GOÄ 4122: Gesamt-Porphyrine qualitativ – Abrechnung & Tipps

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4122
Gesamt-Porphyrine, qualitativ
Punktzahl 120  
Einfachsatz 6,99 € 1,0x
Regelhöchstsatz 8,04 € 1,1x
Höchstsatz 9,09 € 1,3x

Die GOÄ-Ziffer 4122 beschreibt die qualitative Bestimmung der Gesamt-Porphyrine. Erfahren Sie alles über die Abrechnung, Obsoleszenz und moderne Alternativen.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4122

Die Gebührenordnung für Ärzte führt die GOÄ-Ziffer 4122 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter der Überschrift "Porphyrine und ihre Vorläufer" auf. Die offizielle Leistungsbeschreibung lautet:

Gesamt-Porphyrine, qualitativ

Diese Leistung umfasst den qualitativen Nachweis von Porphyrinen in einer Körperflüssigkeit, meist im Urin. Die Untersuchung basiert auf der chemischen Eigenschaft dieser Substanzen, als Farbstoffe zu fungieren. Durch spezielle Extraktionsverfahren und Reagenzienzugabe wird ein charakteristischer Farbumschlag visuell beurteilt.

GOÄ 4122 in der Praxis: Obsoleszenz und moderne Alternativen

In der modernen Laboratoriumsmedizin hat die qualitative Bestimmung der Gesamt-Porphyrine stark an Bedeutung verloren. Die Methode gilt heute als weitgehend obsolet, da sie eine sehr geringe Sensitivität und Spezifität aufweist. Der hohe manuelle Aufwand bei der Extraktion steht in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum diagnostischen Nutzen.

Klinische Symptome wie phototoxische Hautreaktionen oder akute abdominelle Beschwerden erfordern eine präzise Diagnostik. Anstelle des qualitativen Nachweises wird in der Praxis die quantitative Bestimmung bevorzugt. Diese liefert exakte Werte, die für eine differenzierte Diagnose der verschiedenen Porphyrie-Formen unerlässlich sind.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4122

Fallbeispiel 1: Historischer Verdacht auf Porphyria cutanea tarda

Ein Patient stellt sich mit blasenbildenden Hautveränderungen an den Handrücken nach Sonnenexposition vor. Zur ersten Orientierung wird eine qualitative Urinuntersuchung auf Porphyrine veranlasst. Nach der Extraktion zeigt sich ein deutlicher Farbumschlag, was den Verdacht erhärtet. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4122 zum einfachen Gebührensatz.

Fallbeispiel 2: Abklärung akuter abdomineller Beschwerden

Eine Patientin leidet unter wiederkehrenden, unklaren Bauchschmerzen und zeigt eine Dunkelfärbung des Urins nach längerem Stehenlassen. Es erfolgt die qualitative Bestimmung der Gesamt-Porphyrine im Labor. Die manuelle Durchführung und visuelle Auswertung ergeben einen positiven Befund. Die Abrechnung erfolgt mit dem Regelhöchstsatz von 1,15-fach gemäß GOÄ 4122.

Fallbeispiel 3: Umstellung auf quantitative Diagnostik

Bei Verdacht auf eine akute intermittierende Porphyrie fordert die Praxis eine differenzierte Diagnostik an. Das Labor führt statt der qualitativen Methode direkt eine quantitative Analyse durch. Da die qualitative Ziffer 4122 den medizinischen Standard nicht mehr abbildet, wird die quantitative Bestimmung nach GOÄ 4123 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4122: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4122 liegt in der Missachtung des Wirtschaftlichkeitsgebots. Da die Methode als medizinisch überholt gilt, beanstanden private Krankenversicherungen und Beihilfestellen diese Ziffer regelmäßig. Es wird argumentiert, dass die Leistung nicht mehr dem aktuellen wissenschaftlichen Standard entspricht.

Zudem müssen die allgemeinen Ausschlusskriterien des Abschnitts M beachtet werden. Eine parallele Abrechnung von qualitativen und quantitativen Methoden aus derselben Probe ist ohne besondere Begründung nicht zulässig. Prüfer fordern in solchen Fällen häufig eine Korrektur der Liquidation.

Achtung: Die Abrechnung einer obsoleten Methode wie der GOÄ 4122 kann zum vollständigen Honorarausfall führen, wenn die medizinische Notwendigkeit vom Kostenträger erfolgreich bestritten wird.

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Dokumentation der GOÄ 4122: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist auch bei vermeintlich einfachen Laborleistungen zwingend erforderlich. In der Patientenakte müssen die genaue Indikation, der Verdacht und die Durchführung der Extraktion vermerkt sein. Auch das visuelle Ergebnis des Farbumschlags muss reproduzierbar dokumentiert werden.

Besonders wichtig ist die Begründung, warum im Einzelfall eine qualitative Methode einer quantitativen Analyse vorgezogen wurde. Dies schützt die Praxis vor nachträglichen Regressforderungen der Kostenträger. Eine präzise Befundbeschreibung ist hierbei der beste Schutz.

Dokumentation: Verdacht auf Porphyria cutanea tarda bei kutanen Läsionen. Durchführung der qualitativen Porphyrin-Bestimmung aus Spontanurin mittels Extraktion. Ergebnis: Positiver Farbumschlag nachweisbar.

GOÄ 4122: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die GOÄ-Ziffer 4122 gehört zum Abschnitt M III der Gebührenordnung. Der Gebührenrahmen für diese Laborleistungen ist eingeschränkt und erlaubt eine Steigerung maximal bis zum 1,3-fachen Höchstsatz. Eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes von 1,15-fach erfordert eine besondere, patientenbezogene Begründung, wie etwa einen extrem hohen manuellen Aufwand bei der Probenaufbereitung.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die Bestimmung der Gesamt-Porphyrine mit anderen labordiagnostischen Basiskriterien kombiniert. Dazu gehören die Bestimmung des Urinstatus oder die Analyse von Leberwerten. Eine Kombination mit der quantitativen Ziffer 4123 ist in der Regel nicht sinnvoll, da die quantitative Methode die qualitative diagnostisch vollständig ersetzt.

Tipp: Um Erstattungsprobleme zu vermeiden, sollte bei klinischem Verdacht direkt die quantitative Bestimmung nach GOÄ 4123 veranlasst und abgerechnet werden.

Ziffer 4122 in der neuen GOÄ

Ziffer 4122 (Gesamt-Porphyrine, qualitativ) findet ihren Nachfolger in Nummer 12797 — „Gesamt-Porphyrine z.B. Spontanurin, Stuhl, Erythrozyten(-Hämolysat), ggf. einschließlich Probenaufbereitung; Spektrometrie (Fluorimetrie); Auswertung: apparativ- quantitativ.“ — mit festem Satz von 18,79 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 8,04 €). Die Leistung nach Nummer 12797 ist neben der Leistung nach Nummer 12800 nicht berechnungsfähig, wenn die Untersuchung aus dem gleichen Probenmaterial erfolgt.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4122

Die GOÄ-Ziffer 4122 bewertet die qualitative Bestimmung von Gesamt-Porphyrinen im Urin mit 120 Punkten. Diese Methode gilt in der modernen Medizin jedoch als weitgehend obsolet.
Der einfache Gebührensatz beträgt 6,99 Euro. Bei Anwendung des Regelhöchstsatzes von 1,15-fach für Laborleistungen ergibt sich ein Betrag von 8,04 Euro.
Die qualitative Farbumschlagsmethode besitzt eine sehr geringe diagnostische Aussagekraft bei gleichzeitig hohem manuellem Aufwand. Moderne Labore nutzen stattdessen präzisere quantitative Verfahren.
Als moderne und medizinisch notwendige Alternative bietet sich die quantitative Bestimmung der Porphyrine nach GOÄ-Ziffer 4123 an. Diese liefert verlässliche Werte für die Porphyrie-Diagnostik.
Private Krankenversicherungen lehnen die Erstattung der GOÄ 4122 häufig ab, da die Methode nicht mehr dem aktuellen medizinischen Standard entspricht. Eine Abrechnung sollte daher gut begründet oder durch moderne Verfahren ersetzt werden.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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