Die transkutane Bilirubinbestimmung mittels Bilirubinometer ist ein unverzichtbares Screening-Verfahren. Erfahren Sie, wie Sie die GOÄ A3775 rechtssicher abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3775
A3775 (analog): Bilirubin bei Neugeborenen, Bilirubinometer
Die Ziffer A3775 wird als Analogbewertung herangezogen, da die transkutane Bilirubinmessung nicht originär in der Gebührenordnung für Ärzte abgebildet ist. Als Referenz dient hierbei die Ziffer 3775 aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen). Diese Leistung umfasst die nicht-invasive Bestimmung des Bilirubingehaltes über die Haut des Neugeborenen.
Durch den Einsatz spezieller optischer Messgeräte, den sogenannten Bilirubinometern, wird die Gelbfärbung des Unterhautfettgewebes gemessen. Dieses schmerzfreie Verfahren dient als wichtiges Screening-Instrument in der Neonatologie. Es vermeidet in vielen Fällen eine belastende venöse oder kapillare Blutentnahme beim Säugling.
GOÄ A3775 in der Praxis: Transkutane Bilirubinmessung beim Neugeborenen
Die Indikation zur Durchführung dieser Leistung besteht primär beim Verdacht auf einen Icterus neonatorum (Neugeborenengelbsucht). Das Verfahren wird routinemäßig in den ersten Lebensstunden und -tagen angewendet, um den Verlauf des Bilirubinspiegels engmaschig zu überwachen. Besonders bei Frühgeborenen oder reifen Neugeborenen mit sichtbarer Gelbfärbung ist diese schnelle Diagnostik essenziell.
Die Abgrenzung zur klassischen Ziffer 3775 ist von zentraler Bedeutung. Während die Ziffer 3775 eine photometrische Bestimmung aus dem Serum oder Plasma erfordert, beschreibt die A3775 die rein physikalische Messung mittels Lichtreflexion. Die analoge Anwendung sichert eine betriebswirtschaftlich angemessene Vergütung dieser modernen, patientenschonenden Technologie.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3775
Fallbeispiel 1: Erstmaliges Screening bei sichtbarem Ikterus
Ein drei Tage altes Neugeborenes zeigt bei der U2-Untersuchung eine deutliche Gelbfärbung der Haut. Zur Abklärung wird eine transkutane Messung mit dem Bilirubinometer durchgeführt. Der gemessene Wert liegt im sicheren Bereich, weshalb vorerst auf eine Blutentnahme verzichtet wird. Abgerechnet wird die Ziffer A3775 zum Regelsatz neben der symptombezogenen Untersuchung nach Ziffer 5.
Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei bekanntem Icterus neonatorum
Bei einem Neugeborenen mit bekanntem, leicht erhöhtem Bilirubinwert erfolgt eine tägliche Kontrolle in der pädiatrischen Praxis. Am dritten Tag der Überwachung zeigt das Bilirubinometer einen stabilen Trend. Die Dokumentation der Messwerte sichert die Abrechnung der Ziffer A3775 an aufeinanderfolgenden Tagen. Eine Begründung für die wiederholte Erbringung wird in der Patientenakte hinterlegt.
Fallbeispiel 3: Messung unter erschwerten Bedingungen
Ein unruhiges, stark schreiendes Neugeborenes muss aufgrund eines mütterlichen Rhesus-Inkompatibilitäts-Verdachts untersucht werden. Die Messung erfordert mehrere Anläufe und eine verlängerte Zuwendung, um Fehlmessungen durch Bewegungsartefakte auszuschließen. Die Abrechnung der Ziffer A3775 erfolgt hierbei mit dem Höchstsatz (1,3-fach) unter Angabe der entsprechenden Begründung.
Häufige Fehler bei der GOÄ A3775: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Nebeneinanderberechnung der Ziffern A3775 und 3775 am selben Tag für denselben Patienten. Wenn nach einer auffälligen transkutanen Messung eine blutige Kontrolluntersuchung notwendig wird, ist dies genau zu begründen. Private Krankenversicherungen fordern in solchen Fällen oft eine detaillierte medizinische Begründung an.
Achtung: Die Ziffer A3775 darf ausschließlich bei Neugeborenen angewendet werden. Eine Abrechnung bei älteren Säuglingen oder Kleinkindern führt bei Prüfungen regelmäßig zur Streichung der Leistung, da die physiologischen Voraussetzungen und die Zulassung der Geräte meist auf die ersten Lebenswochen beschränkt sind.
Zudem beanstanden Prüfstellen häufig das Fehlen des Zusatzes "analog" auf der Liquidation. Da es sich um eine Analogziffer handelt, muss die Kennzeichnung gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ zwingend als A3775 erfolgen. Ein Fehlen dieses Hinweises kann zur formalen Ungültigkeit der Rechnungsposition führen.
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Dokumentation der GOÄ A3775: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wirksamste Mittel gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen neben dem konkreten Messwert auch das verwendete Gerätemodell und die Lokalisation der Messung (z. B. Stirn oder Sternum) festgehalten werden. Auch die Uhrzeit der Messung ist aufgrund der Dynamik des Bilirubinstoffwechsels von hoher Relevanz.
Dokumentation: Transkutane Bilirubinmessung (TcB) mittels Bilirubinometer (Modell BiliMed) an der Stirn durchgeführt. Messwert: 12,4 mg/dl um 10:15 Uhr bei gutem Allgemeinzustand des Neugeborenen.
Sollte der Schwellenwert für eine Phototherapie fast erreicht sein, empfiehlt sich die zusätzliche Dokumentation der klinischen Entscheidung. Dies rechtfertigt die engmaschige Überwachung und belegt die medizinische Notwendigkeit nachfolgender Kontrollmessungen.
GOÄ A3775: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da die Ziffer A3775 dem Abschnitt M zuzuordnen ist, liegt der normale Gebührenrahmen zwischen dem 1,0-fachen und dem 1,3-fachen Satz. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung auf den Höchstsatz (1,3-fach) ist nur bei Vorliegen besonderer Umstände zulässig, wie etwa bei extrem unruhigen Säuglingen oder ausgeprägten Hautödemen, die die optische Messung erheblich erschweren.
Typische Ziffernkombinationen
Die transkutane Bilirubinbestimmung wird selten isoliert durchgeführt. Häufig erfolgt sie im Rahmen einer Erstuntersuchung oder im Zusammenhang mit einer Beratung der Eltern. Typische Kombinationspartner sind die Ziffer 1 (Beratung) und die Ziffer 5 (Symptombezogene Untersuchung). Bei stationärer oder teilstationärer Betreuung kann auch die Kombination mit Überwachungsleistungen sinnvoll sein.
Tipp: Achten Sie darauf, dass bei einer eventuell nachfolgenden Blutentnahme (z. B. nach Ziffer 250) die medizinische Notwendigkeit der gestuften Diagnostik (erst schmerzfreies Screening, dann blutige Verifizierung) klar aus der Dokumentation hervorgeht.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3775
Was hat nicht gestimmt?