Die Abrechnung der radikalen Prostatektomie nach GOÄ-Ziffer A1870 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Analogbewertung, Steigerungssätzen und Fehlern.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1870
Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen einschließlich pelviner Lymphknotenentfernung mit anschließender Rekonstruktion des Blasenhalses und der Schließmuskelfunktion, einschließlich Blasenkatheter, ggf. einschließlich suprapubischem Katheter, ggf. einschließlich einer oder mehrerer Drainagen, analog Nr. 1845
Die GOÄ-Ziffer A1870 beschreibt eine hochkomplexe urologische Operation. Diese Ziffer wurde von der Bundesärztekammer als Analogbewertung eingeführt, um moderne operative Verfahren sachgerecht abzubilden. Sie umfasst die vollständige Resektion der Prostata sowie der Samenblasen und die systematische Entfernung der pelvinen Lymphknoten.
Zusätzlich sind die anschließende Rekonstruktion des Blasenhalses zur Sicherung der Kontinenz sowie das Einlegen von Kathetern und Drainagen im Leistungsumfang enthalten. Eine gesonderte Berechnung dieser Teilschritte ist daher ausgeschlossen.
GOÄ A1870 in der Praxis: Analoge Anwendung bei roboterassistierten Operationen
In der modernen Urologie hat die roboterassistierte laparoskopische Prostatektomie (RALP), häufig durchgeführt mit dem daVinci-System, die offene Operation weitgehend abgelöst. Da die ursprüngliche Gebührenordnung für Ärzte diese Technologie nicht abbildet, erfolgt die Abrechnung über die Analogziffer A1870.
Die medizinische Indikation für diese Leistung ist in der Regel das klinisch lokalisierte Prostatakarzinom. Die präoperative Diagnostik und die Indikationsstellung müssen in der Patientenakte lückenlos dokumentiert sein.
Die analoge Heranziehung der Nummer 1845 sichert eine angemessene Vergütung des hohen technischen und personellen Aufwands. Abrechnungsfachkräfte müssen darauf achten, dass die Analogbewertung auf der Rechnung klar als analog gekennzeichnet wird.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1870
Fallbeispiel 1: Roboterassistierte laparoskopische Prostatektomie (RALP)
Ein Patient stellt sich mit einem lokalisierten Prostatakarzinom mittleren Risikos vor. Der Operateur führt eine roboterassistierte laparoskopische Prostatektomie mit pelviner Lymphadenektomie durch. Die Operation verläuft ohne Komplikationen, weshalb der Regelhöchstsatz von 2,3 angewendet wird. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer A1870 analog zum Betrag von 668,96 €.
Fallbeispiel 2: Erschwerte Präparation bei Zustand nach Voroperationen
Bei einem Patienten mit Prostatakarzinom besteht ein Zustand nach ausgeprägter Peritonitis und multiplen Voroperationen im Unterbauch. Während der RALP zeigen sich massive Adhäsionen, die eine zeitaufwendige und vorsichtige Präparation erfordern. Aufgrund des erheblichen Mehraufwands rechnet der Arzt die Ziffer A1870 mit dem Höchstsatz von 3,5 (1017,98 €) ab und begründet dies detailliert in der Rechnung.
Fallbeispiel 3: Prostatektomie ohne pelvine Lymphknotenentfernung
Ein älterer Patient mit einem Low-Risk-Prostatakarzinom erhält eine radikale Prostatektomie. Aufgrund des sehr geringen Metastasierungsrisikos wird auf eine pelvine Lymphadenektomie verzichtet. Da es sich um eine medizinisch begründete Teilleistung handelt, ist die Abrechnung der Ziffer A1870 dennoch in vollem Umfang zulässig.
Häufige Fehler bei der GOÄ A1870: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die zusätzliche Abrechnung der pelvinen Lymphknotenentfernung über separate Ziffern wie die Nr. 1855 oder 1856. Da die Lymphadenektomie explizit im Leistungstext der A1870 genannt ist, führt eine Doppelabrechnung regelmäßig zu Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Ebenso unzulässig ist die gesonderte Berechnung der Katheterisierung (z. B. Nr. 1728) oder der Wunddrainagen am Operationstag. Diese Maßnahmen sind als Zielleistung integraler Bestandteil der Hauptleistung und mit der Ziffer A1870 abgegolten.
Achtung: Die zusätzliche Abrechnung von Adhäsionslösungen neben der Prostatektomie wird von Prüfstellen streng überwacht. Eine separate Ziffer darf nur dann herangezogen werden, wenn die Adhäsionen ein eigenständiges Krankheitsbild darstellten und der Aufwand das übliche Maß der Operation weit überstieg.
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Dokumentation der GOÄ A1870: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss alle im Leistungstext genannten Schritte, insbesondere die Rekonstruktion des Blasenhalses und die Lymphknotenentfernung, detailliert beschreiben.
Auch die Verwendung des roboterassistierten Systems sollte im Bericht explizit erwähnt werden. Dies stützt die Argumentation für die analoge Anwendung der Ziffer gegenüber den Kostenträgern.
Dokumentation: Durchführung einer roboterassistierten Prostatektomie (daVinci). Systematische pelvine Lymphadenektomie beidseits. Vollständige Resektion von Prostata und Samenblasen. Rekonstruktion des Blasenhalses mittels fortlaufender Naht zur Sicherung der Schließmuskelfunktion. Einlegen eines transurethralen Blasenkatheters sowie einer Easyflow-Drainage.
GOÄ A1870: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 2,3 bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der GOÄ A1870 häufig medizinisch begründbar. Typische Kriterien für eine Faktorerhöhung sind ein extrem hoher Body-Mass-Index (Adipositas permagna), ausgeprägte anatomische Varianten oder starke postoperative Blutungen.
Auch ein Zustand nach Bestrahlung im Beckenbereich, der die Präparation massiv erschwert, rechtfertigt eine Steigerung. Die Begründung muss stets patientenindividuell und nachvollziehbar formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Hauptleistung A1870 können begleitende Anästhesieleistungen sowie postoperative Überwachungsziffern berechnet werden. Die histopathologische Aufarbeitung des Operationspräparates erfolgt separat durch den Pathologen und berührt das Honorar des Operateurs nicht.
Tipp: Achten Sie darauf, dass präoperative Beratungen und urologische Voruntersuchungen an separaten Tagen liquidiert werden, um Konflikte mit der Zielleistungsregel zu vermeiden.
Ziffer A1870 in der neuen GOÄ
Die totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen einschließlich pelviner Lymphknotenentfernung mit anschließender Anastomosierung (radikale Prostatektomie mit Lymphadenektomie) wird in der neuen GOÄ nach dem Ausmaß der Lymphknotenentfernung abgerechnet. Die Prostatektomie selbst ist immer dieselbe Basisziffer; der Zuschlag variiert.
- Minimale pelvine Lymphadenektomie beidseits: 10216 „Totale Entfernung der Prostata und der Samenblasen …" — 1.071,37 €, plus 10255 „Zuschlag … für eine minimale pelvine Lymphadenektomie, beidseits …" — 421,99 €
- Modifizierte pelvine Lymphadenektomie beidseits: 10216 — 1.071,37 €, plus 10256 „Zuschlag … für eine modifizierte pelvine Lymphadenektomie …" — 468,88 €
- Extendierte pelvine Lymphadenektomie beidseits: 10216 — 1.071,37 €, plus 10257 „Zuschlag … für eine extendierte pelvine Lymphadenektomie …" — 586,10 €
Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 668,96 €. Aus der OP-Dokumentation muss das Ausmaß der Lymphadenektomie eindeutig hervorgehen.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1870
Was hat nicht gestimmt?