Die untersuchten Parasiten sind in der Rechnung anzugeben.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 4771
Xenodiagnostische Untersuchung zum Nachweis von parasitären Krankheitserregern, je Untersuchung -Untersuchungen mit ähnlichem methodischen Aufwand. Die untersuchten Parasiten sind in der Rechnung anzugeben.
Die Gebührenordnungsziffer 4771 beschreibt eine hochspezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Parasitologie. Im Zentrum steht die xenodiagnostische Untersuchung, bei der historisch lebende Vektoren zur Erregeranzucht genutzt werden. Heutzutage umfasst die Ziffer auch moderne, methodisch ähnlich aufwendige biologische Nachweisverfahren.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Leistung ist die präzise Identifikation der Krankheitserreger. Die Abrechnung verlangt zwingend, dass die gezielt untersuchten parasitären Krankheitserreger namentlich auf der Liquidation aufgeführt werden. Ohne diese Angabe gilt die Rechnung als formal unvollständig.
GOÄ 4771 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
Die Anwendung der GOÄ 4771 ist in der modernen Praxis auf spezialisierte Fragestellungen beschränkt. Typische Indikationen betreffen importierte Tropenkrankheiten oder seltene parasitäre Infektionen, die sich Standardtests entziehen. Hierzu gehören chronische Verlaufsformen von Infektionen, bei denen die Erregerlast im Blut extrem gering ist.
Klinische Relevanz besitzt das Verfahren beispielsweise bei der Diagnostik der Chagas-Krankheit oder bestimmten Formen der Leishmaniose. Da diese Untersuchungen einen enormen apparativen und zeitlichen Aufwand erfordern, rechtfertigt dies die Einstufung in diese höhere Gebührenklasse. Die Abgrenzung zu einfachen mikroskopischen Ausstrichen ist dabei essenziell.
Achtung: Eine Abrechnung der GOÄ 4771 für einfache Blutausstriche oder Standard-Stuhluntersuchungen auf Wurmeier ist unzulässig. Hierfür müssen die spezifischen, niedriger bewerteten Ziffern des Abschnitts M herangezogen werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 4771
Fallbeispiel 1: Verdacht auf chronische Chagas-Krankheit
Ein Patient stellt sich nach einem langjährigen Aufenthalt in Südamerika mit unklarer Kardiomyopathie vor. Da die serologischen Standardtests grenzwertig ausfallen, veranlasst das Labor eine spezialisierte biologische Erregeranzucht mittels Vektoren. Die Abrechnung erfolgt nach GOÄ 4771 mit dem obligatorischen Rechnungsvermerk Trypanosoma cruzi.
Fallbeispiel 2: Nachweis von Leishmanien bei chronischem Hautulkus
Bei einem Patienten mit einem therapieresistenten Hautgeschwür nach einer Mittelmeerreise wird eine Gewebebiopsie entnommen. Das Speziallabor führt eine aufwendige Kultivierung und Differenzierung der Parasiten durch. Abgerechnet wird die Ziffer 4771 unter Nennung des Erregers Leishmania infantum auf der Liquidation.
Fallbeispiel 3: Abklärung einer seltenen Filariose
Zur Abklärung einer Lymphstauung nach einem Tropenaufenthalt wird eine aufwendige Anreicherung und biologische Differenzierung von Mikrofilarien durchgeführt. Das Labor berechnet die Leistung nach GOÄ 4771. Auf der Rechnung wird der nachgewiesene Parasit Wuchereria bancrofti explizit ausgewiesen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 4771: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung dieser Ziffer ist das Versäumnis, die untersuchten Parasiten auf der Rechnung anzugeben. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen diese Rechnungen regelmäßig wegen formaler Mängel. Eine nachträgliche Korrektur der Liquidation ist zwar möglich, verzögert jedoch den Zahlungseingang erheblich.
Ein weiterer Streitpunkt ist die unzulässige Doppelabrechnung mit einfachen mikroskopischen Verfahren aus derselben Probe. Wenn lediglich ein einfacher Suchtest stattfindet, darf nicht die GOÄ 4771 gewählt werden. Prüfstellen fordern in solchen Fällen oft den Nachweis des methodischen Mehraufwands ein.
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Dokumentation der GOÄ 4771: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schutzschild gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation, das Herkunftsland des Patienten sowie die spezifische Fragestellung dokumentiert sein. Auch der genaue Ablauf des angewandten Laborverfahrens sollte im Laborbuch nachvollziehbar hinterlegt werden.
Der schriftliche Befundbericht muss die Identität des Parasiten eindeutig ausweisen. Dieses Dokument dient im Ernstfall als Nachweis gegenüber dem medizinischen Dienst der privaten Krankenversicherungen.
Dokumentation: Verdacht auf chronische Trypanosomiasis nach Aufenthalt in Bolivien. Durchführung einer xenodiagnostischen Erregeranzucht aus Vollblut. Befund: Nachweis von Trypanosoma cruzi. Rechnungsangabe: Trypanosoma cruzi.
GOÄ 4771: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich um eine Laborleistung des Abschnitts M handelt, ist der Gebührenrahmen stark eingegrenzt. Der maximale Steigerungssatz liegt beim 1,3-fachen Höchstsatz, was einem Betrag von 18,94 € entspricht. Eine Steigerung über den Regelsatz von 1,15 hinaus erfordert eine medizinische Begründung, wie etwa einen extrem hohen Kontaminationsgrad der Probe oder besondere Sicherheitsanforderungen beim Handling hochinfektiöser Vektoren.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 4771 wird häufig flankiert von Beratungsleistungen nach GOÄ 1 oder 3 sowie der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ 5. Für die Blutentnahme kommt typischerweise die GOÄ 250 hinzu. Eine Kombination mit anderen hochspezialisierten molekularbiologischen Nachweisen wie der PCR nach GOÄ 4780 ist bei unterschiedlichen methodischen Ansätzen zulässig, muss aber medizinisch begründet werden.
Tipp: Bei der Begründung für den 1,3-fachen Satz sollte stets auf die konkrete Erschwernis eingegangen werden. Formulierungen wie erschwerte Erregerisolierung bei extrem geringer Keimdichte im Probenmaterial werden von Kostenträgern meist akzeptiert.
Ziffer 4771 in der neuen GOÄ
Die Auffangvariante für xenodiagnostische Untersuchungen mit ähnlichem methodischem Aufwand sieht der Entwurf ebenfalls ohne eigenständigen Nachfolger vor. Das Verfahren ist im neuen Katalog nicht mehr eigenständig abgebildet. Heute beim 2,3-fachen Satz: 16,76 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 4771
Was hat nicht gestimmt?