Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4199
Untersuchung mittels Hochdruckflüssigkeitschromatographie, je Untersuchung-Amiodarone
Die GOÄ-Ziffer 4199 beschreibt eine hochspezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Hochdruckflüssigkeitschromatographie (HPLC). Diese Methode dient der präzisen Trennung und Quantifizierung von Substanzen in komplexen biologischen Proben wie Blutserum oder Plasma. Im klinischen Alltag wird diese Ziffer primär für das therapeutische Drug Monitoring des Antiarrhythmikums Amiodaron herangezogen.
Die Leistungsbeschreibung enthält die explizite Vorgabe, dass die untersuchten Parameter in der Rechnung anzugeben sind. Dies bedeutet, dass neben der Ziffer selbst auch der Name des Wirkstoffs oder seines Metaboliten aufgeführt werden muss. Da es sich um eine Leistung des Abschnitts M III handelt, gelten die spezifischen Bestimmungen für Speziallaborleistungen.
GOÄ 4199 in der Praxis: Indikation und therapeutisches Drug Monitoring
Amiodaron ist ein hochwirksames Klasse-III-Antiarrhythmikum, das jedoch eine sehr lange Halbwertszeit und ein erhebliches Potenzial für schwerwiegende Nebenwirkungen aufweist. Aus diesem Grund ist ein regelmäßiges therapeutisches Drug Monitoring (TDM) medizinisch dringend indiziert. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich der Wirkstoffspiegel im therapeutischen Fenster befindet.
Typische Indikationen für die Durchführung einer HPLC-Analyse nach GOÄ 4199 sind der Verdacht auf eine Unterdosierung bei fortbestehenden Herzrhythmusstörungen oder der Verdacht auf eine Intoxikation. Auch bei der Neueinstellung des Patienten oder bei bekannter Organinsuffizienz ist die Bestimmung des Serumspiegels unerlässlich. Die HPLC-Methode erfasst dabei meist sowohl Amiodaron als auch den aktiven Hauptmetaboliten Desethylamiodaron.
Tipp: Achten Sie darauf, dass die Blutentnahme für das TDM idealerweise im Talspiegel, also unmittelbar vor der nächsten geplanten Tabletteneinnahme, erfolgt. Dies sichert die Vergleichbarkeit und klinische Aussagekraft der Laborwerte.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4199
Fallbeispiel 1: Routine-Monitoring bei stabiler Langzeittherapie
Ein Patient stellt sich zur halbjährlichen Routinekontrolle unter stabiler Medikation mit Amiodaron vor. Zur Überprüfung der Compliance und zur Vermeidung einer schleichenden Kumulation wird eine Serumprobe mittels HPLC analysiert. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4199 zum Regelsatz von 24,13 € (1,15-facher Satz) unter Angabe des Parameters Amiodaron.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf pulmonale Toxizität
Eine Patientin entwickelt unter laufender Therapie einen trockenen Reizhusten und Belastungsdyspnoe. Zum Ausschluss einer Amiodaron-induzierten Lungentoxizität wird eine sofortige Spiegelbestimmung veranlasst. Aufgrund der klinischen Dringlichkeit erfolgt eine beschleunigte Express-Analyse im Labor. Die Abrechnung der GOÄ 4199 wird mit dem 1,3-fachen Höchstsatz (27,28 €) liquidiert, begründet durch die notwendige Eilanalytik.
Fallbeispiel 3: Dosisanpassung bei fortgeschrittener Leberinsuffizienz
Bei einem Patienten mit bekannter Leberzirrhose muss die Amiodaron-Dosis aufgrund veränderter Pharmakokinetik angepasst werden. Zur engmaschigen Überwachung des aktiven Metaboliten Desethylamiodaron wird eine HPLC-Analyse durchgeführt. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4199 zum Regelhöchstsatz von 1,15, da die Analyse im regulären Laborbetrieb stattfindet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4199: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger formaler Fehler bei der Liquidation der GOÄ 4199 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Erstattung regelmäßig, wenn lediglich die Ziffer ohne den Zusatz "Amiodaron" oder "Desethylamiodaron" aufgeführt ist. Die Einhaltung dieser formalen Vorgabe ist daher essenziell für eine reibungslose Erstattung.
Ein weiterer Abrechnungsfehler betrifft den angewandten Steigerungssatz. Da es sich um eine Laborleistung des Abschnitts M handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15 und der maximale Höchstsatz bei 1,3. Die fälschliche Anwendung des im ärztlichen Bereich üblichen 2,3-fachen oder 3,5-fachen Satzes führt unweigerlich zu Beanstandungen und Rechnungsrückweisen.
Achtung: Die GOÄ 4199 darf nicht berechnet werden, wenn die Bestimmung des Wirkstoffs über ein einfacheres, nicht-chromatographisches Verfahren wie einen Immunoassay erfolgt ist. In solchen Fällen müssen die entsprechenden Ziffern für immunologische Analysen gewählt werden.
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Dokumentation der GOÄ 4199: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen und Wirtschaftlichkeitsprüfungen. In der Patientenakte muss die medizinische Indikation für das therapeutische Drug Monitoring klar ersichtlich sein. Dazu gehören Angaben zur aktuellen Dosierung, zur Dauer der Therapie sowie eventuelle klinische Symptome, die eine Überprüfung notwendig machen.
Zusätzlich sollten der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme und der Zeitpunkt der letzten Medikamenteneinnahme dokumentiert werden. Der schriftliche Laborbefund, der die Messergebnisse für Amiodaron und dessen Metaboliten ausweist, muss dauerhaft in den medizinischen Behandlungsunterlagen archiviert werden.
Dokumentationsbeispiel:
Indikation: V. a. Amiodaron-Toxizität bei neu aufgetretener Bradykardie. Blutentnahme um 08:00 Uhr (Talspiegel, 12 Std. nach letzter Einnahme). Laborauftrag HPLC Amiodaron/Desethylamiodaron erteilt. Befund: Amiodaron 1,9 mg/l (therapeutischer Bereich: 1,0-2,5 mg/l). Klinische Überwachung fortgesetzt, vorerst keine Dosisänderung.
GOÄ 4199: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Erhöhung des Steigerungssatzes über den Schwellenwert von 1,15 hinaus bis zum Höchstsatz von 1,3 erfordert eine einzelfallbezogene, medizinische Begründung. Berechtigte Gründe für eine Steigerung können beispielsweise eine besonders schwierige Probenvorbereitung bei stark lipämischen Seren sein. Auch eine medizinisch begründete Notfall- oder Eilanalytik außerhalb der regulären Arbeitszeiten rechtfertigt den erhöhten Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Im Rahmen einer umfassenden Betreuung von Patienten unter Amiodaron-Therapie treten häufig sinnvolle Kombinationen mit anderen GOÄ-Ziffern auf. Die Blutentnahme selbst wird in der Regel nach GOÄ-Ziffer 250 berechnet. Da Amiodaron die Schilddrüsenfunktion beeinflussen kann, ist die regelmäßige Bestimmung des TSH-Werts nach GOÄ-Ziffer 4030 eine typische Begleitleistung.
Ebenso sollten die Leberwerte (z. B. GOT nach GOÄ 3594 und GPT nach GOÄ 3595) regelmäßig kontrolliert werden, da der Wirkstoff hepatotoxisch wirken kann. Alle diese Analysen sind eigenständige Leistungen und dürfen neben der GOÄ 4199 auf der Liquidation aufgeführt werden, sofern die medizinische Notwendigkeit gegeben ist.
Ziffer 4199 in der neuen GOÄ
Die Leistung wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11676 — „Antiarrhythmika, je Untersuchung (Chromatogramm), HPLC z.B. Amiodaron, Disopyramid, Flecainid, Lidocain, Procainamid, Propafenon“. Festpreis: 22,30 € (aktueller 2,3-facher Satz: 24,13 € — etwas weniger als heute). Das/Die untersuchte(n) Antiarrhythmikum(a) ist/sind in der Rechnung anzugeben.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4199
Was hat nicht gestimmt?