Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4223
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Francisellen
Die GOÄ-Ziffer 4223 beschreibt eine klassische serologische Untersuchung im Laborbereich. Sie dient dem qualitativen Nachweis spezifischer Antikörper gegen den Erreger Francisella tularensis, den Verursacher der Tularämie (Hasenpest). Die Methode basiert auf Agglutinations- oder Fällungsreaktionen, bei denen die Antigen-Antikörper-Reaktion sichtbar gemacht wird.
Gemäß den Bestimmungen der Gebührenordnung für Ärzte ist die Angabe des untersuchten Parameters auf der Rechnung zwingend erforderlich. Ohne diese Spezifizierung ist die Rechnung formal fehlerhaft und kann von Kostenträgern zurückgewiesen werden.
GOÄ 4223 in der Praxis: Diagnostik bei Verdacht auf Tularämie
Die Tularämie ist eine seltene, aber schwerwiegende Zoonose, die durch Kontakt mit infizierten Tieren oder Zeckenbisse übertragen wird. Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 4223 ist gegeben, wenn klinische Symptome wie Fieber, Lymphknotenschwellungen oder Hautgeschwüre auf eine Infektion mit Francisella tularensis hinweisen. Auch bei beruflicher Exposition, beispielsweise bei Jägern oder Forstbeschäftigten, ist diese Diagnostik indiziert.
Der Nachweis erfolgt meist im Serum des Patienten. Da es sich um ein hochinfektiöses Pathogen handelt, ist eine präzise labordiagnostische Abklärung von hoher klinischer Relevanz. Die Agglutinationsreaktion stellt hierbei ein etabliertes und schnelles Suchverfahren dar.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4223
Fallbeispiel 1: Verdacht nach Jagdausflug
Ein Patient stellt sich mit hohem Fieber und einer schmerzhaften Lymphadenopathie nach dem Zerlegen von Wild vor. Aufgrund des klinischen Verdachts auf Tularämie veranlasst die Praxis eine serologische Untersuchung. Der qualitative Antikörpernachweis wird durchgeführt und nach GOÄ-Ziffer 4223 abgerechnet.
Fallbeispiel 2: Ulzeroglanduläre Symptomatik nach Zeckenbiss
Eine Patientin zeigt ein persistierendes Hautgeschwür an der Einstichstelle eines Zeckenbisses sowie geschwollene regionale Lymphknoten. Zum Ausschluss einer Tularämie erfolgt die Bestimmung der Antikörper mittels Latex-Agglutination. Die Abrechnung erfolgt korrekt unter Angabe des Parameters Francisella tularensis.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei bekannter Infektion
Bei einem bereits therapierten Patienten soll der immunologische Status überprüft werden. Es wird erneut ein qualitativer Agglutinationstest durchgeführt. Die Leistung wird als eigenständige Untersuchung mit der Ziffer 4223 liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4223: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4223 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Die bloße Angabe der Ziffernummer ohne den Zusatz "Francisellen" oder "Francisella tularensis" führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Zudem darf die Ziffer nicht mehrfach für denselben Erreger am selben Tag berechnet werden, wenn verschiedene Agglutinationsmethoden parallel angewandt werden. Die Abrechnung ist auf eine einmalige Erbringung pro Untersuchungsgang beschränkt.
Achtung: Die Kombination mit quantitativen Verfahren für denselben Erreger am selben Tag ist genau zu prüfen. Liegt ein quantitativer Nachweis vor, ist dieser oft nach anderen, höher bewerteten Ziffern abzurechnen, wodurch die qualitative Ziffer 4223 entfällt.
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Dokumentation der GOÄ 4223: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Entnahmedatum der Probe, die angewandte Agglutinationsmethode sowie das qualitative Testergebnis präzise festgehalten werden.
Auch die Weiterleitung an ein Speziallabor oder die Durchführung im eigenen Praxislabor muss eindeutig dokumentiert sein. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der Prüfstellen.
Dokumentation: Verdacht auf Tularämie bei Zustand nach Kontakt mit Feldhasen. Blutentnahme erfolgt. Qualitativer Antikörpernachweis (Latex-Agglutination) auf Francisella tularensis durchgeführt. Ergebnis: Positiv.
GOÄ 4223: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 4223 um eine Leistung des Abschnitts M III handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1.15. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1.3 ist nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig. Gründe hierfür können ein ungewöhnlich hoher Zeitaufwand bei schwierigen Probenverhältnissen oder stark lipämischen Seren sein.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 4223 zusammen mit der Blutentnahme nach GOÄ-Ziffer 250 und der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 5 kombiniert. Auch die Kombination mit anderen serologischen Suchtests für Zoonosen ist bei unklarer Genese zulässig, sofern jeweils unterschiedliche Erreger untersucht werden.
Tipp: Achten Sie bei der Kombination mehrerer Laborziffern darauf, dass die Höchstgrenzen für Laborleistungen (Speziallabor) beachtet werden und die medizinische Notwendigkeit jeder einzelnen Erregerbestimmung aus der Dokumentation hervorgeht.
Ziffer 4223 in der neuen GOÄ
In der neuen GOÄ wird die Leistung zur neuen Nummer 11283 — „Francisella, AT quantitativ Antikörpernachweis, z.B. gegen F. tularensis Vollzellantigene“. Festpreis: 19,73 € (aktueller 2,3-facher Satz: 6,04 € — mehr als heute).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4223
Was hat nicht gestimmt?