Die untersuchten Viren sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4677
Ligandenassay (z. B. Enzym- oder Radioimmunoassay) - gegebenenfalls einschließlich Doppelbestimmung und aktueller Bezugskurve -, zum Nachweis von viralen Antigenen angezüchteter Viren, je Untersuchung -Parainfluenza-Viren
Die Ziffer 4677 beschreibt eine hochspezifische Laborleistung zur Identifizierung von Parainfluenza-Viren. Voraussetzung für diese Abrechnung ist, dass die Viren zuvor in einer Kultur angezüchtet wurden. Der anschließende Nachweis erfolgt über einen Ligandenassay, wie beispielsweise einen Enzym-Immunoassay (EIA) oder Radioimmunoassay (RIA).
Die Leistung umfasst alle notwendigen Schritte zur Durchführung des Assays. Dazu gehören auch eventuelle Doppelbestimmungen und das Erstellen einer aktuellen Bezugskurve. Gemäß den Abrechnungsbestimmungen ist die Angabe der untersuchten Viren auf der Liquidation zwingend erforderlich.
GOÄ 4677 in der Praxis: Diagnostik von Parainfluenza-Infektionen
Parainfluenza-Viren sind häufige Erreger von akuten Atemwegserkrankungen. Besonders bei Kindern und immungeschwächten Patienten können sie schwere Krankheitsverläufe wie Pseudokrupp oder Pneumonien verursachen. Die präzise Erregeridentifizierung ist für die gezielte Therapie und Hygienemaßnahmen entscheidend.
Die Abrechnung nach GOÄ 4677 setzt eine Virusisolation in der Zellkultur voraus. Erst nach erfolgreicher Vermehrung der Erreger wird der Ligandenassay zur Typisierung eingesetzt. Dies unterscheidet die Methode von direkten Antigen-Schnelltests aus dem Patientenabstrich.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4677
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Parainfluenza-Pneumonie
Ein immunsupprimierter Patient zeigt schwere respiratorische Symptome. Nach einer Bronchoalveolären Lavage (BAL) wird eine Viruskultur angelegt. Nach dem Nachweis eines zytopathischen Effekts erfolgt die Identifizierung mittels Ligandenassay. Abgerechnet wird die Anzucht sowie die Ziffer 4677 für den spezifischen Parainfluenza-Nachweis.
Fallbeispiel 2: Abklärung von rezidivierendem Pseudokrupp
Bei einem Kleinkind mit schwerem, rezidivierendem Pseudokrupp soll der Erreger exakt typisiert werden. Nach Entnahme eines Nasopharyngealabstrichs und erfolgreicher Zellkultur-Passage wird der Ligandenassay durchgeführt. Die Abrechnung der Ziffer 4677 erfolgt unter Angabe des spezifischen Virus-Subtyps auf der Rechnung.
Fallbeispiel 3: Nosokomialer Infektionsausbruch
Auf einer pädiatrischen Station besteht der Verdacht auf eine nosokomiale Infektionswelle. Zur epidemiologischen Abklärung werden Kulturen angelegt und mittels Enzym-Immunoassay differenziert. Die Ziffer 4677 wird für jede positive Kultur zur Erregerbestätigung herangezogen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4677: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Abrechnung der Ziffer 4677 bei direkten Antigen-Nachweisen. Ohne eine vorherige Virusanzucht ist diese Ziffer nicht berechnungsfähig. Für den direkten Nachweis aus Patientenmaterial müssen andere Ziffern des Abschnitts M gewählt werden.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen oft das Fehlen der konkreten Erregerbezeichnung. Die Angabe der untersuchten Viren ist eine formale Voraussetzung für die Erstattungsfähigkeit. Ohne diesen Zusatz gilt die Rechnung als unvollständig.
Achtung: Die Erstellung von Bezugskurven oder die Durchführung von Doppelbestimmungen darf nicht als eigene Leistung deklariert werden. Diese Schritte sind mit der Gebühr der Ziffer 4677 vollständig abgegolten.
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Dokumentation der GOÄ 4677: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation schützt vor Honorarkürzungen. Im Laborbuch und in der Patientenakte müssen das Datum der Probenentnahme, die Details zur Kulturmethode und das Testergebnis dokumentiert sein. Auch der Nachweis der Qualitätskontrolle sollte archiviert werden.
Besonders wichtig ist die Dokumentation des spezifischen Testergebnisses inklusive des verwendeten Assay-Typs. Dies erleichtert im Zweifelsfall den Nachweis der medizinischen Notwendigkeit gegenüber den Kostenträgern.
Dokumentation: Erfolgreiche Virusanzucht aus Rachenabstrich vom 12.10. Identifizierung von Parainfluenza-Virus Typ 3 mittels ELISA (Ligandenassay) am 15.10. Befund positiv.
Tipp: Hinterlegen Sie in Ihrer Praxissoftware eine automatisierte Abfrage, die bei der Eingabe der Ziffer 4677 die Eingabe des spezifischen Erregers erzwingt.
GOÄ 4677: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Ziffer 4677 gehört zum Abschnitt M III der GOÄ. Der Regelhöchstsatz liegt hier bei 1,15, der maximale Höchstsatz bei 1,3. Eine Steigerung über den Schwellenwert von 1,15 ist nur bei besonderem Aufwand zulässig.
Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können eine schwierige Probenmatrix oder ein ungewöhnlich langwieriger Anzuchtprozess sein. Diese Begründungen müssen einzelfallbezogen auf der Liquidation dargelegt werden.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer 4677 wird regelmäßig mit Ziffern für die Virusisolation kombiniert. Hierzu zählt beispielsweise die Ziffer 4640 für die Anzüchtung in der Zellkultur. Auch die Kombination mit anderen spezifischen Identifizierungsassays für differenzialdiagnostische Abklärungen ist möglich.
Ziffer 4677 in der neuen GOÄ
Der Ligandenassay zum Nachweis von Parainfluenza-Viren-Antigenen in angezüchteten Viren wird der neuen Nummer 12623 zugeordnet, Festpreis 20,78 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €). Bis zu 5-mal je Zellkultur/-linie; Voraussetzung ist eine vorherige Virusanzucht in Zellkultur. Der nachgewiesene Virus ist anzugeben.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4677
Was hat nicht gestimmt?