Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4207
Untersuchung mittels Gaschromatographie, je Untersuchung-Ethanol - Punktzahl: 410. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Die Leistungsbeschreibung definiert die quantitative Analyse von Ethanol mittels der Methode der Gaschromatographie. Diese hochpräzise physikalische Trennmethode dient im Labor der exakten Bestimmung flüchtiger Substanzen. Die Ziffer ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt M III (Speziallabor) der Gebührenordnung für Ärzte verortet.
Die obligate Angabe der untersuchten Parameter auf der Liquidation stellt eine formale Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit dar. Da es sich um eine spezialisierte Laborleistung handelt, ist die Einhaltung der methodenspezifischen Qualitätsstandards zwingend erforderlich.
GOÄ 4207 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Bestimmung des Blutalkoholgehalts mittels Gaschromatographie stellt den Goldstandard in der forensischen und klinischen Toxikologie dar. Typische klinische Szenarien umfassen die Abklärung einer akuten Alkoholintoxikation bei bewusstseinsgestörten Patienten in der Notaufnahme. Auch die Differenzialdiagnostik bei unklaren neurologischen Defiziten erfordert häufig diesen präzisen Nachweis.
Im Gegensatz zu enzymatischen Schnelltests bietet die Gaschromatographie eine extrem hohe Spezifität und Sensitivität. Dies verhindert falsch-positive Ergebnisse, die beispielsweise durch andere Alkohole wie Isopropanol oder Methanol verursacht werden könnten. Daher ist die Anwendung der GOÄ 4207 insbesondere bei forensischen Fragestellungen oder rechtlich relevanten Gutachten unverzichtbar.
Tipp: Bei rein forensischen Aufträgen außerhalb der Heilbehandlung (z. B. für Behörden) gelten oft gesonderte Tarife oder Vereinbarungen, die vorab schriftlich fixiert werden sollten.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4207
Fallbeispiel 1: Notfallmäßige Abklärung bei Somnolenz
Ein Patient wird mit unklarer Bewusstseinstrübung und Verdacht auf Mischintoxikation in die Praxis eingeliefert. Zur schnellen und sicheren Differenzierung wird eine Blutprobe entnommen und die Ethanol-Konzentration mittels Gaschromatographie bestimmt. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4207 zum Regelsatz, da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen.
Fallbeispiel 2: Gutachterliche Untersuchung zur Fahrtauglichkeit
Im Rahmen einer medizinischen Begutachtung der Fahreignung wird eine präzise quantitative Bestimmung des Alkoholkonsums gefordert. Die Analyse erfolgt hochspezifisch über die Gaschromatographie-Methode. Neben der Ziffer 4207 werden die entsprechenden Beratungs- und Untersuchungsgebühren sowie die Probenentnahme liquidiert.
Fallbeispiel 3: Verdacht auf Methanol-Beimengung
Bei Verdacht auf den Konsum von verunreinigtem Alkohol wird eine differenzierte chromatographische Analyse durchgeführt. Da hierbei Ethanol und Methanol getrennt bestimmt werden, ist die Ziffer 4207 für die Ethanol-Bestimmung anzusetzen. Die Bestimmung weiterer Alkohole erfolgt über separate, methodenspezifische Ziffern des Speziallabors.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4207: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt in der Verwechslung der gaschromatographischen Bestimmung mit einfacheren, enzymatischen Nachweisverfahren. Wird der Ethanolnachweis mittels eines enzymatischen Assays (z. B. ADH-Methode) durchgeführt, darf nicht die GOÄ 4207, sondern es muss die entsprechende Ziffer für enzymatische Bestimmungen gewählt werden. Dies führt bei Prüfungen durch private Krankenversicherungen regelmäßig zu Kürzungen.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig das Fehlen der konkreten Parameterangabe auf der Rechnung. Die Leistungsbeschreibung fordert explizit, dass der untersuchte Parameter (in diesem Fall "Ethanol") auf der Liquidation genannt wird. Ein bloßer Verweis auf die Ziffernnummer ohne Textzusatz ist formal fehlerhaft.
Achtung: Die Nebeneinanderberechnung von GOÄ 4207 und einfachen Suchtests (z. B. Urinstreifen-Schnelltests) für denselben Analyten aus derselben Entnahme ist nicht zulässig und wird bei Rechnungsprüfungen gestrichen.
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Dokumentation der GOÄ 4207: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressen. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation, der genaue Zeitpunkt der Blutentnahme sowie das detaillierte Laborergebnis dokumentiert sein. Auch das verwendete gaschromatographische Verfahren sollte im Laborbuch eindeutig nachvollziehbar hinterlegt sein.
Besonders bei forensischen oder gutachterlichen Anlässen ist die lückenlose Identitätssicherung (Chain of Custody) der Probe zu protokollieren. Dies sichert die Verwertbarkeit des Ergebnisses und stützt die medizinische Notwendigkeit der aufwendigen chromatographischen Methode.
Dokumentation: Indikation: Verdacht auf akute Ethanolintoxikation bei unklarer Somnolenz. Venöse Blutentnahme um 14:30 Uhr. Quantitative Bestimmung mittels Gaschromatographie (GC-FID). Ergebnis: Ethanolkonzentration 1,8 Promille. Befundbericht an den behandelnden Arzt übermittelt.
GOÄ 4207: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die GOÄ 4207 dem Abschnitt M (Laborleistungen) angehört, liegt der normale Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Überschreitung dieses Schwellenwertes bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur bei Vorliegen besonderer, begründeter Umstände zulässig.
Als Begründung für eine Faktorerhöhung auf den 1,3-fachen Satz kommen außergewöhnlich schwierige Probenaufbereitungen in Betracht. Dies kann beispielsweise bei stark lipämischen oder hämolytischen Blutproben der Fall sein, die eine zusätzliche Reinigung oder spezielle Extraktionsschritte vor der gaschromatographischen Trennung erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die Bestimmung von Ethanol mit der Probenentnahme kombiniert. Hierfür ist die Ziffer 250 (Blutentnahme mittels Spritze, Kanüle oder Katheter) ansetzbar. Im Rahmen einer umfassenden toxikologischen Abklärung kann die GOÄ 4207 zudem neben Ziffern für das Drogenscreening (z. B. mittels Immunoassay oder GC-MS) aufgeführt werden, sofern unterschiedliche Analyten bestimmt werden.
Ziffer 4207 in der neuen GOÄ
Die Leistung wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11727 — „Ethanol, gaschromatographisch Vollblut, Serum oder Plasma, Urin“. Festpreis: 63,32 € (aktueller 2,3-facher Satz: 27,48 € — mehr als heute).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4207
Was hat nicht gestimmt?