Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 4186 für die quantitative Bestimmung von Amitriptylin. Alles zu Indikationen, Fallstricken und Kombinationen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4186
Untersuchung mittels Ligandenassay - einschließlich vorhergehender Säulentrennung, gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Amitryptilin
Die GOÄ-Ziffer 4186 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung aus dem Bereich der Speziallabor-Untersuchungen (Abschnitt M III). Im Zentrum steht die quantitative Bestimmung des trizyklischen Antidepressivums Amitriptylin mittels Ligandenassay. Diese Methode erlaubt eine präzise Messung der Wirkstoffkonzentration im Blutserum des Patienten.
In der Leistungsbeschreibung ist festgelegt, dass eine eventuell erforderliche Säulentrennung bereits mit der Gebühr abgegolten ist. Auch eine gegebenenfalls notwendige Doppelbestimmung zur Qualitätssicherung sowie das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve dürfen nicht separat in Rechnung gestellt werden. Diese Bestandteile sind integraler Teil der Ziffer 4186.
GOÄ 4186 in der Praxis: Indikationen und therapeutisches Drug Monitoring
Die Bestimmung des Amitriptylinspiegels ist ein klassisches Werkzeug des Therapeutic Drug Monitoring (TDM). Da Amitriptylin eine relativ enge therapeutische Breite besitzt und die Metabolisierungsrate interindividuell stark schwankt, ist eine regelmäßige Kontrolle der Serumkonzentration medizinisch sinnvoll. Dies gilt insbesondere bei älteren Patienten oder bei Verdacht auf eine veränderte Metabolisierungsgeschwindigkeit über das Cytochrom-P450-System.
Typische Indikationen für die Anforderung dieser Laborleistung sind der Verdacht auf mangelnde Therapietreue (Non-Compliance) sowie das Ausbleiben der gewünschten therapeutischen Wirkung trotz Standarddosierung. Auch beim Auftreten schwerer anticholinerger Nebenwirkungen oder bei Verdacht auf eine Intoxikation ist die Bestimmung indiziert. Die quantitative Analyse liefert dem behandelnden Arzt die notwendige Entscheidungsgrundlage für eine Dosisanpassung.
Tipp: Für eine valide Interpretation des Serumspiegels sollte die Blutentnahme im sogenannten Talspiegel erfolgen. Dies ist in der Regel unmittelbar vor der nächsten geplanten Medikamenteneinnahme der Fall.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4186
Fallbeispiel 1: Therapiekontrolle bei Ersteinstellung
Ein Patient mit einer schweren depressiven Episode wird neu auf Amitriptylin eingestellt. Nach Erreichen des Steady-State-Zustands nach etwa einer Woche erfolgt die Blutentnahme zur Überprüfung des therapeutischen Fensters. Die quantitative Bestimmung im Serum wird veranlasst.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4186 mit dem Regelsatz von 1,15 (46,92 €). Zusätzlich kann die Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 berechnet werden.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Non-Compliance
Eine Patientin zeigt trotz einer verordneten Tagesdosis von 150 mg Amitriptylin keinerlei klinische Besserung. Zur Abklärung eines eventuellen Resorptionsdefizits oder einer mangelnden Compliance wird eine Serumkonzentrationsbestimmung durchgeführt.
Die Laborleistung wird mit der Ziffer 4186 abgerechnet. Die Dokumentation weist die Indikation der mangelnden therapeutischen Wirkung explizit aus.
Fallbeispiel 3: Akuter Verdacht auf Intoxikation
Ein Patient wird mit Verwirrtheitszuständen, Mydriasis und Tachykardie in der Praxis vorstellig. Aufgrund der bekannten Medikation besteht der dringende Verdacht auf eine Amitriptylin-Überdosierung.
Die Bestimmung des Wirkstoffspiegels erfolgt als Notfallanalytik. Neben der GOÄ 4186 werden die entsprechenden Notfallzuschläge und klinischen Basisuntersuchungen in Ansatz gebracht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4186: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Berechnung der Säulentrennung. Da diese in der Leistungsbeschreibung der GOÄ 4186 explizit genannt und eingeschlossen ist, führt eine separate Abrechnung regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen.
Zudem ist darauf zu achten, dass für denselben Analyten am selben Tag keine unterschiedlichen Bestimmungsmethoden nebeneinander abgerechnet werden dürfen. Die Kombination mit anderen unspezifischen Suchtests für trizyklische Antidepressiva kann ebenfalls beanstandet werden, wenn diese denselben Wirkstoff betreffen.
Achtung: Der aktive Metabolit Nortriptylin wird bei der Metabolisierung von Amitriptylin gebildet. Sollte dieser ebenfalls quantitativ bestimmt werden, muss hierfür eine separate, methodisch passende Ziffer gewählt werden, da die GOÄ 4186 ausschließlich Amitriptylin umfasst.
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Dokumentation der GOÄ 4186: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation für das Drug Monitoring sowie der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme im Verhältnis zur letzten Medikamenteneinnahme dokumentiert werden.
Auch das Laborergebnis und die daraus resultierende therapeutische Konsequenz, wie beispielsweise eine Dosisanpassung oder die Beibehaltung der Medikation, gehören zwingend in die Dokumentation. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme im Sinne der GOÄ.
Dokumentation: Indikation: Verdacht auf Non-Compliance bei ausbleibendem Therapieeffekt unter Amitriptylin 75 mg/d. Blutentnahme im Talspiegel (12 Std. nach letzter Einnahme). Bestimmung mittels Ligandenassay nach GOÄ 4186.
GOÄ 4186: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Speziallabors unterliegt die GOÄ-Ziffer 4186 einem reduzierten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt hier bei dem 1,15-fachen Satz (46,92 €), während der maximale Höchstsatz bei 1,3 (53,04 €) gedeckelt ist.
Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig. Als Begründung für den erhöhten Aufwand können beispielsweise schwierige Probenverhältnisse durch stark lipämische oder hämolytische Seren herangezogen werden, die eine aufwendigere Vorbereitung erforderten.
Typische Ziffernkombinationen
Die Bestimmung von Amitriptylin wird in der Praxis häufig von weiteren Laboruntersuchungen begleitet. Sinnvoll und zulässig ist die Kombination mit der Bestimmung von Leberwerten (z. B. GOÄ 3592 für GOT) oder Nierenwerten (z. B. GOÄ 3585 für Kreatinin), um potenzielle Organtoxizitäten zu überwachen.
Auch die Kombination mit der Bestimmung anderer Psychopharmaka-Spiegel ist bei einer Kombinationstherapie zulässig, sofern für jeden Wirkstoff eine eigene medizinische Indikation vorliegt und die jeweiligen Ziffern nebeneinander berechenbar sind.
Ziffer 4186 in der neuen GOÄ
Ziffer 4186 (Untersuchung mittels Ligandenassay - einschließlich vorhergehender Säulentrennung, gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve-Amitryptilin) findet ihren Nachfolger in Nummer 11679 — „Antidepressiva, je Untersuchung (Chromatogramm), HPLC z.B. Amitriptylin, Citalopram, Desipramin, Doxepin, Imipramin, Mirtazapin, Nortriptylin, Paroxetin, Venlafaxin; Serum oder Plasma; Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC); Auswertung: apparativ-quantitativ.“ — mit festem Satz von 24,99 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 46,92 €). Das/Die untersuchte(n) Antidepressivum(a) ist/sind in der Rechnung anzugeben.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4186
Was hat nicht gestimmt?