GOÄ 4160: Desipramin-Bestimmung korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 4160
Untersuchung mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Desipramin
Punktzahl 250  
Einfachsatz 14,57 € 1,0x
Regelhöchstsatz 16,76 € 1,1x
Höchstsatz 18,94 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4160

Untersuchung mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Desipramin

Die GOÄ-Ziffer 4160 beschreibt eine hochspezifische quantitative Bestimmung des Wirkstoffs Desipramin im Serum oder Plasma. Diese Analyse erfolgt mittels eines Ligandenassays, welcher immunologische Bindungsreaktionen nutzt, um präzise Konzentrationsmessungen zu ermöglichen. Eventuell erforderliche Doppelbestimmungen oder das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve sind bereits mit dieser Gebühr abgegolten.

Gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) ist der konkret untersuchte Parameter zwingend auf der Liquidation anzugeben. Dies dient der Transparenz gegenüber dem Kostenträger und ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Erstattung.

GOÄ 4160 in der Praxis: Therapeutisches Drug Monitoring von Desipramin

Die Bestimmung von Desipramin ist ein klassischer Bestandteil des Therapeutischen Drug Monitorings (TDM) in der Psychiatrie und Neurologie. Da Desipramin ein aktiver Metabolit von Imipramin ist und eine enge therapeutische Breite aufweist, ist die Überwachung des Wirkstoffspiegels medizinisch hochgradig relevant. Zu hohe Konzentrationen können schwere kardiotoxische Nebenwirkungen auslösen, während zu niedrige Spiegel wirkungslos bleiben.

Typische Indikationen für die Abrechnung der GOÄ 4160 sind die Ersteinstellung des Patienten, der Verdacht auf mangelnde Therapietreue (Compliance) oder das Auftreten unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Auch bei älteren Patienten oder Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist die regelmäßige Kontrolle indiziert.

Tipp: Bei der Verordnung von Imipramin sollte beachtet werden, dass sowohl die Muttersubstanz als auch der aktive Metabolit Desipramin bestimmt werden müssen, um das therapeutische Fenster korrekt zu beurteilen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4160

Fallbeispiel 1: Ersteinstellung auf Desipramin

Ein Patient mit einer schweren depressiven Episode wird stationär oder ambulant auf das trizyklische Antidepressivum Desipramin eingestellt. Nach Erreichen des Steady-State (ca. eine Woche nach Therapiebeginn) erfolgt die Blutentnahme zur Bestimmung des Talspiegels. Die Laboranalyse wird mittels Ligandenassay durchgeführt und nach GOÄ-Ziffer 4160 liquidiert.

Fallbeispiel 2: Verdacht auf Non-Compliance

Bei einer Patientin unter laufender Desipramin-Therapie zeigt sich trotz adäquater Dosierung keine klinische Besserung der depressiven Symptomatik. Zur Abklärung einer eventuellen Non-Compliance oder eines ultraschnellen Metabolismus wird der Serumspiegel bestimmt. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die Ziffer 4160 unter Angabe des Parameters Desipramin.

Fallbeispiel 3: Kombinationstherapie und Interaktionskontrolle

Ein Patient erhält Desipramin und muss aufgrund einer Begleiterkrankung zusätzlich mit einem CYP2D6-Inhibitor (z. B. Fluoxetin) behandelt werden. Da hierdurch der Desipramin-Spiegel massiv ansteigen kann, erfolgt eine engmaschige Kontrolle des Wirkstoffspiegels. Die Bestimmung wird über die GOÄ 4160 abgerechnet, um eine Intoxikation frühzeitig zu verhindern.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4160: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4160 ist das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen weisen Rechnungen oft zurück, wenn lediglich die Ziffer ohne den Zusatz "Desipramin" aufgeführt ist. Die explizite Nennung des Analyten ist eine zwingende formale Voraussetzung.

Zudem ist darauf zu achten, dass Doppelbestimmungen nicht mehrfach berechnet werden dürfen. Die Leistungsbeschreibung schließt die Doppelbestimmung und die Erstellung einer Bezugskurve ausdrücklich ein. Eine separate Abrechnung dieser Teilschritte führt regelmäßig zu Beanstandungen und Honorarkürzungen.

Achtung: Die Ziffer 4160 darf nicht neben anderen Ziffern für denselben Analyten am selben Tag berechnet werden. Achten Sie darauf, dass bei der Bestimmung von Imipramin und Desipramin zwei separate, eigenständige Wirkstoffe vorliegen, die auch getrennt berechnet werden dürfen.

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Dokumentation der GOÄ 4160: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung nach der GOÄ. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. Verdacht auf Intoxikation, Dosisanpassung) sowie der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme im Verhältnis zur letzten Medikamenteneinnahme dokumentiert sein. Nur so lässt sich der gemessene Talspiegel medizinisch sinnvoll interpretieren.

Das Laborergebnis inklusive des gemessenen quantitativen Werts und des herangezogenen Referenzbereichs muss dauerhaft in den Krankenunterlagen archiviert werden. Bei Rückfragen von Kostenträgern dient diese Dokumentation als unverzichtbarer Nachweis der medizinischen Notwendigkeit.

Dokumentation: Blutentnahme zur TDM-Kontrolle von Desipramin 12 Stunden nach der letzten Einnahme (Talspiegel). Indikation: Verdacht auf unzureichende therapeutische Wirkung bei Standarddosierung. Laborbefund archiviert.

GOÄ 4160: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ 4160 dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) angehört, unterliegt sie einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur mit einer schriftlichen, patientenbezogenen Begründung zulässig, beispielsweise bei extrem schwierigen Probenvorbereitungen oder unerwarteten Kreuzreaktionen, die einen erheblichen Mehraufwand verursachten.

Typische Ziffernkombinationen

Häufig wird die GOÄ 4160 zusammen mit der Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 abgerechnet. Bei einer umfassenden psychiatrischen Betreuung kommen zudem Beratungen nach GOÄ-Ziffer 1 oder 3 sowie psychiatrische Gespräche nach GOÄ-Ziffer 806 oder 807 in Betracht. Wichtig ist, dass die Laborleistung zeitlich und sachlich getrennt von den therapeutischen Leistungen ausgewiesen wird.

Ziffer 4160 in der neuen GOÄ

Ziffer 4160 (Untersuchung mittels Ligandenassay - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Desipramin) findet ihren Nachfolger in Nummer 11679 — „Antidepressiva, je Untersuchung (Chromatogramm), HPLC z.B. Amitriptylin, Citalopram, Desipramin, Doxepin, Imipramin, Mirtazapin, Nortriptylin, Paroxetin, Venlafaxin; Serum oder Plasma; Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC); Auswertung: apparativ-quantitativ.“ — mit festem Satz von 24,99 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €). Das/Die untersuchte(n) Antidepressivum(a) ist/sind in der Rechnung anzugeben.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4160

Die GOÄ-Ziffer 4160 ist mit 250 Punkten bewertet. Dies entspricht einem Einfachsatz von 14,57 € und einem Regelhöchstsatz (1,15-fach) von 16,76 €. Der maximale Satz (1,3-fach) beträgt 18,94 €.
Ja, eine Steigerung der GOÄ-Ziffer 4160 ist bis zum 1,3-fachen Höchstsatz möglich. Hierfür ist jedoch eine medizinische Begründung erforderlich, die einen außergewöhnlichen Aufwand bei der Analyse belegt. Der Regelsatz für Laborleistungen liegt standardmäßig beim 1,15-fachen Faktor.
Auf der Liquidation muss der konkret untersuchte Parameter zwingend angegeben werden. Im Fall der GOÄ 4160 muss daher die Bezeichnung 'Desipramin' explizit aufgeführt sein. Fehlt diese Angabe, kann der Kostenträger die Erstattung verweigern.
Ja, eventuelle Doppelbestimmungen und das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve sind in der Leistungsbeschreibung der GOÄ 4160 bereits enthalten. Diese Teilschritte dürfen nicht als eigenständige Leistungen separat berechnet werden.
Ja, da es sich bei Imipramin und dem aktiven Metaboliten Desipramin um zwei unterschiedliche chemische Substanzen handelt, ist die separate Abrechnung beider Parameter medizinisch begründet und zulässig. Jede Bestimmung wird mit der entsprechenden Ziffer liquidiert.
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