GOÄ A3777: Gallensäuren abrechnen – Tipps für die Praxis

4 Min. Lesezeit
GOÄ A3777
Gallensäuren, enzymatisch
Punktzahl 290  
Einfachsatz 16,90 € 1,0x
Regelhöchstsatz 19,43 € 1,1x
Höchstsatz 21,97 € 1,3x

Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer A3777 (Gallensäuren, enzymatisch) für Arztpraxen und Labore mit Beispielen und Tipps.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A3777

A3777: Gallensäuren, enzymatisch (analog 3777)

Die Ziffer A3777 beschreibt die enzymatische Bestimmung der Gallensäuren im Serum. Da es sich um eine Analogbewertung handelt, wird hierbei auf die Ziffer 3777 des Gebührenverzeichnisses referenziert. Diese Leistung umfasst alle labortechnischen Schritte zur quantitativen Analyse der Gallensäurenkonzentration.

Die Bestimmung dient als hochsensitiver Parameter zur Beurteilung der hepatobiliären Funktion. Die Ziffer ist dem Abschnitt M III (Speziallabor) der GOÄ zugeordnet. Daher gelten für die Abrechnung die spezifischen Bestimmungen für Laborleistungen dieses Abschnitts.

GOÄ A3777 in der Praxis: Diagnostik von Cholestase und Leberfunktionsstörungen

In der täglichen Praxis ist die Bestimmung der Gallensäuren ein unverzichtbares Werkzeug bei der Abklärung von cholestatischen Lebererkrankungen. Ein besonders kritisches Einsatzgebiet ist der Verdacht auf eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP). Diese Erkrankung erfordert aufgrund der potenziellen Gefährdung des Fötus eine schnelle und präzise Diagnostik.

Darüber hinaus eignet sich der Parameter zur Verlaufskontrolle bei chronischen Lebererkrankungen wie der primär biliären Cholangitis. Auch bei der Überwachung einer Therapie mit Ursodeoxycholsäure liefert der Wert wichtige klinische Hinweise. Die Abgrenzung zu Standard-Leberwerten wie GOT oder GPT ist wichtig, da Gallensäuren die exkretorische Funktion der Leber direkter widerspiegeln.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A3777

Fallbeispiel 1: Verdacht auf intrahepatische Schwangerschaftscholestase

Eine schwangere Patientin in der 32. Schwangerschaftswoche stellt sich mit starkem, primär palmoplantarem Pruritus ohne Hautausschlag vor. Zur Abklärung einer Schwangerschaftscholestase wird eine Blutentnahme durchgeführt. Die Bestimmung der Gallensäuren erfolgt enzymatisch im Labor. Die Abrechnung erfolgt korrekt mit der Ziffer A3777 zum Regelhöchstsatz.

Fallbeispiel 2: Verlaufskontrolle bei chronischer Cholestase

Bei einem Patienten mit bekannter primär biliären Cholangitis steht die vierteljährliche Kontrolluntersuchung an. Neben den Cholestaseenzymen wird die Konzentration der Gesamtgallensäuren im Serum bestimmt. Dies dient der Überprüfung der therapeutischen Wirksamkeit der Medikation. Die Abrechnung der Ziffer A3777 erfolgt neben den Ziffern für die Enzymbestimmungen.

Fallbeispiel 3: Abklärung unklarer Leberwerterhöhungen

Ein Patient zeigt bei einer Routineuntersuchung leicht erhöhte Transaminasen ohne wegweisende Symptomatik. Zur weiteren Differenzierung und zum Ausschluss einer subklinischen Cholestase veranlasst die Praxis die Bestimmung der Gallensäuren. Die Indikation ist medizinisch begründet, weshalb die Ziffer A3777 erfolgreich abgerechnet werden kann.

Häufige Fehler bei der GOÄ A3777: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der Ziffer A3777 ist die Verwendung eines falschen Steigerungssatzes. Da es sich um eine Leistung des Speziallabors handelt, liegt der Regelhöchstsatz bei 1,15-fach und der Höchstsatz bei 1,3-fach. Eine Abrechnung mit dem Faktor 2,3-fach, wie er für ärztliche Leistungen üblich ist, führt unweigerlich zur Beanstandung.

Zudem wird oft vergessen, das Kennzeichen "A" für die Analogabrechnung auf der Rechnung anzugeben. Ohne dieses Präfix ist die Rechnung formal fehlerhaft. Auch die Doppelabrechnung bei der Einsendung von Proben an externe Laborgemeinschaften muss strikt vermieden werden.

Achtung: Die Abrechnung von Laborleistungen des Abschnitts M ist streng an die Einhaltung der Höchstsätze gebunden. Eine Überschreitung des 1,3-fachen Satzes ist auch mit ausführlicher Begründung rechtlich nicht zulässig.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ A3777: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen durch private Krankenversicherungen. In der Patientenakte müssen die klinische Symptomatik und die Indikation für die Laboruntersuchung klar festgehalten werden. Insbesondere bei Schwangeren sollte der Pruritus detailliert beschrieben sein.

Auch der Laborbefund selbst muss mit Maßeinheit und Referenzbereich in der Akte hinterlegt werden. Bei einer eventuellen Steigerung des Gebührensatzes ist die spezifische Begründung direkt in der Dokumentation vorzubereiten.

Dokumentation: Schwangerschaftswoche 31+4, Patientin klagt über quälenden Pruritus an Handflächen und Fußsohlen. Blutentnahme zur enzymatischen Bestimmung der Gallensäuren durchgeführt. Befund: Gallensäuren im Serum erhöht bei 18 µmol/l. V.a. intrahepatische Schwangerschaftscholestase bestätigt.

GOÄ A3777: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Steigerung der Ziffer A3777 über den Schwellenwert von 1,15-fach bis zum Höchstsatz von 1,3-fach erfordert eine medizinische Begründung. Typische Gründe sind technische Schwierigkeiten bei der Probenaufbereitung, beispielsweise durch stark lipämischem oder hämolytisches Serum. Auch eine extrem dringliche Notfallbestimmung außerhalb der regulären Laborzeiten kann eine Steigerung rechtfertigen.

Typische Ziffernkombinationen

Die Bestimmung der Gallensäuren wird selten isoliert durchgeführt. Sinnvolle Kombinationen umfassen weitere Parameter des Leberprofils wie die alkalische Phosphatase (Ziffer 3585) und die Gamma-GT (Ziffer 3583). Auch die Bestimmung des Bilirubins (Ziffer 3584) ist in diesem Kontext häufig medizinisch sinnvoll und problemlos nebeneinander abrechenbar.

Tipp: Es ist bei der Kombination von Laborwerten darauf zu achten, dass alle Parameter die Kriterien der medizinischen Notwendigkeit erfüllen, um Nachfragen der Kostenträger zu vermeiden.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A3777

Die GOÄ-Ziffer A3777 steht für die enzymatische Bestimmung der Gallensäuren im Serum. Diese Leistung wird analog zur Ziffer 3777 berechnet und kommt häufig bei der Diagnostik von Lebererkrankungen zum Einsatz. Sie ist mit 290 Punkten bewertet.
Der Einfachsatz der GOÄ A3777 beträgt 16,90 Euro. Bei Anwendung des üblichen Regelhöchstsatzes von 1,15-fach ergibt sich ein Betrag von 19,43 Euro. Der maximale Höchstsatz von 1,3-fach liegt bei 21,97 Euro.
Die Untersuchung ist besonders bei Verdacht auf eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ICP) medizinisch notwendig. Auch zur Abklärung unklarer Leberfunktionsstörungen oder bei chronischen Cholestasen wird sie regelmäßig durchgeführt. Sie dient als sensitiver Marker für den hepatobiliären Transport.
Ja, eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist bei Vorliegen besonderer Erschwernisse zulässig. Dies muss auf der Rechnung nachvollziehbar begründet werden, beispielsweise durch eine aufwendige Probenvorbereitung bei stark lipämischem Serum. Höhere Sätze als der 1,3-fache Satz sind für diese Laborleistung ausgeschlossen.
Es gibt keine spezifischen Ausschlussziffern im selben Untersuchungsgang, solange die medizinische Notwendigkeit gegeben ist. Allgemeine labormedizinische Ausschlussregeln der GOÄ-Abschnitte M I bis M IV müssen jedoch beachtet werden. Insbesondere dürfen identische Bestimmungen aus derselben Probe nicht mehrfach berechnet werden.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich