Die untersuchten Keime sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4599
Die GOÄ-Ziffer 4599 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Mikrobiologie. Der offizielle Leistungstext lautet:
Untersuchung zum Nachweis von Bakterienantigenen oder -toxinen durch Präzipitation im Agargel mittels Antitoxinen, je Untersuchung -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand. Die untersuchten Keime sind in der Rechnung anzugeben.
Diese Gebührenposition erfasst den qualitativen oder semiquantitativen Nachweis von Bakterienantigenen oder spezifischen Toxinen. Die Methode basiert auf der klassischen Präzipitation im Agargel, bei der Antigen-Antikörper-Komplexe sichtbare Linien bilden. Auch modernere Verfahren mit vergleichbarem Aufwand können unter dieser Ziffer abgerechnet werden.
GOÄ 4599 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung
Die Anwendung der GOÄ 4599 kommt vor allem bei Verdacht auf toxinbildende Erreger infrage. Ein klassisches Beispiel ist der Nachweis des Diphtherietoxins. Auch andere bakterielle Toxine, wie sie bei Clostridien-Infektionen vorkommen, rechtfertigen diesen Toxinnachweis.
In der modernen Labordiagnostik wird die Ziffer auch für analoge, manuelle Verfahren herangezogen. Voraussetzung ist immer, dass der methodische Aufwand der klassischen Agargel-Präzipitation entspricht. Dies muss bei der Wahl der Ziffer kritisch geprüft werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4599
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Rachendiphtherie
Ein Patient stellt sich mit schweren Halsschmerzen und gräulichen Belägen auf den Tonsillen vor. Der Arzt führt einen Abstrich durch und veranlasst im Labor den Elek-Test zum Nachweis des Diphtherietoxins. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 4599 mit Angabe des Keims Corynebacterium diphtheriae.
Fallbeispiel 2: Nachweis von Clostridium-perfringens-Toxinen
Bei einer schweren Wundinfektion besteht der Verdacht auf Gasbrand. Das Labor führt einen Antigen-Nachweis mittels Immundiffusion durch. Abgerechnet wird die GOÄ 4599 unter Nennung von Clostridium perfringens auf der Liquidation.
Fallbeispiel 3: Identifizierung von Streptokokken-Antigenen
Zur Differenzierung von Streptokokken aus einer Kultur wird eine manuelle Präzipitation durchgeführt. Da der Aufwand vergleichbar ist, wird die GOÄ 4599 herangezogen. Auf der Rechnung wird der Keim Streptococcus pyogenes explizit ausgewiesen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4599: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste formale Fehler bei der Abrechnung dieser Ziffer ist das Fehlen der Keimangabe. Die GOÄ schreibt explizit vor, dass die untersuchten Keime auf der Rechnung genannt werden müssen. Fehlt dieser Eintrag, ist die Rechnung unvollständig und der Erstattungsanspruch gefährdet.
Ein weiterer Fehler ist die Doppelabrechnung mit vollautomatisierten Antigen-Tests. Wenn ein moderner, vollautomatischer ELISA-Test durchgeführt wird, ist dieser oft nach anderen Ziffern zu bewerten. Prüfstellen achten genau auf die Einhaltung der Ausschlusskriterien und die korrekte Methodik.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 4599 ohne konkrete Benennung des Zielkeims auf der Liquidation führt fast immer zur Beanstandung durch die private Krankenversicherung.
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Dokumentation der GOÄ 4599: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das entnommene Probenmaterial und die angewandte Methode dokumentiert werden. Auch das Testergebnis muss eindeutig festgehalten werden.
Für die Abrechnung ist zudem die genaue Dokumentation des nachgewiesenen oder ausgeschlossenen Keims essenziell. Dies erleichtert im Nachgang die Erstellung einer korrekten Liquidation.
Dokumentationsbeispiel: Verdacht auf Diphtherie. Tonsillenabstrich entnommen. Elek-Test zum Nachweis von Corynebacterium-diphtheriae-Toxin durchgeführt. Ergebnis: Positiv. Keim: Corynebacterium diphtheriae.
GOÄ 4599: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich um eine Laborleistung handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist bei erhöhtem Aufwand möglich. Typische Begründungen sind eine schwierige Probenaufbereitung oder stark störende Begleitsubstanzen im Probenmaterial.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4599 wird häufig mit Ziffern für die Probenentnahme kombiniert, wie der GOÄ 298. Auch die Kombination mit mikrobiologischen Kulturen nach GOÄ 4500 ist üblich. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass keine unzulässigen Doppelabrechnungen für dieselbe analytische Leistung erfolgen.
Tipp: Dokumentieren Sie bei einer gewünschten Steigerung auf den 1,3-fachen Satz stets die genaue Ursache der Erschwernis, um Nachfragen der Kostenträger direkt zu vermeiden.
Ziffer 4599 in der neuen GOÄ
Die Auffangziffer für Präzipitation im Agargel mit ähnlichem methodischen Aufwand wird der neuen Nummer 12456 zugeordnet, Festpreis 24,30 € je Untersuchung (heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €). Das Bacterium(toxin) ist in der Rechnung anzugeben. Diese Gruppe deckt ausschließlich Präzipitationsverfahren ab.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4599
Was hat nicht gestimmt?