GOÄ 3775: Bilirubin im Fruchtwasser korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3775
Bilirubin im Fruchtwasser (E450), spektralphoto­metrisch
Punktzahl 180  
Einfachsatz 10,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 12,06 € 1,1x
Höchstsatz 13,64 € 1,3x

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3775: Erfahren Sie alles über die Abrechnung der Bilirubinbestimmung im Fruchtwasser und die wichtige Analogabrechnung in der Pädiatrie.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3775

Bilirubin im Fruchtwasser (E450), spektralphotometrisch – 180 Punkte (Einfachsatz: 10,49 €, Regelhöchstsatz: 12,06 €, Höchstsatz: 13,64 €)

Die GOÄ-Ziffer 3775 beschreibt die spektralphotometrische Bestimmung von Bilirubin im Fruchtwasser. Diese Laborleistung ist im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 7 (Substrate, Metabolite, Enzyme) verortet. Sie dient primär der Erfassung einer fetalen Gefährdung bei bestehender Blutgruppenunverträglichkeit.

Im Rahmen der Untersuchung wird die Lichtabsorption des Fruchtwassers in einem Wellenlängenbereich von 350 bis 550 nm gemessen. Der so ermittelte Wert gibt Aufschluss über die Konzentration des unkonjugierten Bilirubins. Dieses gelangt bei vermehrtem fetalem Hämoglobinabbau über die Haut des Feten in das Fruchtwasser.

GOÄ 3775 in der Praxis: Indikationsstellung und moderne Analoganwendung

Die klassische Indikation für die GOÄ 3775 ist der Verdacht auf eine fetale Erythroblastose infolge einer Rhesus-Inkompatibilität. Durch die Bestimmung des Bilirubinspiegels im Fruchtwasser und die anschließende Auswertung mittels des Liley-Nomogramms lässt sich das fetale Risiko quoad vitam präzise abschätzen. In der modernen Pränatalmedizin wurde diese invasive Methode jedoch weitgehend durch die risikoarme Dopplersonographie der fetalen Arteria cerebri media abgelöst.

Eine herausragende Bedeutung hat die Ziffer 3775 heute in der Pädiatrie erlangt. Sie wird standardmäßig für die transkutane Bilirubinmessung mittels eines Bilirubinometers bei Neugeborenen analog herangezogen. Diese schmerzfreie Methode dient dem Screening auf Neugeborenenikterus, um eine Bilirubin-induzierte neurologische Dysfunktion (BIND) oder einen Kernikterus rechtzeitig zu verhindern.

Tipp: Nutzen Sie die GOÄ 3775 konsequent analog für das transkutane Bilirubin-Screening bei Neugeborenen. Dies sichert eine adäquate Honorierung dieser wichtigen präventiven Leistung in der pädiatrischen Praxis.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3775

Fallbeispiel 1: Amniozentese bei Rhesus-Inkompatibilität

Bei einer Schwangeren in der 32. Schwangerschaftswoche mit bekanntem Antikörpertiter wird eine Amniozentese durchgeführt. Das gewonnene Fruchtwasser wird sofort spektralphotometrisch auf Bilirubin untersucht. Abgerechnet werden die Fruchtwasserpunktion nach GOÄ 1011 sowie die Bilirubinbestimmung nach GOÄ 3775 zum Regelsatz.

Fallbeispiel 2: Transkutane Bilirubinmessung am 3. Lebenstag

Ein Neugeborenes zeigt am dritten Lebenstag einen sichtbaren Ikterus. Zur Vermeidung einer invasiven Blutentnahme erfolgt eine schmerzfreie Messung mit dem transkutanen Bilirubinometer. Die Abrechnung erfolgt analog als A3775 (Bilirubinometer-Messung), um das Risiko eines Kernikterus einzuschätzen.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle unter Fototherapie

Bei einem Neugeborenen unter Fototherapie wird zur engmaschigen Überwachung des Therapieerfolgs eine tägliche transkutane Messung durchgeführt. Neben der pädiatrischen Untersuchung wird die Analogziffer A3775 für jede eigenständige Messung an aufeinanderfolgenden Tagen liquiriert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3775: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3775 ist das Fehlen der Kennzeichnung bei analoger Erbringung. Wird die transkutane Bilirubinmessung beim Neugeborenen durchgeführt, muss die Ziffer zwingend mit einem vorangestellten "A" für Analogabrechnung gekennzeichnet werden. Andernfalls droht eine Beanstandung durch die privaten Krankenversicherungen wegen vermeintlich unplausibler Probenmatrix.

Zudem ist darauf zu achten, dass Laborleistungen des Abschnitts M speziellen Höchstsätzen unterliegen. Der maximale Steigerungssatz für die GOÄ 3775 liegt bei 1,3-fach und nicht bei den sonst üblichen 2,5- oder 3,5-fachen Sätzen für ärztliche Leistungen. Eine Überschreitung dieses Schwellenwerts ohne rechtliche Grundlage führt unweigerlich zur Kürzung.

Achtung: Die GOÄ 3775 darf nicht ungeprüft neben einer laborchemischen Bilirubinbestimmung aus dem Serum (z. B. GOÄ 3581) am selben Tag abgerechnet werden, es sei denn, es liegen unterschiedliche Indikationen und getrennte Probenentnahmen vor, die detailliert begründet werden müssen.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3775: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Abrechnung und schützt vor Regressen. Für die GOÄ 3775 müssen das angewandte Verfahren (z. B. Spektralphotometrie oder transkutane Messung) sowie das konkrete Messergebnis dokumentiert werden. Auch die Indikation, wie etwa der Verdacht auf fetale Anämie oder neonatalen Ikterus, gehört zwingend in die Patientenakte.

Bei der analogen Anwendung am Neugeborenen sollte zusätzlich der Gerätetyp (Bilirubinometer) und die klinische Konsequenz (z. B. Einleitung einer Fototherapie oder Entlassung) festgehalten werden. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit der Maßnahme zweifelsfrei.

Dokumentation: Transkutane Bilirubinmessung mittels Bilirubinometer (Gerät: Bilimed) am 3. Lebenstag bei sichtbarem Ikterus. Messwert: 14,2 mg/dl. Indikation: Ausschluss behandlungsbedürftige Hyperbilirubinämie. Fototherapie aktuell nicht indiziert, Wiedervorstellung morgen.

GOÄ 3775: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die GOÄ 3775 dem Abschnitt M angehört, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Eine Steigerung über den Regelsatz von 1,15-fach bis zum Höchstsatz von 1,3-fach ist nur bei erhöhtem Aufwand zulässig. Typische Begründungen sind eine schwierige Probenaufbereitung bei stark getrübtem Fruchtwasser oder eine zeitkritische Notfallanalyse außerhalb der regulären Arbeitszeiten.

Typische Ziffernkombinationen

In der pränatalen Anwendung wird die GOÄ 3775 häufig mit der Amniozentese nach GOÄ 1011 kombiniert. In der Pädiatrie hingegen erfolgt die Kombination meist mit der symptombezogenen Untersuchung nach GOÄ 5 oder der eingehenden Beratung nach GOÄ 3. Eine gleichzeitige Abrechnung mit der Dopplersonographie der fetalen Gefäße (GOÄ 415) ist ebenfalls möglich, sofern beide diagnostischen Schritte medizinisch indiziert waren.

Ziffer 3775 in der neuen GOÄ

An die Stelle der alten Ziffer 3775 (Bilirubin im Fruchtwasser (E450), spektralphotometrisch) treten in der neuen GOÄ 2 spezifische Leistungen (bisher beim 2,3-fachen Satz: 12,06 €). Welche zutrifft, hängt von Analyt und Methode ab:

  • 12924 Bilirubin, Fruchtwasser Abklärung Risiko-Schwangerschaft (15,71 €) – bei: Fruchtwasser bei Risiko-Schwangerschaft
  • 11055 Bilirubin, gesamt Serum oder Plasma (0,80 €) – bei: Serum/Plasma beim Neugeborenen

Die Bandbreite reicht von 0,80 € bis 15,71 € — die Dokumentation des Analyten entscheidet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3775

Ja, die GOÄ-Ziffer 3775 kann analog für die transkutane Bilirubinmessung mittels Bilirubinometer beim Neugeborenen herangezogen werden. Da es für dieses schmerzfreie Screeningverfahren keine eigene Ziffer in der GOÄ gibt, ist diese Analogbewertung fachlich etabliert. Auf der Rechnung muss die Leistung mit einem vorangestellten 'A' gekennzeichnet werden.
Der maximale Steigerungssatz für die GOÄ-Ziffer 3775 beträgt das 1,3-Fache des Gebührensatzes. Da es sich um eine Laborleistung des Abschnitts M handelt, gilt hier ein eingeschränkter Gebührenrahmen. Der Regelsatz liegt beim 1,15-Fachen, was einem Betrag von 12,06 € entspricht.
Für die Gewinnung des Fruchtwassers kann die GOÄ-Ziffer 1011 für die Amniozentese abgerechnet werden. Diese Punktion stellt eine eigenständige ärztliche Leistung dar und ist voll neben der Laboranalyse berechenbar. Eventuelle sonographische Kontrollen während der Punktion sind gesondert anzusetzen.
Bei fehlender Kennzeichnung als Analogziffer droht die Ablehnung der Erstattung durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen. Da die Originalziffer auf Fruchtwasser aufbaut, wirkt die Abrechnung ohne 'A' bei einem Neugeborenen unplausibel. Eine korrekte Rechnungsstellung schützt vor zeitaufwendigen Rückfragen.
Ja, die GOÄ 3775 ist neben Serum-Bilirubinbestimmungen wie der GOÄ 3581 abrechenbar, sofern unterschiedliche Untersuchungsmaterialien vorliegen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine transkutane Messung durch eine blutbasierte Laborkontrolle verifiziert werden muss. Die getrennte Indikation und Probenmatrix sollten in der Akte dokumentiert sein.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich