Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer A1890 (Fluoreszenzendoskopie). Erfahren Sie alles zu Sachkosten, Steigerungsfaktoren und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A1890
A1890: Fluoreszenzendoskopie bei Urothelkarzinom, einschließlich Instillation des Farbstoffs, analog Nr. 1789
Die Ziffer A1890 beschreibt die Durchführung einer Fluoreszenzendoskopie (auch bekannt als photodynamische Diagnostik, PDD) zur verbesserten Erkennung von malignen Veränderungen der Blasenwand. Diese Methode nutzt die selektive Anreicherung eines fluoreszierenden Farbstoffs in Tumorzellen aus. Die Leistung umfasst explizit auch die Instillation des Farbstoffs in die Harnblase sowie die anschließende endoskopische Untersuchung unter speziellem Blaulicht.
Da es sich um eine Analogbewertung zur Gebührenordnungsnummer 1789 handelt, wird die Ziffer wie ein Zuschlag gehandhabt. Die zugrundeliegende endoskopische Hauptleistung wird separat erfasst. Die Vorbereitung des Patienten und die Überwachung während die Einwirkzeit läuft, sind in der Bewertung ebenfalls berücksichtigt.
GOÄ A1890 in der Praxis: Indikation und klinischer Nutzen
Die Fluoreszenzendoskopie kommt primär beim Verdacht auf ein Urothelkarzinom oder im Rahmen der engmaschigen Tumornachsorge zum Einsatz. Besonders flache Läsionen wie das Carcinoma in situ (CIS) sind unter normalem Weißlicht oft schwer erkennbar. Durch die PDD leuchten diese Areale unter Blaulicht rötlich auf, was die Biopsiegenauigkeit und Resektionsqualität signifikant erhöht.
In der urologischen Praxis wird die Instillation meist ein bis zwei Stunden vor der eigentlichen Endoskopie durchgeführt. Der logistische Aufwand in der Praxisorganisation ist daher hoch, da der Patient eine entsprechende Verweilzeit einplanen muss. Die Abrechnung der Ziffer A1890 setzt voraus, dass die Fluoreszenzanregung medizinisch indiziert und dokumentiert ist.
Tipp: Planen Sie die Instillation des Photosensibilisators zeitlich präzise ein, da die optimale Fluoreszenz ein enges Zeitfenster von meist ein bis zwei Stunden nach der Instillation erfordert.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A1890
Fallbeispiel 1: Tumornachsorge bei bekanntem Blasenkarzinom
Ein Patient stellt sich zur regelmäßigen Nachsorge nach transurethraler Resektion eines Blatttumors vor. Aufgrund eines erhöhten Rezidivrisikos wird eine Fluoreszenzzystoskopie vereinbart. Nach Instillation von Hexaminolävulinat und einer Wartezeit erfolgt die starre Zystoskopie. Abgerechnet werden die Zystoskopie nach Nr. 1785, die Analogziffer A1890 für die PDD sowie die Sachkosten für den Farbstoff gemäß § 10 GOÄ.
Fallbeispiel 2: Abklärung einer unklaren Mikrohämaturie
Bei einer Patientin besteht der dringende Verdacht auf ein Carcinoma in situ bei persistierender Mikrohämaturie ohne sichtbares Korrelat in der Standard-Sonographie. Es erfolgt eine flexible Urethrozystoskopie unter Einsatz der PDD. Neben der Nr. 1787 für die flexible Untersuchung wird die Ziffer A1890 analog für die Fluoreszenzanwendung angesetzt. Die Begründung in der Rechnung verweist auf den Ausschluss eines flachen Urothelkarzinoms.
Fallbeispiel 3: Stationäre oder ambulante TUR-B Vorbereitung
Im Rahmen einer geplanten transurethralen Resektion (TUR-B) wird präoperativ eine Fluoreszenzendoskopie zur exakten Markierung der Tumorgrenzen durchgeführt. Die Instillation erfolgt auf der urologischen Station oder in der ambulanten OP-Vorbereitung. Die Abrechnung der A1890 erfolgt neben den präoperativen Leistungen und der endoskopischen Untersuchung. Dies sichert eine vollständige Abbildung des urologischen Mehraufwands.
Häufige Fehler bei der GOÄ A1890: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler liegt im Versäumnis, die Materialkosten für den Farbstoff gesondert in Rechnung zu stellen. Da es sich um teure Spezialpräparate handelt, führt dies zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten für die Praxis. Nach § 10 Abs. 1 Nr. 1 GOÄ sind diese Auslagen voll erstattungsfähig und müssen mit der entsprechenden Pharmazentralnummer (PZN) auf der Liquidation ausgewiesen werden.
Zudem beanstanden private Krankenversicherungen häufig die Abrechnung der A1890, wenn die zugrundeliegende endoskopische Hauptleistung nicht korrekt deklariert ist. Die Fluoreszenzendoskopie kann niemals als solitäre Leistung erbracht werden. Es muss immer eine urologische Endoskopieziffer (z. B. Nr. 1785 oder Nr. 1787) auf der Rechnung stehen.
Achtung: Die bloße Instillation eines Kontrastmittels oder einfachen Farbstoffs ohne anschließende Blaulicht-Endoskopie rechtfertigt nicht den Ansatz der A1890. Die technische Ausstattung für die Fluoreszenzanregung muss zwingend vorhanden sein und genutzt werden.
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Dokumentation der GOÄ A1890: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen durch Prüfstellen. In der Patientenakte müssen der exakte Zeitpunkt der Instillation, die Verweilzeit des Farbstoffs in der Blase sowie das verwendete Präparat dokumentiert werden. Auch die klinische Indikation, wie der Verdacht auf ein CIS, muss klar hervorgehen.
Zusätzlich sollten die Befunde unter Weißlicht und die anschließenden Abweichungen unter Fluoreszenz-Blaulicht detailliert beschrieben werden. Falls Biopsien aus fluoreszierenden Arealen entnommen wurden, ist dies ebenfalls präzise zu protokollieren. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit der aufwendigen Diagnostik zweifelsfrei.
Dokumentationsbeispiel: Instillation von Hexvix um 09:00 Uhr. Verweilzeit 60 Minuten. Beginn der flexiblen Zystoskopie um 10:15 Uhr. Unter Weißlicht unauffällige Schleimhautverhältnisse. Nach Umschalten auf Blaulicht zeigt sich eine deutliche rötliche Fluoreszenz im Bereich des Blasenbodens (ca. 5 mm). Gezielte Biopsie entnommen.
GOÄ A1890: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert der Ziffer A1890 liegt beim 2,3-fachen Satz (43,56 €). Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum 3,5-fachen Höchstsatz (66,29 €) ist bei erhöhtem Schwierigkeitsgrad oder außergewöhnlichem Zeitaufwand möglich. Typische Begründungen sind eine erschwerte Instillation bei ausgeprägter Urethrastrikur oder eine extrem unruhige Blase mit vorzeitigem Drang, die eine kontinuierliche Überwachung erforderte.
Auch anatomische Besonderheiten wie eine ausgeprägte Prostatahyperplasie, die das Einführen des Endoskops erschwert, oder starke Entzündungen, die die Abgrenzung der Fluoreszenz erschweren, rechtfertigen eine Faktorerhöhung. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer A1890 wird regelhaft mit den urologischen Endoskopieziffern kombiniert. Dazu gehören die Nr. 1785 (Zystoskopie) oder die Nr. 1787 (Urethrozystoskopie). Ebenfalls kombinierbar sind Leistungen zur Probenentnahme wie die Nr. 1790 (Biopsie). Nicht vergessen werden darf die Abrechnung der Sachkosten für den Farbstoff als Auslage.
Ziffer A1890 in der neuen GOÄ
Die Fluoreszenzendoskopie bei Urothelkarzinom (einschließlich Instillation des Farbstoffs, bisher eigenständige Analogziffer) wird in der neuen GOÄ als Zuschlag zur Endoskopiegrundleistung abgebildet.
10116 „Zuschlag … für die Photodynamische Diagnostik (PDD) mittels Fluoreszenzendoskopie" — 15,31 € je Sitzung; setzt eine der in der Legende genannten Hauptleistungen (z. B. transurethrale Resektion oder diagnostische Blasenendoskopie) voraus. Der bisherige 2,3-fache Satz der Analogziffer lag bei 43,56 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A1890
Was hat nicht gestimmt?