Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4227
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Rickettsien (Weil-Felix-Reaktion)
Die GOÄ-Ziffer 4227 beschreibt den qualitativen Nachweis von spezifischen Antikörpern im Serum oder anderen Körperflüssigkeiten. Als methodische Grundlage dient eine Agglutinations- oder Fällungsreaktion, bei der die Verklumpung von Antigen-Antikörper-Komplexen sichtbar gemacht wird. Ein klassisches Anwendungsbeispiel für diese Ziffer ist die historische, aber in bestimmten Kontexten noch genutzte Weil-Felix-Reaktion zum Nachweis von Rickettsien.
Gemäß den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) ist die erbrachte Leistung genau zu spezifizieren. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung zwingend einzeln anzugeben, um eine transparente Abrechnung zu gewährleisten. Die Ziffer ist dem Speziallabor zuzuordnen und unterliegt den entsprechenden Qualitäts- und Abrechnungsrichtlinien der GOÄ.
GOÄ 4227 in der Praxis: Indikationen und Methodik
In der täglichen Praxis kommt die GOÄ-Ziffer 4227 vor allem bei Verdacht auf Infektionen durch Rickettsien zum Einsatz. Diese bakteriellen Erreger, die häufig durch Vektoren wie Zecken, Flöhe oder Läuse übertragen werden, verursachen Krankheitsbilder wie das Fleckfieber oder das Zeckenbissfieber. Die schnelle qualitative Diagnostik mittels Agglutinationstests ermöglicht eine rasche erste Orientierung im diagnostischen Prozess.
Neben der Weil-Felix-Reaktion fallen auch modernere Verfahren wie die Latex-Agglutination oder die Hämagglutinationshemmung unter diese Gebührenordnungsposition. Diese Methoden zeichnen sich durch eine schnelle Durchführung und einfache Handhabung aus. Sie dienen primär als Screening-Untersuchungen, bevor aufwendigere quantitative Verfahren eingeleitet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4227
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Fleckfieber nach Auslandsaufenthalt
Ein Patient stellt sich mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und einem makulopapulösen Exanthem nach einer Auslandsreise vor. Zum Ausschluss einer Rickettsien-Infektion veranlasst die Praxis eine Weil-Felix-Reaktion im Labor. Die Abrechnung des qualitativen Nachweises erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 4227 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Abklärung nach Zeckenbiss im Endemiegebiet
Nach einem Zeckenbiss klagt eine Patientin über grippeähnliche Symptome und eine lokale Rötung. Das Labor führt einen qualitativen Latex-Agglutinationstest auf Rickettsia-Antikörper durch. Die Leistung wird mit der Ziffer 4227 liquidiert, wobei der spezifische Erreger auf der Rechnung ausgewiesen wird.
Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnostik bei unklarem Exanthem
Zur Abklärung eines unklaren Hautausschlags wird eine breitere serologische Diagnostik veranlasst. Neben anderen Parametern erfolgt der qualitative Nachweis von Antikörpern gegen Rickettsia prowazekii. Die Abrechnung erfolgt regelkonform über die GOÄ-Ziffer 4227 unter Angabe des untersuchten Antigens.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4227: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Liquidation der GOÄ-Ziffer 4227 ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Rechnung. Die Leistungsbeschreibung fordert explizit, dass die untersuchten Parameter anzugeben sind. Fehlt diese Angabe, kann die private Krankenversicherung oder die Beihilfestelle die Erstattung der gesamten Position verweigern.
Achtung: Die bloße Nennung der Ziffer 4227 ohne den Zusatz des konkreten Erregers (z. B. Rickettsia-Antikörper) führt regelmäßig zu Beanstandungen und Verzögerungen bei der Erstattung.
Zudem darf die Ziffer 4227 nicht mit quantitativen Verfahren verwechselt werden. Wird im Labor eine quantitative Bestimmung (z. B. mittels Titerbestimmung) durchgeführt, ist stattdessen die höher bewertete Ziffer für quantitative Untersuchungen heranzuziehen. Eine Doppelabrechnung von qualitativem und quantitativem Test aus derselben Probe für denselben Erreger ist unzulässig.
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Dokumentation der GOÄ 4227: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der Auftrag an das Labor sowie das exakte Testergebnis dokumentiert werden. Auch die verwendete Untersuchungsmethode sollte zweifelsfrei aus den Unterlagen hervorgehen.
Dokumentation: Verdacht auf Rickettsien-Infektion nach Zeckenbiss. Durchführung Latex-Agglutinationstest auf Rickettsia-Antikörper (qualitativ). Ergebnis: Positiv. Reagenz-Charge: RX-992.
Für die Abrechnung ist es ratsam, das Laborblatt mit dem originalen Befundausdruck des Labors zu archivieren. Aus diesem Dokument müssen der Name des Patienten, das Entnahmedatum und der spezifische qualitative Befund eindeutig ersichtlich sein.
GOÄ 4227: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Gebührenrahmen für Laborleistungen im Abschnitt M ist eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz, während der maximale Höchstsatz das 1,3-fache des Einfachsatzes beträgt. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 hinaus erfordert eine schriftliche, patientenbezogene Begründung auf der Rechnung.
Gründe für eine Überschreitung des Regelhöchstsatzes können ein ungewöhnlich hoher Aufwand bei der Probenvorbereitung oder schwierige Testbedingungen sein. Auch eine notwendige Mehrfachbestimmung bei grenzwertigen Ergebnissen kann im Einzelfall eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz rechtfertigen.
Tipp: Begründen Sie die Steigerung auf den 1,3-fachen Satz stets konkret, beispielsweise mit einem erhöhten Zeitaufwand durch stark lipämisches oder hämolytisches Serum.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ-Ziffer 4227 wird selten isoliert abgerechnet. Typischerweise erfolgt die Kombination mit der Blutentnahme nach GOÄ 250 sowie dem Transport von Probenmaterial. Im Rahmen einer umfassenden Infektionsdiagnostik können auch weitere qualitative oder quantitative Erregernachweise nebeneinander anfallen, sofern es sich um unterschiedliche Zielparameter handelt.
Ziffer 4227 in der neuen GOÄ
Für die Ziffer 4227 sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Der bisherige 2,3-fache Satz liegt bei 6,04 €; im Einzelfall ist zu prüfen, welche neue Ziffer den Untersuchungsinhalt am besten abbildet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4227
Was hat nicht gestimmt?