GOÄ 3783: Organisches Säurenprofil richtig abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3783
Organisches Säurenprofil , Gaschromatographie oder Gaschromatographie-Massenspektrometrie
Punktzahl 570  
Einfachsatz 33,22 € 1,0x
Regelhöchstsatz 38,20 € 1,1x
Höchstsatz 43,19 € 1,3x
Ausschlüsse

Wie wird das organische Säurenprofil nach GOÄ 3783 korrekt abgerechnet? Erfahren Sie alles zu Indikationen, Fallbeispielen und dem Ausschluss von Ziffer 4079.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3783

GOÄ Ziffer 3783: Organisches Säurenprofil, Gaschromatographie oder Gaschromatographie-Massenspektrometrie – 570 Punkte.

Die Leistungsbeschreibung umfasst die Erstellung eines umfassenden organischen Säurenprofils. Hierbei kommen hochspezialisierte physikalisch-chemische Trennverfahren wie die Gaschromatographie (GC) oder die Kopplung mit der Massenspektrometrie (GC-MS) zum Einsatz. Diese Methoden ermöglichen es, komplexe Substanzgemische präzise aufzutrennen und zu analysieren.

Im Rahmen dieser Laborleistung wird kein einzelner Einzelwert bestimmt, sondern ein ganzes Profil abgebildet. In der Regel umfasst dieses Profil den simultanen Nachweis von mehr als 30 verschiedenen organischen Säuren. Damit dient die Ziffer der umfassenden Abklärung von Stoffwechselwegen in einem einzigen Analysengang.

GOÄ 3783 in der Praxis: Diagnostik von Stoffwechselstörungen

Die Bestimmung des organischen Säurenprofils erfolgt primär aus dem Urin des Patienten, seltener aus dem Serum oder Plasma. Organische Säuren sind im gesunden Organismus flüchtige Zwischenprodukte, die im Normalfall kaum nachweisbar sind. Bei einer angeborenen Stoffwechselstörung kommt es jedoch zu einem charakteristischen Substratstau.

Die klinische Indikation für diese aufwendige Untersuchung ist bereits bei dem geringsten Verdacht auf einen angeborenen Stoffwechseldefekt gegeben. Typische Krankheitsbilder sind beispielsweise die Ahornsirup-Krankheit, Methylmalonazidämien, Alkaptonurie oder Defekte der Fettsäureoxidation. Durch das spezifische Ausscheidungsmuster im Chromatogramm lässt sich die zugrundeliegende Störung meist exakt identifizieren.

Tipp: Da die Probenvorbereitung und die Durchführung mittels GC-MS extrem aufwendig sind, sollte bei der Anforderung im Labor stets auf eine ausreichende Probenmenge und korrekte Präanalytik geachtet werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3783

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Alkaptonurie bei einem Kleinkind

Ein zweijähriges Kind zeigt eine auffällige Dunkelfärbung des Urins nach längerem Stehenlassen. Zum Ausschluss einer Alkaptonurie veranlasst der behandelnde Arzt ein organisches Säurenprofil aus dem Spontanurin. Die Analyse erfolgt mittels GC-MS im Speziallabor. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3783 mit dem Regelsatz (1,15-fach), da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen.

Fallbeispiel 2: Akute metabolische Krise bei Neugeborenen

Ein Neugeborenes zeigt lethargisches Verhalten, Erbrechen und eine schwere metabolische Azidose unklarer Genese. Es besteht der dringende Verdacht auf eine Propionazidämie. Das Labor führt eine Notfall-GC-MS-Analyse des Urins durch. Aufgrund des extremen Zeitdrucks und der aufwendigen Sonderkalibrierung rechnet das Labor die GOÄ 3783 mit dem Höchstsatz (1,3-fach) ab.

Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei bekannter Methylmalonazidurie

Bei einem Patienten mit bekannter Methylmalonazidurie soll die Wirksamkeit einer Diättherapie überprüft werden. Hierzu wird das organische Säurenprofil im Urin quantitativ bestimmt. Die Abrechnung erfolgt regulär über die Ziffer 3783 zum 1,15-fachen Satz, da es sich um eine routinemäßige Verlaufskontrolle handelt.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3783: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3783 betrifft die unzulässige Kombination mit Zuschlagsziffern. Da die Leistungsbeschreibung der Ziffer 3783 die Gaschromatographie-Massenspektrometrie (GC-MS) bereits explizit als methodische Option enthält, ist der allgemeine Massenspektrometrie-Zuschlag nach Ziffer 4079 GOÄ ausgeschlossen. Private Krankenversicherungen kürzen diesen Zuschlag konsequent.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Abrechnung von Einzelsäuren. Die Ziffer 3783 darf nicht herangezogen werden, wenn lediglich eine einzelne, isolierte organische Säure bestimmt wurde. Für die Abrechnung ist zwingend ein simultanes Profil von mehreren Säuren (in der Regel über 30 Analyte) erforderlich, welches den gesamten Stoffwechselweg abbildet.

Achtung: Die Nebeneinanderberechnung der Ziffer 3783 und der Zuschlagsziffer 4079 führt bei Rechnungsprüfungen unweigerlich zur Beanstandung und Streichung des Zuschlags.

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Dokumentation der GOÄ 3783: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarverluste bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu vermeiden. In der Patientenakte muss die klinische Indikation (z. B. Verdacht auf eine spezifische Organoazidopathie) klar dokumentiert sein. Auch die verwendete Methode (GC oder GC-MS) sowie das gewonnene Probenmaterial müssen eindeutig festgehalten werden.

Zusätzlich sollte das vollständige Chromatogramm oder Spektrogramm als Befundbericht in der Akte hinterlegt werden. Aus diesem muss ersichtlich sein, dass ein echtes Profil und keine Einzelwertbestimmung durchgeführt wurde.

Dokumentation: Verdacht auf Ahornsirup-Krankheit bei rezidivierendem Erbrechen und Ketose. Gewinnung von 10 ml Spontanurin. Durchführung eines organischen Säurenprofils mittels GC-MS (GOÄ 3783). Befundbericht mit Chromatogramm liegt vor.

GOÄ 3783: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Im Laborbereich (Abschnitt M) ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz, der maximale Höchstsatz bei dem 1,3-fachen Satz. Eine Überschreitung des Schwellenwertes auf bis zu 1,3-fach erfordert eine schriftliche Begründung auf der Rechnung. Typische Begründungen sind ein extrem hoher präanalytischer Aufwand bei stark verunreinigten Proben oder eine medizinisch indizierte Eilanalytik im Notfall.

Typische Ziffernkombinationen

Die Ziffer 3783 wird häufig im Rahmen einer umfassenden metabolischen Abklärung mit anderen labordiagnostischen Leistungen kombiniert. Zulässig ist beispielsweise die gleichzeitige Bestimmung von Aminosäuren im Plasma (z. B. nach Ziffer 3780). Wichtig bleibt jedoch, dass methodische Überschneidungen vermieden werden und keine unzulässigen Zuschläge wie die Ziffer 4079 auf der Liquidation erscheinen.

Ziffer 3783 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3783 (Organisches Säurenprofil, Gaschromatographie oder Gaschromatographie-Massenspektrometrie) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12940: Organische Säuren-Differenzierung, je Untersuchung (Spektrum) Abklärung angeborene Stoffwechselstörung. Der Festpreis liegt bei 63,32 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 38,20 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3783

Die GOÄ-Ziffer 3783 kostet im einfachen Satz 33,22 € und im 1,15-fachen Regelhöchstsatz 38,20 €. Bei Ausschöpfung des Höchstsatzes (1,3-fach) beträgt die Gebühr 43,19 €. Höhere Sätze sind im Laborbereich der GOÄ grundsätzlich ausgeschlossen.
Nein, der Massenspektrometrie-Zuschlag nach GOÄ 4079 darf nicht neben der Ziffer 3783 abgerechnet werden. Die Leistungsbeschreibung der Ziffer 3783 enthält die Gaschromatographie-Massenspektrometrie bereits als methodischen Bestandteil. Ein zusätzlicher Zuschlag ist daher explizit ausgeschlossen.
Die Bestimmung ist indiziert, wenn der klinische Verdacht auf eine angeborene Stoffwechselstörung wie eine Organoazidopathie vorliegt. Typische Beispiele sind die Ahornsirup-Krankheit oder Methylmalonazidurien. Die Untersuchung dient der Abklärung unklarer metabolischer Krisen.
Nein, die GOÄ 3783 kann nicht für die Bestimmung einer einzelnen organischen Säure herangezogen werden. Die Ziffer setzt die Erstellung eines Profils voraus, das üblicherweise den simultanen Nachweis von mehr als 30 verschiedenen Säuren umfasst. Für Einzelbestimmungen müssen andere Ziffern gewählt werden.
Für das organische Säurenprofil nach GOÄ 3783 wird in der Regel Spontanurin oder Morgenurin des Patienten verwendet. In selteneren klinischen Fällen kann die Analyse auch aus dem Serum oder Plasma erfolgen. Das Probenmaterial muss für die aufwendige GC-MS-Präanalytik geeignet sein.
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