung des TRH-Tests. Der unzureichende TSH-Anstieg weist auf eine sekundäre Hypothyreose hin. Neben den anderen Stimulationstests wird die GOÄ 4117 korrekt in Ansatz gebracht.

Fallbeispiel 3: Modifizierter TRH-Test bei Akromegalie

Bei einem Patienten mit Verdacht auf Akromegalie wird ein modifizierter TRH-Test durchgeführt, bei dem statt TSH das humane Wachstumshormon (HGH) bestimmt wird. Nach TRH-Injektion kommt es zu einem paradoxen, überschießenden HGH-Anstieg. Dieses Testformat entspricht dem konventionellen TRH-Test, wird jedoch aufgrund der modifizierten Bestimmung mit 700 Punkten bewertet und über die entsprechenden Vorgaben für Funktionstests abgerechnet.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4117: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die routinemäßige Durchführung des TRH-Tests zur Primärdiagnostik. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen fordern bei fehlender medizinischer Begründung oft eine Rückstufung, da die Schilddrüsendiagnostik der ersten Stufe primär über das basale TSH zu erfolgen hat. Der Test darf daher nicht als Screening-Methode eingesetzt werden.

Achtung: Die parallele Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 ist nicht Bestandteil der GOÄ 4117. Diese Laborleistungen müssen separat über die Ziffern 4022.H4 und 4023.H4 abgerechnet werden, um Honorarverluste zu vermeiden.

Zudem beanstanden Prüfer häufig die fehlerhafte Kombination mit anderen unspezifischen Schilddrüsenuntersuchungen am selben Behandlungstag. Eine strikte Indikationsstellung und die Dokumentation der Vorwerte sind essenziell, um Erstattungsstreitigkeiten erfolgreich abzuwenden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 4117: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen der präinterventionelle Basalwert sowie der exakte Zeitpunkt der TRH-Injektion dokumentiert werden. Auch die verabreichte Dosis von standardmäßig 200 µg TRH i.v. muss explizit vermerkt sein.

Der zweite Blutentnahmezeitpunkt nach exakt 30 Minuten sowie der resultierende stimulierte TSH-Wert sind zwingend festzuhalten. Bei Kindern muss zudem die gewichtsadaptierte Dosierung von 7 µg/kg Körpergewicht dokumentiert werden.

Dokumentation: TRH-Test am liegenden Patienten durchgeführt. 1. Blutentnahme (TSH-Basalwert: 0,25 mIU/l) um 09:00 Uhr, gefolgt von einem i.v.-Bolus von 200 µg TRH um 09:02 Uhr. Die 2. Blutentnahme erfolgte um 09:32 Uhr (TSH-stimuliert: 1,8 mIU/l) ohne Komplikationen.

GOÄ 4117: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ 4117 dem Abschnitt M III (Speziallabor) angehört, liegt der Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3 (37,88 €) ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig, wie beispielsweise extrem schwierigen Venenverhältnissen oder einer stark verzögerten Blutentnahme aus medizinischen Gründen.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird der TRH-Test mit der Bestimmung der freien Hormone fT3 (GOÄ 4022.H4) und fT4 (GOÄ 4023.H4) kombiniert. Auch die Abrechnung der venösen Blutentnahme nach GOÄ 250 ist für die erste Blutentnahme neben den Laborleistungen zulässig, sofern die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M beachtet werden.

Tipp: Bei der Abklärung einer latenten Hyperprolaktinämie kann ein modifizierter TRH-Test mit zusätzlicher Prolaktin-Bestimmung durchgeführt werden. In diesem Fall erhöht sich das Abrechnungsvolumen durch die mehrfache Prolaktin-Messung auf insgesamt bis zu 1.900 Punkte.

Ziffer 4117 in der neuen GOÄ

Ziffer 4117 (TRH-Test (Zweimalige Bestimmung von TSH), bisher beim 2,3-fachen Satz: 33,51 €) wird in der neuen GOÄ je nach Indikation und Methode unterschiedlichen Leistungen zugeordnet:

  • 11872 „TRH-Test Abklärung Schilddrüsenfunktion“ (18,24 €) — bei: TRH-Test mit TSH
  • 11873 „TRH-Test (GH) Abklärung Akromegalie“ (44,70 €) — bei: TRH-Test mit Wachstumshormon (GH)

Je nach Konstellation sind 18,24 € bis 44,70 € abrechenbar — die genaue Indikation und Dokumentation entscheiden.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4117

Heute ist die GOÄ 4117 vor allem zur Verifizierung latenter Schilddrüsenfunktionsstörungen bei grenzwertigen TSH-Basalwerten indiziert. Zudem dient der Test der Überprüfung der hypophysären Sekretionsleistung bei Verdacht auf ein Hypophysenvorderlappenadenom. Für die routinemäßige Primärdiagnostik ist er hingegen obsolet.
Ein normaler TSH-Anstieg nach TRH-Gabe liegt typischerweise zwischen 2,0 und 25 mIU/l. Ein Anstieg von unter 2,0 mIU/l deutet auf eine hyperthyreote Funktionsstörung hin, während ein Anstieg über 25 mIU/l für eine hypothyreote Störung spricht. Werte innerhalb des Normalbereichs schließen eine Funktionsstörung nahezu aus.
Ja, eine Steigerung der GOÄ 4117 ist bis zum Höchstsatz von 1,3-fach möglich. Da es sich um eine Speziallaborleistung handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach. Jede Überschreitung des Regelsatzes erfordert eine patientenbezogene, medizinische Begründung auf der Rechnung.
Neben der GOÄ 4117 können die Bestimmungen der freien Schilddrüsenhormone fT3 (GOÄ 4022.H4) und fT4 (GOÄ 4023.H4) berechnet werden. Auch die Durchführung der venösen Blutentnahme nach GOÄ 250 ist unter Berücksichtigung der allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M ansetzbar. Weitere hormonelle Bestimmungen sind je nach Fragestellung ebenfalls kombinierbar.
Bei Kindern erfolgt die Gabe von TRH gewichtsadaptiert mit einer Dosierung von 7 µg pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Erwachsenen wird standardmäßig ein Bolus von 200 µg TRH intravenös verabreicht. Die exakte Dosierung und Durchführung müssen für eine rechtssichere Abrechnung lückenlos dokumentiert werden.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich