Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4220
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Borrelia burgdorferi-
Die Gebührenordnung für Ärzte ordnet diese Leistung dem Abschnitt M II (Speziallabor) zu. Die Ziffer bewertet den qualitativen Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen den Erreger der Lyme-Borreliose. Als methodische Verfahren kommen klassische Agglutinations- oder Fällungsreaktionen zum Einsatz. Die erbrachte Leistung umfasst die Probenvorbereitung, die Durchführung der Reaktion sowie die anschließende qualitative Auswertung.
Es ist zwingend vorgeschrieben, dass die untersuchten Parameter auf der Liquidation explizit angegeben werden. Ohne den konkreten Hinweis auf den Erreger Borrelia burgdorferi ist die Abrechnung formal unvollständig. Die Leistung ist mit 90 Punkten bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 5,25 Euro entspricht.
GOÄ 4220 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Der klinische Einsatz der GOÄ 4220 erfolgt primär bei begründetem Verdacht auf eine Lyme-Borreliose nach einem stattgehabten Zeckenstich. Typische Symptome wie ein Erythema migrans, Gelenkschmerzen oder neurologische Beschwerden rechtfertigen diese labordiagnostische Untersuchung. Die qualitative Bestimmung dient als orientierender Suchtest im Rahmen der Stufendiagnostik.
In der Praxis dient das Verfahren der schnellen Abklärung einer möglichen humoralen Immunantwort. Da es sich um einen qualitativen Nachweis handelt, liefert das Testergebnis eine Ja/Nein-Aussage über das Vorhandensein von Antikörpern. Bei einem positiven oder grenzwertigen Befund schließt sich in der Regel ein hochspezifischer Bestätigungstest an.
Tipp: Bei klinisch eindeutigem Erythema migrans ist eine serologische Untersuchung oft noch negativ, da Antikörper erst nach Wochen nachweisbar sind. Die klinische Diagnose steht hier im Vordergrund, weshalb der Testzeitpunkt sorgfältig gewählt werden sollte.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4220
Fallbeispiel 1: Abklärung nach Zeckenstich
Ein Patient stellt sich mit unspezifischen Gelenkschmerzen drei Wochen nach einem bekannten Zeckenstich vor. Zur Abklärung einer Borrelien-Infektion wird eine Blutprobe entnommen und ein qualitativer Antikörpernachweis durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4220 für den qualitativen Nachweis von Borrelia-burgdorferi-Antikörpern.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf Neuroborreliose
Bei einer Patientin mit ungeklärten neurologischen Ausfällen und anamnestischem Zeckenkontakt wird Liquor und Serum entnommen. Der qualitative Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Serum wird veranlasst. Neben den neurologischen Basisleistungen wird die GOÄ 4220 für die serologische Untersuchung des Serums liquidiert.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei Vordiagnose
Ein Patient mit einer therapierten Borreliose stellt sich zur Verlaufskontrolle vor. Obwohl für Verlaufskontrollen oft quantitative Verfahren sinnvoller sind, wird initial ein qualitativer Suchtest durchgeführt. Die Durchführung und Auswertung dieses Suchtests wird über die GOÄ-Ziffer 4220 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4220: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4220 ist das Fehlen der Erregerbezeichnung auf der Rechnung. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Erstattung regelmäßig, wenn der Zusatz "Borrelia burgdorferi" nicht explizit aufgeführt ist. Die bloße Nennung der Ziffernummer reicht für eine korrekte Liquidation nicht aus.
Zudem führt die parallele Abrechnung von qualitativen und quantitativen Verfahren aus derselben Probe häufig zu Beanstandungen. Wird am selben Tag ein quantitativer Antikörpertest durchgeführt, ist die qualitative Voruntersuchung nach GOÄ 4220 meist nicht nebeneinander berechenbar. Prüfstellen werten dies als unzulässige Doppelabrechnung derselben diagnostischen Zielsetzung.
Achtung: Es ist darauf zu achten, dass Laborleistungen des Abschnitts M II nicht mit Ziffern des Abschnitts M I für dieselbe Fragestellung kombiniert werden, wenn dies die allgemeinen Bestimmungen ausschließen.
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Dokumentation der GOÄ 4220: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Datum der Probenentnahme sowie das genaue Testergebnis dokumentiert werden. Auch die verwendete Untersuchungsmethode sollte festgehalten werden.
Im Falle von Rückfragen durch den medizinischen Dienst oder private Kostenträger dient die Dokumentation als Nachweis der medizinischen Notwendigkeit. Ein strukturierter Laborbefundbogen, der dem Patientenakt beigefügt wird, erfüllt diese Anforderungen optimal.
Dokumentation: Verdacht auf Lyme-Borreliose nach Zeckenstich vor 4 Wochen. Durchführung qualitativer Antikörpernachweis (Borrelia burgdorferi) mittels Latex-Agglutination aus Serum. Ergebnis: Positiv. Weiterführende Diagnostik eingeleitet.
GOÄ 4220: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Speziallabors unterliegt die GOÄ 4220 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (6,03 Euro). Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum Höchstsatz von 1,3 (6,82 Euro) ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig. Diese müssen auf der Rechnung nachvollziehbar begründet werden, beispielsweise durch eine extrem schwierige Probenaufbereitung bei lipämischem Serum.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 4220 in Kombination mit der Blutentnahme nach GOÄ 250 abgerechnet. Auch die Beratung des Patienten über das Testergebnis nach GOÄ 1 oder GOÄ 3 ist eine regelmäßige Begleitleistung in einer nachfolgenden Sitzung. Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung von Bestätigungstests wie dem Immunoblot aus derselben Probe, ohne dass die medizinische Notwendigkeit der Stufendiagnostik klar dokumentiert ist.
Ziffer 4220 in der neuen GOÄ
Für die Ziffer 4220 sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Der bisherige 2,3-fache Satz liegt bei 6,04 €; im Einzelfall ist zu prüfen, welche neue Ziffer den Untersuchungsinhalt am besten abbildet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4220
Was hat nicht gestimmt?