Die untersuchten Parasiten sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4763
Die untersuchten Parasiten sind in der Rechnung anzugeben.
Die GOÄ-Ziffer 4763 bewertet den Nachweis von Parasiten mittels Züchtung auf Kulturmedien. Diese Methode unterscheidet sich grundlegend von der reinen Mikroskopie, da sie eine Bebrütungszeit und spezielle Nährmedien erfordert. Zu den typischen Zielorganismen gehören beispielsweise Trichomonas vaginalis oder bestimmte Amöbenarten.
Da es sich um eine Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) handelt, gelten die allgemeinen Bestimmungen für Laborleistungen. Insbesondere ist die Ziffer je Untersuchung für Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand berechnungsfähig.
GOÄ 4763 in der Praxis: Kultureller Parasitennachweis und Indikationen
Der kulturelle Nachweis wird meist dann eingesetzt, wenn der direkte mikroskopische Nachweis unklar oder die Erregerlast im Probenmaterial zu gering ist. Typische Indikationen sind der Verdacht auf eine Trichomoniasis bei hartnäckiger Vaginitis oder Urethritis.
Auch die Anzucht von Acanthamoeba aus Hornhautabstrichen bei Kontaktlinsenträgern stellt ein wichtiges Einsatzgebiet dar. Die Ziffer grenzt sich von rein mikroskopischen Verfahren ab, da hier ein aktiver Vermehrungsschritt auf speziellen Medien stattfindet.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4763
Fallbeispiel 1: Verdacht auf Trichomoniasis
Eine Patientin stellt sich mit therapieresistentem Fluor vaginalis vor. Der mikroskopische Nativpräparat-Befund ist uneindeutig. Es erfolgt ein Abstrich zur kulturellen Anzucht von Trichomonas vaginalis. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 4763 mit Angabe des Zielkeims auf der Rechnung.
Fallbeispiel 2: Keratitis bei Kontaktlinsenträger
Ein Patient zeigt Symptome einer schweren Hornhautentzündung. Zum Ausschluss einer Amöbenkeratitis wird ein Hornhautabstrich auf ein spezielles Nährmedium aufgebracht. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 4763 unter Nennung von Acanthamoeba spp.
Fallbeispiel 3: Vorkommen von Darmprotozoen
Bei einem Reiserückkehrer mit chronischen Durchfällen besteht der Verdacht auf eine Infektion mit Entamoeba histolytica. Nach negativem Direktpräparat wird eine Stuhlprobe auf speziellen Kulturmedien bebrütet. Die Abrechnung der GOÄ 4763 erfolgt mit dem Zusatz Entamoeba histolytica.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4763: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die fehlende Angabe der untersuchten Parasiten auf der Liquidation. Dies führt regelmäßig zur formellen Unwirksamkeit der Rechnungsposition. Die GOÄ 4763 setzt zudem zwingend eine Züchtung auf Kulturmedien voraus.
Ein einfacher mikroskopischer Ausstrich darf nicht unter dieser Ziffer abgerechnet werden. Die Nebeneinanderberechnung von Züchtung und Antigen-Nachweis aus derselben Probe ist genau zu prüfen.
Achtung: Private Krankenversicherungen kürzen die Erstattung der GOÄ 4763 konsequent, wenn der konkrete Name des gesuchten Parasiten nicht explizit auf der Rechnung ausgewiesen ist. Die bloße Nennung der Ziffer reicht nicht aus.
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Dokumentation der GOÄ 4763: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation sichert den Honoraranspruch bei Rückfragen der Kostenträger. In der Patientenakte müssen das Entnahmedatum, das verwendete Kulturmedium, die Bebrütungsdauer sowie das exakte Kulturergebnis festgehalten werden.
Auch die klinische Indikation für das aufwendige Kulturverfahren sollte kurz begründet sein. Dies erleichtert die Argumentation bei Nachfragen der privaten Krankenversicherungen.
Dokumentation: Vaginalabstrich entnommen am 12.10.2023. Anlage auf Roiron-Medium zur Züchtung von Trichomonas vaginalis. Bebrütung bei 37 °C für 48 Stunden. Ergebnis am 14.10.2023: Kultur positiv für Trichomonas vaginalis.
GOÄ 4763: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert liegt bei Laborleistungen häufig niedriger, für die Ziffer 4763 ist jedoch der Faktor 1,15 als Regelhöchstsatz definiert. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,30 ist bei besonderem Aufwand möglich. Gründe hierfür können eine erschwerte Probenaufbereitung oder extrem langsame Wachstumszyklen des Parasiten sein.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 4763 mit der vorausgehenden Probenentnahme kombiniert. Auch die Kombination mit einer mikroskopischen Untersuchung als Erstdiagnostik ist zulässig, sofern es sich um getrennte Arbeitsschritte handelt.
Tipp: Wenn mehrere unterschiedliche Parasitenarten aus derselben Probe auf verschiedenen Spezialmedien gezüchtet werden müssen, kann die Ziffer 4763 mehrfach nebeneinander abgerechnet werden. Dies muss auf der Rechnung detailliert begründet werden.
Ziffer 4763 in der neuen GOÄ
Die Auffangvariante für parasitologische Anzüchtungen mit ähnlichem methodischem Aufwand wird in der neuen GOÄ durch Nummer 12532 „Parasit-Anzucht, je Nährmedium" abgebildet, mit einem Festpreis von 17,00 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €). Alle vier alten Anzuchtziffern (4760–4763) münden in diese eine Nachfolgeleistung; der untersuchte Parasit und das Nährmedium sind in der Rechnung anzugeben.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4763
Was hat nicht gestimmt?