GOÄ 4233: Yersinien-Antikörper korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4233
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Yersinien bis zu zwei Typen, je Typ
Punktzahl 90  
Einfachsatz 5,25 € 1,0x
Regelhöchstsatz 6,03 € 1,1x
Höchstsatz 6,82 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4233

Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion (z.B. Hämagglutination, Hämagglutinationshemmung, Latex-Agglutination) -Yersinien bis zu zwei Typen, je Typ

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ordnet diese Leistung dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) zu. Sie dient dem qualitativen Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger Yersinia enterocolitica oder andere pathogene Yersinien-Spezies. Die Abrechnung erfolgt je untersuchtem Typ, wobei die Ziffer für bis zu zwei Typen herangezogen werden kann.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Leistungsbeschreibung ist die Verpflichtung zur Transparenz. Der Verordnungsgeber schreibt explizit vor, dass die konkret untersuchten Parameter auf der Liquidation einzeln aufgeführt werden müssen. Ohne diese Angabe ist die Rechnung formal fehlerhaft.

GOÄ 4233 in der Praxis: Diagnostik bei Verdacht auf Yersiniose

Die Bestimmung von Yersinien-Antikörpern ist insbesondere bei postinfektiösen Komplikationen von hoher klinischer Relevanz. Häufig klagen Patienten Wochen nach einer gastrointestinalen Infektion über Gelenkschmerzen. In diesen Fällen hilft der qualitative Nachweis, eine reaktive Arthritis differentialdiagnostisch abzusichern.

Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder unklarem Fieber liefert die Serologie wertvolle Hinweise. Die Methode der Latex-Agglutination oder Hämagglutination ermöglicht einen schnellen und kostengünstigen Nachweis der spezifischen Antikörper im Serum. Dies erleichtert die schnelle Einleitung einer zielgerichteten Therapie.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4233

Fallbeispiel 1: Verdacht auf reaktive Arthritis nach gastrointestinalem Infekt

Ein Patient stellt sich mit schmerzhaften Schwellungen der Kniegelenke vor. Drei Wochen zuvor litt er an einem schweren, fieberhaften Durchfall. Zum Ausschluss einer Yersinien-induzierten Arthritis veranlasst der Arzt den qualitativen Antikörpernachweis für zwei Yersinien-Serotypen.

Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 4233, die in diesem Fall zweifach (für beide Typen) angesetzt wird. Zusätzlich wird die Blutentnahme nach GOÄ 250 berechnet.

Fallbeispiel 2: Abklärung einer chronischen Enterokolitis

Eine Patientin leidet seit mehreren Wochen unter rezidivierenden Bauchschmerzen und Diarrhöen. Zur Abklärung einer chronischen Yersiniose wird eine qualitative Antikörpersuche durchgeführt. Der Nachweis erfolgt mittels Hämagglutinationstest für einen spezifischen Serotyp.

In der Liquidation wird die Ziffer 4233 einfach angesetzt. Der untersuchte Parameter (z. B. Yersinia enterocolitica O:3) wird auf der Rechnung explizit ausgewiesen.

Fallbeispiel 3: V.a. Erythema nodosum nach Durchfallerkrankung

Ein Patient zeigt schmerzhafte, rötliche Knoten an den Unterschenkeln. Da ein zeitlicher Zusammenhang mit einem Magen-Darm-Infekt besteht, besteht der Verdacht auf ein Yersinien-assoziiertes Erythema nodosum. Es erfolgt die serologische Untersuchung auf Yersinien-Antikörper.

Die Abrechnung der Ziffer 4233 erfolgt im Regelsatz mit dem Faktor 1,15. Die Dokumentation in der Patientenakte sichert den Anspruch gegenüber der privaten Krankenversicherung ab.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4233: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist das Fehlen der genauen Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen weisen Rechnungen oft zurück, wenn die konkreten Yersinien-Serotypen nicht genannt werden. Die bloße Nennung der Ziffernummer reicht hier nicht aus.

Achtung: Die Angabe der untersuchten Parameter auf der Liquidation ist eine zwingende formale Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit der GOÄ 4233.

Zudem darf die Ziffer nicht unbegrenzt vervielfacht werden. Die Leistungsbeschreibung begrenzt den Ansatz auf maximal zwei Typen je Untersuchungsgang. Werden mehr Typen ohne medizinische Begründung abgerechnet, drohen Honorarkürzungen.

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Dokumentation der GOÄ 4233: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder erfolgreichen Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, die angewandte Methode und das exakte Testergebnis dokumentiert werden. Dies schützt die Praxis vor Regressforderungen und erleichtert die Rechnungsbegründung.

Dokumentation: V.a. reaktive Arthritis nach Enteritis. Qualitativer Nachweis von Yersinien-Antikörpern (Typ O:3 und O:9) mittels Latex-Agglutination durchgeführt. Ergebnis: Typ O:3 positiv, Typ O:9 negativ.

Die Archivierung der Laborbefunde sollte idealerweise digital direkt in der elektronischen Patientenakte erfolgen. So sind die Daten bei Rückfragen von Kostenträgern jederzeit sofort griffbereit.

GOÄ 4233: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Gebührenrahmen für Laborleistungen im Abschnitt M ist eingeschränkt. Der Regelsatz liegt beim 1,15-fachen Satz, während der Höchstsatz mit dem 1,3-fachen Faktor gedeckelt ist. Eine Überschreitung des Regelsatzes erfordert eine patientenbezogene, medizinische Begründung.

Tipp: Ein erhöhter Schwierigkeitsgrad, beispielsweise durch eine schwierige Probenvorbereitung bei lipämischem Serum, rechtfertigt den Ansatz des 1,3-fachen Höchstsatzes.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 4233 wird häufig im Rahmen einer umfassenden Infektionsdiagnostik eingesetzt. Sie lässt sich gut mit der Blutentnahme (GOÄ 250) und der Beratung (GOÄ 1) kombinieren. Auch die Kombination mit anderen serologischen Nachweisen für Erreger der reaktiven Arthritis, wie Chlamydien, ist zulässig, sofern es sich um getrennte Untersuchungen handelt.

Ziffer 4233 in der neuen GOÄ

Für die Ziffer 4233 sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor. Der bisherige 2,3-fache Satz liegt bei 6,04 €; im Einzelfall ist zu prüfen, welche neue Ziffer den Untersuchungsinhalt am besten abbildet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4233

Die GOÄ 4233 wird für den qualitativen Nachweis von Yersinien-Antikörpern mittels Agglutinations- oder Fällungsreaktion berechnet. Typische Indikationen sind der Verdacht auf reaktive Arthritis oder chronische Enterokolitis nach einer Magen-Darm-Infektion.
Die Ziffer ist je untersuchtem Typ berechenbar, allerdings beschränkt auf maximal zwei Typen pro Untersuchungsgang. Bei der Untersuchung von zwei verschiedenen Serotypen darf die Ziffer somit zweimal auf der Rechnung erscheinen.
Ja, die Angabe der untersuchten Parameter ist laut offiziellem Leistungstext der GOÄ zwingend erforderlich. Fehlt diese Angabe auf der Liquidation, kann der Kostenträger die Erstattung verweigern.
Ja, eine Steigerung ist bis zum 1,3-fachen Höchstsatz möglich, da es sich um eine Laborleistung des Abschnitts M handelt. Hierfür ist jedoch eine patientenbezogene, medizinische Begründung erforderlich.
Spezifische quantitative Antikörpernachweise für denselben Erreger am selben Tag sind in der Regel nicht nebeneinander berechenbar. Zudem gelten die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M bezüglich der Höchstwerte für Laborleistungen.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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