Der TRH-Test nach GOÄ 4117 ist ein seltener, aber wichtiger Funktionstest. Erfahren Sie alles über Indikationen, Abrechnungssätze und typische Fehler.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4117
Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die GOÄ-Ziffer 4117 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter den Funktionstests wie folgt:
TRH-Test (Zweimalige Bestimmung von TSH) – 500 Punkte
Diese Leistung umfasst die funktionelle Überprüfung der Schilddrüsen-Regelachse durch die intravenöse Gabe von Thyrotropin-Releasing-Hormon (TRH). Im Leistungsumfang sind sowohl die basale als auch die stimulierte Bestimmung des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH) enthalten. Die für die Durchführung notwendigen Laboranalysen sind mit dieser Ziffer abgegolten.
GOÄ 4117 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
In der modernen Medizin hat der TRH-Test an Bedeutung verloren, da hochsensitive TSH-Assays der 3. Generation eine präzise Primärdiagnostik ermöglichen. Dennoch bleibt die Abrechnung der GOÄ 4117 in spezifischen klinischen Konstellationen weiterhin medizinisch begründet. Dies betrifft insbesondere die Verifizierung einer latenten Schilddrüsenfunktionsstörung bei grenzwertigen Basalwerten.
Ein typisches Einsatzgebiet ist die Abklärung bei basalen TSH-Werten im Bereich von 0,01 bis 0,3 mIU/l oder von 3,6 bis 5,0 mIU/l. Ein TSH-Anstieg von weniger als 2,0 mIU/l oder von mehr als 25 mIU/l nach TRH-Gabe bestätigt eine gestörte Schilddrüsenhormonfunktion. Liegt der Anstieg dazwischen, ist eine Funktionsstörung nahezu ausgeschlossen.
Darüber hinaus ist der Test indiziert, wenn die Sekretionsleistung des Hypophysenvorderlappens (HVL) überprüft werden muss. Dies ist häufig im Rahmen von HVL-Adenomen oder nach entsprechenden operativen Eingriffen der Fall. Hierbei wird der TRH-Test oft mit anderen Stimulationstests kombiniert.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4117
Fallbeispiel 1: Verdacht auf latente Hyperthyreose
Ein Patient stellt sich mit unspezifischen Symptomen und einem grenzwertig niedrigen basalen TSH-Wert von 0,15 mIU/l vor. Zur weiteren Abklärung wird ein TRH-Test durchgeführt. Nach intravenöser Applikation von 200 µg TRH zeigt sich nach 30 Minuten ein TSH-Anstieg von lediglich 1,2 mIU/l, was die Diagnose einer latenten Hyperthyreose sichert. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4117 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Überprüfung der Hypophysenfunktion bei HVL-Adenom
Bei einer Patientin mit einem bekannten Hypophysenvorderlappenadenom soll die gonadotrope und thyreotrope Partialfunktion überprüft werden. Im Rahmen eines kombinierten Stimulationstests erfolgt die Durchführung des TRH-Tests. Der unzureichende TSH-Anstieg weist auf eine sekundäre Hypothyreose hin. Neben den anderen Stimulationstests wird die GOÄ 4117 korrekt in Ansatz gebracht.
Fallbeispiel 3: Modifizierter TRH-Test bei Akromegalie
Bei einem Patienten mit Verdacht auf Akromegalie wird ein modifizierter TRH-Test durchgeführt, bei dem statt TSH das humane Wachstumshormon (HGH) bestimmt wird. Nach TRH-Injektion kommt es zu einem paradoxen, überschießenden HGH-Anstieg. Dieses Testformat entspricht dem konventionellen TRH-Test, wird jedoch aufgrund der modifizierten Bestimmung mit 700 Punkten bewertet und über die entsprechenden Vorgaben für Funktionstests abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4117: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die routinemäßige Durchführung des TRH-Tests zur Primärdiagnostik. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen fordern bei fehlender medizinischer Begründung oft eine Rückstufung, da die Schilddrüsendiagnostik der ersten Stufe primär über das basale TSH zu erfolgen hat. Der Test darf daher nicht als Screening-Methode eingesetzt werden.
Achtung: Die parallele Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 ist nicht Bestandteil der GOÄ 4117. Diese Laborleistungen müssen separat über die Ziffern 4022.H4 und 4023.H4 abgerechnet werden, um Honorarverluste zu vermeiden.
Zudem beanstanden Prüfer häufig die fehlerhafte Kombination mit anderen unspezifischen Schilddrüsenuntersuchungen am selben Behandlungstag. Eine strikte Indikationsstellung und die Dokumentation der Vorwerte sind essenziell, um Erstattungsstreitigkeiten erfolgreich abzuwenden.
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Dokumentation der GOÄ 4117: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen der präinterventionelle Basalwert sowie der exakte Zeitpunkt der TRH-Injektion dokumentiert werden. Auch die verabreichte Dosis von standardmäßig 200 µg TRH i.v. muss explizit vermerkt sein.
Der zweite Blutentnahmezeitpunkt nach exakt 30 Minuten sowie der resultierende stimulierte TSH-Wert sind zwingend festzuhalten. Bei Kindern muss zudem die gewichtsadaptierte Dosierung von 7 µg/kg Körpergewicht dokumentiert werden.
Dokumentation: TRH-Test am liegenden Patienten durchgeführt. 1. Blutentnahme (TSH-Basalwert: 0,25 mIU/l) um 09:00 Uhr, gefolgt von einem i.v.-Bolus von 200 µg TRH um 09:02 Uhr. Die 2. Blutentnahme erfolgte um 09:32 Uhr (TSH-stimuliert: 1,8 mIU/l) ohne Komplikationen.
GOÄ 4117: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4117 dem Abschnitt M III (Speziallabor) angehört, liegt der Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3 (37,88 €) ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig, wie beispielsweise extrem schwierigen Venenverhältnissen oder einer stark verzögerten Blutentnahme aus medizinischen Gründen.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird der TRH-Test mit der Bestimmung der freien Hormone fT3 (GOÄ 4022.H4) und fT4 (GOÄ 4023.H4) kombiniert. Auch die Abrechnung der venösen Blutentnahme nach GOÄ 250 ist für die erste Blutentnahme neben den Laborleistungen zulässig, sofern die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M beachtet werden.
Tipp: Bei der Abklärung einer latenten Hyperprolaktinämie kann ein modifizierter TRH-Test mit zusätzlicher Prolaktin-Bestimmung durchgeführt werden. In diesem Fall erhöht sich das Abrechnungsvolumen durch die mehrfache Prolaktin-Messung auf insgesamt bis zu 1.900 Punkte.
Ziffer 4117 in der neuen GOÄ
Ziffer 4117 (TRH-Test (Zweimalige Bestimmung von TSH), bisher beim 2,3-fachen Satz: 33,51 €) wird in der neuen GOÄ je nach Indikation und Methode unterschiedlichen Leistungen zugeordnet:
- 11872 „TRH-Test Abklärung Schilddrüsenfunktion“ (18,24 €) — bei: TRH-Test mit TSH
- 11873 „TRH-Test (GH) Abklärung Akromegalie“ (44,70 €) — bei: TRH-Test mit Wachstumshormon (GH)
Je nach Konstellation sind 18,24 € bis 44,70 € abrechenbar — die genaue Indikation und Dokumentation entscheiden.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4117
Was hat nicht gestimmt?