GOÄ 3776: Citrat-Bestimmung korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3776
Citrat , photometrisch
Punktzahl 300  
Einfachsatz 17,49 € 1,0x
Regelhöchstsatz 20,11 € 1,1x
Höchstsatz 22,74 € 1,3x
Ausschlüsse

Die Bestimmung von Citrat nach GOÄ-Ziffer 3776 ist essenziell für die Steinmetaphylaxe und Fertilitätsdiagnostik. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3776

GOÄ-Ziffer 3776: Citrat, photometrisch - Punktzahl: 300

Die GOÄ-Ziffer 3776 beschreibt die photometrische Bestimmung von Citrat. Diese Laborleistung ist dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 7 (Substrate, Metabolite, Enzyme) zugeordnet. Die Abrechnung erfolgt im Regelfall über den 1,15-fachen Gebührensatz, welcher mit 20,11 Euro vergütet wird.

Die photometrische Messung nutzt die Eigenschaft von Substanzen, Licht im ultravioletten oder sichtbaren Bereich zu absorbieren. Bei der Citrat-Bestimmung wird meist die indirekte Photometrie angewendet, bei der der Analyt in einem enzymatischen Reaktionsgemisch umgewandelt wird. Die resultierenden Absorptionsänderungen sind proportional zur Konzentration des Citrats in der Probe.

GOÄ 3776 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz

In der täglichen Praxis findet die Bestimmung von Citrat vor allem in zwei klinischen Fachgebieten Anwendung: der Urologie und der Reproduktionsmedizin. Citrat ist das Salz der Zitronensäure und dient im Urin als wichtiger Inhibitor der Kristallisation von Kalziumsalzen. Ein Mangel an Citrat im Urin erhöht das Risiko für die Entstehung von Nierensteinen signifikant.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Untersuchung des Seminalplasmas bei männlicher Infertilität. Citrat wird in der Prostata gebildet und dient als spezifischer Marker für deren Funktion. Ein erniedrigter Citratgehalt im Ejakulat weist auf entzündliche Prozesse wie eine Prostatitis hin, welche die Spermienqualität negativ beeinflussen können.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3776

Fallbeispiel 1: Steinmetaphylaxe bei rezidivierender Nephrolithiasis

Ein Patient stellt sich mit wiederkehrenden calciumhaltigen Nierensteinen in der urologischen Praxis vor. Zur Erstellung eines Metaphylaxe-Profils wird ein angesäuerter 24-Stunden-Sammelurin angefordert. Die photometrische Bestimmung des Citrats ergibt einen erniedrigten Wert von 1,2 mmol/24h. Neben der therapeutischen Empfehlung zur Einnahme von Kaliumcitrat rechnet der Arzt die GOÄ-Ziffer 3776 mit dem Regelsatz ab.

Fallbeispiel 2: Fertilitätsdiagnostik im urologischen Labor

Ein Ehepaar mit unerfülltem Kinderwunsch stellt sich vor, woraufhin beim Mann ein Spermiogramm durchgeführt wird. Zur Beurteilung der Funktion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen wird das Citrat im Seminalplasma photometrisch bestimmt. Da der Befund einen entzündlichen Prozess der Prostata nahelegt, erfolgt eine gezielte Therapie. Die Bestimmung des Citrats wird korrekt nach Nummer 3776 GOÄ liquidiert.

Fallbeispiel 3: Analoge Anwendung bei Verdacht auf Nebenhodenverschluss

Bei einem Patienten mit Azoospermie soll der Funktionszustand der Nebenhoden überprüft werden. Hierzu wird die neutrale alpha-Glukosidase im Seminalplasma photometrisch bestimmt. Da diese Leistung nicht direkt in der GOÄ abgebildet ist, erfolgt die Abrechnung analog nach GOÄ 3776 gemäß den Empfehlungen der Bundesärztekammer.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3776: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler liegt in der fehlerhaften Kombination mit anderen urologischen Laboruntersuchungen. Wird die Citrat-Bestimmung im Urin zusammen mit anderen organischen Säuren mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) durchgeführt, ist die Ziffer 3776 nicht eigenständig berechnungsfähig. In diesem Fall darf ausschließlich die GC-MS-Gebühr nach Nummer 3783 angesetzt werden.

Zudem darf die Ziffer 3776 nicht für die direkte Analyse von bereits extrahierten Nierensteinen herangezogen werden. Für die Steinanalyse selbst stehen die spezifischen Nummern 3672 und 3673 zur Verfügung. Eine Bestimmung von Citrat im Blutserum ist medizinisch nicht indiziert und wird von privaten Krankenversicherungen regelmäßig gestrichen.

Achtung: Achten Sie bei der Steinmetaphylaxe darauf, dass bei einer GC-MS-Untersuchung des Urins die Ziffer 3776 durch die Spezialziffer 3783 verdrängt wird. Eine Doppelabrechnung führt unweigerlich zu Beanstandungen.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3776: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen. In der Patientenakte müssen die klinische Indikation (z. B. rezidivierende Nephrolithiasis oder Infertilitätsabklärung) sowie das verwendete Probenmaterial präzise festgehalten werden. Auch die genaue Messmethode (Photometrie) und das quantitative Testergebnis gehören in den Befundbericht.

Bei analogen Bewertungen muss die gewählte Analogziffer auf der Rechnung klar als solche gekennzeichnet und mit der entsprechenden Bezeichnung der tatsächlich erbrachten Leistung versehen werden. Dies verhindert Rückfragen der Erstattungsstellen und beschleunigt den Auszahlungsprozess.

Dokumentation: Bestimmung von Citrat im angesäuerten 24-h-Sammelurin mittels Photometrie bei V. a. hyperkalziurische Nephrolithiasis. Messwert: 1,1 mmol/24h (Referenzbereich: > 1,68 mmol/24h).

Tipp: Vermerken Sie bei der Bestimmung im Sammelurin stets das Gesamtvolumen des Urins in der Dokumentation, da dieses für die Berechnung der absoluten Ausscheidungsmenge zwingend erforderlich ist.

GOÄ 3776: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M ist die Steigerung der GOÄ 3776 über den Regelhöchstsatz von 1,15-fach hinaus bis zum Höchstsatz von 1,3-fach nur in begründeten Einzelfällen möglich. Ein erhöhter Aufwand kann beispielsweise durch eine starke Trübung oder Lipämie der Probe begründet sein, die eine aufwendige Vorbehandlung oder zusätzliche Verdünnungsschritte im Labor notwendig macht.

Typische Ziffernkombinationen

In der urologischen Diagnostik wird die Citrat-Bestimmung im Urin häufig mit der Bestimmung von Kalzium (Nr. 3562) oder Oxalat kombiniert, um das individuelle Steinrisiko umfassend zu bewerten. Im Rahmen der Ejakulatanalyse wird die Ziffer 3776 oft neben der Zink-Bestimmung (analog Nr. 3776) oder der Bestimmung der neutralen alpha-Glukosidase (ebenfalls analog Nr. 3776) abgerechnet, um ein vollständiges Bild der Funktion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen zu erhalten.

Ziffer 3776 in der neuen GOÄ

An die Stelle der alten Ziffer 3776 (Citrat, photometrisch) treten in der neuen GOÄ 4 spezifische Leistungen (bisher beim 2,3-fachen Satz: 20,11 €). Welche zutrifft, hängt von Analyt und Methode ab:

  • 12925 Citrat Ejakulat, Urin (18,35 €) – bei: Citrat in Urin oder Ejakulat
  • 12906 Zink, photometrisch Serum oder Plasma, Urin (z.B. 24-Std.-Urin), Ejakulat (11,61 €) – bei: Zink im Seminalplasma, photometrisch
  • 12863 Iod Abklärung Iodkontamination (24,46 €) – bei: Jod im Urin
  • 12900 Carnitin, freies und/oder gesamt Abklärung Mangelzustände (z.B. Azoospermie) (32,82 €) – bei: freies und/oder Gesamt-Carnitin in Serum, Plasma, Ejakulat, Biopsiematerial oder Urin

Die Bandbreite reicht von 11,61 € bis 32,82 € — die Dokumentation des Analyten entscheidet.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3776

Die Bestimmung von Citrat nach GOÄ-Ziffer 3776 kostet im einfachen Gebührensatz 17,49 Euro. Bei Anwendung des Regelhöchstsatzes von 1,15-fach beträgt die Gebühr 20,11 Euro. Der maximale Höchstsatz von 1,3-fach liegt bei 22,74 Euro.
Die Leistung ist absolut indiziert bei Patienten mit rezidivierenden Nierensteinen im Rahmen der Steinmetaphylaxe. Zudem ist sie gelegentlich zur Abklärung einer männlichen Infertilität im Seminalplasma indiziert.
Die Ziffer 3776 ist nicht neben der GC-MS-Gebühr nach Nummer 3783 berechnungsfähig, wenn die Bestimmung im Rahmen einer gemeinsamen Analyse organischer Säuren erfolgt. Zudem ist sie nicht für die direkte Steinanalyse anwendbar.
Ja, die GOÄ 3776 dient als Referenz für wichtige analoge Bewertungen im Seminalplasma. Dazu gehören die photometrische Bestimmung von Zink sowie der neutralen alpha-Glukosidase.
Für die Diagnostik wird bevorzugt angesäuerter 24-Stunden-Sammelurin oder frisch gewonnenes Seminalplasma verwendet. Eine Bestimmung von Citrat im Blutserum ist medizinisch nicht indiziert und wird von privaten Krankenversicherungen regelmäßig gestrichen.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich