Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4284
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die Ziffer 4284 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) wie folgt:
Quantitative Bestimmung mittels Komplementbindungsreaktion (KBR)-Yersinien. Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.
Diese Leistung umfasst die quantitative Bestimmung von Antikörpern gegen Yersinien unter Verwendung der klassischen Komplementbindungsreaktion. Die Methode dient dem Nachweis spezifischer humoraler Antikörper im Serum des Patienten. Durch die Verdünnungsreihen wird der exakte Antikörpertiter ermittelt, was Rückschlüsse auf die Aktivität der Infektion erlaubt.
GOÄ 4284 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Bestimmung von Yersinien-Antikörpern mittels KBR ist insbesondere bei Verdacht auf eine abgelaufene oder chronisch verlaufende Yersinien-Infektion indiziert. Häufige klinische Manifestationen sind die reaktive Arthritis, die Enterokolitits oder das Erythema nodosum. Da diese Zweiterkrankungen oft erst Wochen nach der eigentlichen intestinalen Infektion auftreten, ist der direkte Erregernachweis meist nicht mehr möglich.
In solchen Fällen liefert die serologische Diagnostik mittels GOÄ 4284 entscheidende Hinweise. Die Abgrenzung zu anderen serologischen Verfahren wie dem ELISA ist wichtig, da die KBR vor allem komplementbindende, meist höheraffine Antikörper erfasst. Die Wahl der Methode hängt von der Fragestellung und den laborinternen Standards ab.
Tipp: Bei der Abrechnung ist darauf zu achten, dass die spezifisch untersuchten Parameter (z. B. Yersinia enterocolitica) klar auf der Liquidation ausgewiesen werden, um Verzögerungen bei der Erstattung zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4284
Fallbeispiel 1: Verdacht auf reaktive Arthritis nach Enteritis
Ein Patient stellt sich mit akuten Gelenkschmerzen im Knie vor, nachdem er vor vier Wochen an einer schweren Durchfallerkrankung litt. Zum Ausschluss einer postinfektiösen reaktiven Arthritis veranlasst der Arzt eine serologische Untersuchung auf Yersinien-Antikörper mittels KBR. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 4284 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei chronischer Yersiniose
Bei einer Patientin mit bekannter chronischer Yersiniose soll der Titerverlauf kontrolliert werden, um den Therapieerfolg zu beurteilen. Das Labor führt die quantitative Bestimmung mittels KBR durch. Neben der GOÄ 4284 werden die erforderlichen Blutentnahmeziffern und Transportpauschalen korrekt in Ansatz gebracht.
Fallbeispiel 3: Abklärung eines Erythema nodosum
Ein Patient zeigt schmerzhafte, rötliche Knötchen an den Unterschenkeln, die klinisch als Erythema nodosum imponieren. Da Yersinien als häufiger Trigger gelten, erfolgt die quantitative KBR-Bestimmung. Die Abrechnung der Ziffer 4284 erfolgt unter Angabe des spezifischen Parameters auf der Rechnung.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4284: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4284 ist das Übersehen von Ausschlussziffern. Die Ziffer 4284 darf explizit nicht neben der Ziffer 437 (Komplementbindungsreaktion, soweit nicht besonders aufgeführt) abgerechnet werden. Da Yersinien-KBR eine speziell aufgeführte Leistung ist, verdrängt sie die allgemeinere Ziffer.
Ein weiterer Kritikpunkt von privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen ist die unvollständige Rechnungslegung. Der Verordnungstext verlangt zwingend, dass die untersuchten Parameter auf der Rechnung genannt werden. Fehlt diese Angabe, ist die Liquidation formal fehlerhaft und kann zurückgewiesen werden.
Achtung: Die bloße Nennung der Ziffernnummer ohne den konkreten Zusatz des untersuchten Erregers (z. B. "KBR Yersinien") führt in der Praxis regelmäßig zu zeitaufwendigen Rückfragen und Kürzungen.
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Dokumentation der GOÄ 4284: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament jeder rechtssicheren Abrechnung. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, der konkrete Verdacht sowie das Laborergebnis detailliert festgehalten werden. Auch die Anforderung des Labors und der schriftliche Befundbericht gehören zwingend zur Dokumentation.
Für die Abrechnungsstelle muss klar nachvollziehbar sein, warum die quantitative Bestimmung medizinisch notwendig war. Dies gilt insbesondere dann, wenn im Verlauf mehrere Bestimmungen durchgeführt werden, um eine Titerdynamik nachzuweisen.
Dokumentation: "V. a. reaktive Arthritis nach Yersinien-Infekt vor 6 Wochen. Blutentnahme zur quantitiven KBR-Yersinien (GOÄ 4284). Befund: Titer 1:80, kontrollbedürftig."
GOÄ 4284: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Abschnitts M (Labor) unterliegt die GOÄ 4284 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz (16,76 €), der Höchstsatz beim 1,3-fachen Satz (18,94 €). Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 1,15 ist nur mit einer fundierten, patientenbezogenen Begründung zulässig.
Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können beispielsweise schwierige Probenverhältnisse (z. B. lipämisches Serum) oder ein außergewöhnlich hoher differenzialdiagnostischer Aufwand bei komplexen Mischinfektionen sein. Die Begründung muss auf der Rechnung für den Laien verständlich dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die GOÄ 4284 häufig mit anderen diagnostischen Leistungen kombiniert. Zulässig ist die Nebeneinanderberechnung mit der Ziffer 250 (Blutentnahme) sowie mit anderen serologischen Ziffern für unterschiedliche Erreger, sofern kein Ausschluss vorliegt. Die Kombination mit allgemeinen Beratungsleistungen (z. B. GOÄ 1 oder GOÄ 3) ist bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen ebenfalls möglich.
Ziffer 4284 in der neuen GOÄ
Für die Ziffer 4284 sieht der Entwurf nur in bestimmten Fällen eine Nachfolgeleistung vor (aktueller 2,3-facher Satz: 16,76 €):
- 11357 „Yersinia, IA Antikörpernachweis, z.B. gegen Yersinia-Outer-(Membrane-)Protein D“ (16,83 €) — bei: Immunoassay (IA)
Für die übrigen Fälle ist keine direkte Nachfolgeleistung vorgesehen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4284
Was hat nicht gestimmt?