GOÄ 4440: Amöben-Antikörper korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 4440
Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Entamoeba histolytica
Punktzahl 290  
Einfachsatz 16,90 € 1,0x
Regelhöchstsatz 19,44 € 1,1x
Höchstsatz 21,97 € 1,3x
Ausschlüsse
437

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4440

Qualitativer Nachweis von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Entamoeba histolytica-
Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Die GOÄ-Ziffer 4440 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Mikrobiologie und Serologie. Sie dient dem qualitativen Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen den Erreger Entamoeba histolytica. Diese Untersuchung wird in der Regel mittels Indirekter Immunfluoreszenz (IFT) oder vergleichbaren enzymimmunologischen Verfahren wie dem ELISA durchgeführt.

Ein wesentlicher formaler Aspekt dieser Ziffer ist die Kennzeichnungspflicht auf der Liquidation. Der behandelnde Arzt muss den konkreten Parameter explizit auf der Rechnung aufführen, um die Transparenz der Abrechnung zu gewährleisten.

GOÄ 4440 in der Praxis: Diagnostik der Amöbenruhr

Die Bestimmung von Antikörpern gegen Entamoeba histolytica ist klinisch besonders bei Verdacht auf eine extraintestinale Amöbiasis von Bedeutung. Hierzu zählt insbesondere der gefürchtete Amöbenleberabszess, bei dem der Erreger im Stuhl oft nicht mehr nachweisbar ist. Auch bei chronischen Verläufen nach Tropenaufenthalten liefert die serologische Untersuchung wegweisende Befunde.

In der akuten Phase einer intestinalen Amöbenruhr steht hingegen meist der direkte Erregernachweis im Vordergrund. Die Antikörperdiagnostik mittels GOÄ 4440 ergänzt diese Diagnostik sinnvoll, wenn der klinische Verdacht hoch ist, die Stuhlmikroskopie jedoch negative Ergebnisse liefert.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4440

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Amöbenleberabszess

Ein Patient stellt sich mit rechtsseitigen Oberbauchschmerzen und Fieber nach einer Indienreise vor. Die Sonographie zeigt eine echoarme Raumforderung in der Leber, woraufhin der Verdacht auf einen Amöbenleberabszess geäußert wird. Zur Absicherung wird eine Blutprobe entnommen und der Antikörpernachweis veranlasst. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4440 neben den sonographischen Leistungen.

Fallbeispiel 2: Abklärung chronischer Diarrhoe

Eine Patientin leidet seit Wochen unter rezidivierenden, teils blutigen Durchfällen nach einem Aufenthalt in den Tropen. Da die mikroskopische Stuhluntersuchung ohne Befund blieb, erfolgt die serologische Abklärung mittels Immunfluoreszenztest. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 4440 mit Angabe des Parameters Entamoeba histolytica auf der Rechnung.

Fallbeispiel 3: Differenzialdiagnose bei Colitis ulcerosa

Vor dem Beginn einer immunsuppressiven Therapie bei einer vermeintlichen Colitis ulcerosa soll eine infektiöse Ursache ausgeschlossen werden. Der Arzt veranlasst den qualitativen Antikörpernachweis zum Ausschluss einer chronischen Amöbenkolitis. Die Leistung wird nach GOÄ 4440 liquidiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 4440: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 4440 ist das Missachten von Ausschlussbestimmungen. Die Ziffer darf laut den offiziellen Vorgaben nicht neben der GOÄ-Ziffer 437 abgerechnet werden. Bei der Ziffer 437 handelt es sich um einen Zuschlag für die Durchführung von Laboruntersuchungen außerhalb der Sprechstunde, was in dieser Kombination nicht zulässig ist.

Achtung: Ein rein formaler Fehler, der regelmäßig zu Kürzungen durch private Krankenversicherungen führt, ist das Fehlen des untersuchten Parameters auf der Rechnung. Die Angabe "Entamoeba histolytica" ist zwingend erforderlich.

Zudem beanstanden Prüfstellen häufig die mehrfache Abrechnung der Ziffer am selben Behandlungstag ohne medizinische Begründung. Sollte eine Wiederholung der Untersuchung aus besonderen klinischen Gründen notwendig sein, muss dies detailliert dokumentiert und begründet werden.

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Dokumentation der GOÄ 4440: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, wie beispielsweise die Reiseanamnese und die Symptomatik, klar festgehalten werden. Auch das verwendete Testverfahren und das qualitative Testergebnis gehören in die Dokumentation.

Dokumentation: V. a. extraintestinale Amöbiasis bei Zustand nach Tropenaufenthalt (Mexiko). Durchführung des qualitativen Antikörpernachweises gegen Entamoeba histolytica mittels IFT. Ergebnis: Positiv. Parameter auf Rechnung ausgewiesen.

Durch diese strukturierte Erfassung in der elektronischen Patientenakte kann bei Rückfragen von Kostenträgern jederzeit der Nachweis der medizinischen Notwendigkeit erbracht werden.

GOÄ 4440: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Laborleistung des Abschnitts M ist die GOÄ 4440 im Regelfall mit dem Faktor 1,15 zu berechnen. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur unter Angabe einer schriftlichen Begründung möglich. Typische Begründungen sind ein ungewöhnlich hoher Zeitaufwand bei der Probenvorbereitung oder schwierige Differenzialdiagnosen bei grenzwertigen Testergebnissen.

Typische Ziffernkombinationen

In der täglichen Praxis wird die GOÄ 4440 häufig mit der Blutentnahme nach GOÄ 250 kombiniert. Auch die Beratung nach GOÄ 1 oder die symptombezogene Untersuchung nach GOÄ 5 sind regelmäßige Bestandteile des Behandlungsfalls. Eine parallele Abrechnung mit dem direkten Erregernachweis aus dem Stuhl ist bei entsprechender Indikation ebenfalls statthaft.

Tipp: Achten Sie bei der Kombination von Laborleistungen darauf, dass die Höchstgrenzen für Laboruntersuchungen eingehalten werden und keine unzulässigen Doppelabrechnungen stattfinden.

Ziffer 4440 in der neuen GOÄ

Der qualitative Entamoeba-histolytica-Antikörpernachweis mittels Immunfluoreszenz wird zur neuen Nummer 11422 — „Entamoeba histolytica, IFT qualitativ Antikörpernachweis; Immunfluoreszenzmikroskopie; Auswertung: qualitativ". Festpreis: 27,50 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 19,43 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4440

Die GOÄ-Ziffer 4440 wird im Einfachsatz mit 16,90 € bewertet. Unter Anwendung des üblichen Labor-Regelhöchstsatzes von 1,15 beträgt die Gebühr 19,44 €.
Die GOÄ-Ziffer 4440 darf nicht am selben Tag neben der Ziffer 437 abgerechnet werden. Zudem sind allgemeine Labor-Ausschlussregeln der GOÄ zu beachten.
Die Untersuchung ist indiziert bei Verdacht auf eine extraintestinale Amöbiasis, wie beispielsweise einen Amöbenleberabszess. Auch bei unklaren chronischen Durchfällen nach Tropenaufenthalten ist sie sinnvoll.
Ja, eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist bei Laborleistungen möglich. Dies erfordert jedoch eine schriftliche Begründung, wie etwa einen erhöhten Zeitaufwand bei schwieriger Probenbeschaffenheit.
Ja, laut offiziellem Leistungstext ist die Angabe des untersuchten Parameters auf der Liquidation zwingend erforderlich. Das Fehlen dieser Angabe kann zur Beanstandung durch Kostenträger führen.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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