Die Abrechnung der Fadenoperation nach Cüppers über die Analogziffer GOÄ A7025 wirft oft Fragen auf. Dieser Leitfaden bietet Klarheit zu Fallstricken und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer A7025
Korrektur dynamischer Schielwinkelveränderungen mittels retroäquatorischer Myopexie (sog. Fadenoperation nach Cüppers) an einem geraden Augenmuskel - analog Nr. 1376
Die GOÄ-Ziffer A7025 beschreibt eine hochspezialisierte ophthalmologische Operationsmethode zur Behandlung bestimmter Schielformen. Da diese Methode im ursprünglichen Gebührenverzeichnis von 1996 nicht eigenständig abgebildet war, erfolgte im Jahr 2002 eine offizielle Analogbewertung durch den Zentralen Konsultationsausschuss für Gebührenordnungsfragen bei der Bundesärztekammer. Als Referenz dient hierbei die Ziffer 1376, welche mit einer Punktzahl von 1480 bewertet ist.
Die Leistung umfasst die operative Fixation eines geraden Augenmuskels hinter seinem physiologischen Insertionsansatz an der Sklera. Ziel dieser sogenannten Fadenoperation nach Cüppers ist es, die Hebelwirkung des Muskels in seiner Hauptblickrichtung gezielt zu schwächen, ohne die Primärstellung des Auges wesentlich zu beeinflussen. Diese präzise mechanische Veränderung erfordert eine fundierte chirurgische Expertise und eine exakte präoperative Diagnostik.
GOÄ A7025 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung
Die klinische Anwendung der GOÄ-Ziffer A7025 konzentriert sich auf Patientenszenarien mit komplexen Schielformen, bei denen ein statischer Eingriff unzureichende Ergebnisse verspricht. Typische Indikationen sind das Nystagmusblockierungssyndrom sowie ein ausgeprägter Konvergenzexzess. Auch bei einem dissoziierten Höhenschielen oder wechselnden Schielwinkeln in verschiedenen Blickrichtungen kommt diese Methode regelmäßig zum Einsatz.
Im Praxisalltag ist eine klare Abgrenzung zu einfachen Schieloperationen essenziell. Während eine reine Rücklagerung oder Resektion primär den statischen Schielwinkel korrigiert, zielt die retroäquatorische Myopexie spezifisch auf die Dynamik der Augenbewegung ab. Die Abrechnung der Ziffer A7025 ist daher nur dann gerechtfertigt, wenn die Fixationsnähte tatsächlich retroäquatorisch, also hinter dem Äquator des Augapfels, platziert werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ A7025
Fallbeispiel 1: Einseitige Fadenoperation bei Konvergenzexzess
Ein Patient stellt sich mit einem ausgeprägten, dynamischen Innenschielen bei Naheinstellung vor. Nach erfolgloser konservativer Therapie erfolgt die Indikation zur Fadenoperation nach Cüppers am Musculus rectus medialis des rechten Auges. Der Eingriff wird komplikationslos durchgeführt und die Fixationsnaht exakt 14 Millimeter hinter dem Muskelansatz platziert. Abgerechnet wird die Ziffer A7025 analog zum 2,3-fachen Regelhöchstsatz mit 198,42 € unter Angabe des operierten Auges.
Fallbeispiel 2: Beidseitige Myopexie bei Nystagmusblockierung
Bei einem Kind mit Nystagmusblockierungssyndrom zeigt sich eine deutliche Zunahme des Schielwinkels bei Fixation. Zur Beruhigung des Nystagmus wird eine bilaterale retroäquatorische Myopexie an beiden inneren geraden Augenmuskeln durchgeführt. Da es sich um zwei getrennte operative Eingriffe an unterschiedlichen Muskeln handelt, ist der zweifache Ansatz der GOÄ A7025 zulässig. Die Liquidation weist die Ziffer zweimal auf, jeweils spezifiziert für das rechte und das linke Auge.
Fallbeispiel 3: Kombinierte Schieloperation bei komplexem Strabismus
Ein erwachsener Patient leidet unter einer kombinierten Schielform mit statischer und dynamischer Komponente. Im Rahmen einer Operation wird am selben Muskel sowohl eine Rücklagerung als auch eine zusätzliche Fadenoperation durchgeführt. Da diese Kombination die chirurgische Komplexität erheblich steigert, wird die GOÄ A7025 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5 liquidiert. Die Begründung verweist explizit auf den erhöhten zeitlichen und technischen Aufwand der kombinierten Prozedur.
Häufige Fehler bei der GOÄ A7025: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ A7025 liegt im Fehlen des obligatorischen Zusatzes "analog". Da es sich um eine Analogziffer handelt, verlangen private Krankenversicherungen und Beihilfestellen die exakte Nennung der Referenzziffer 1376 sowie die Kennzeichnung als Analogabrechnung. Fehlt dieser Hinweis auf der Liquidation, kann dies zur formalen Zurückweisung der gesamten Rechnung führen.
Zudem beanstanden Prüfstellen regelmäßig die unzulässige Nebeneinanderberechnung von einfachen Muskeloperationen am selben Muskel ohne entsprechende Dokumentation eines Mehraufwands. Eine Doppelabrechnung von Ziffern mit ähnlichem Leistungsinhalt für denselben operativen Schritt ist strikt zu vermeiden. Nur bei klar getrennten Indikationen und Operationsschritten ist eine Kombination statthaft.
Achtung: Die bloße Durchführung einer Muskelrücklagerung ohne die spezifische retroäquatorische Fixation nach Cüppers darf niemals unter der Ziffer A7025 abgerechnet werden. Dies wird von Kostenträgern bei einer nachträglichen OP-Berichtsprüfung als Falschabrechnung gewertet.
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Dokumentation der GOÄ A7025: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wirksamste Mittel, um Honorarkürzungen und Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden. Im Operationsbericht müssen alle Schritte der retroäquatorischen Myopexie detailliert beschrieben werden. Insbesondere die genaue Millimeterangabe der Nahtplatzierung hinter dem physiologischen Muskelansatz ist für die Plausibilität der Abrechnung entscheidend.
Zusätzlich sollten die präoperativen Messergebnisse der Schielwinkel, insbesondere die Differenz zwischen Fern- und Nahschielen, dokumentiert sein. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit des dynamischen Eingriffs. Auch das verwendete Nahtmaterial und die Art der Sklerafixation gehören zwingend in den Bericht.
Dokumentation: Freilegung des M. rectus medialis am rechten Auge. Ausmessen der Fixationsstelle 13 mm posterior des anatomischen Ansatzes. Einbringen von zwei nicht-resorbierbaren Sklerafäden zur retroäquatorischen Myopexie nach Cüppers. Kontrolle der Bulbusintegrität und des Muskelverlaufs.
GOÄ A7025: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Anwendung eines erhöhten Steigerungssatzes bis zum 3,5-fachen Satz ist bei der GOÄ A7025 bei Vorliegen besonderer Erschwernisse möglich. Typische Begründungen sind ausgeprägte narbige Veränderungen nach Schieloperationen in der Vorgeschichte oder eine extrem dünne Sklera, die ein besonders vorsichtiges Vorgehen erfordert. Auch eine starke Blutungstendenz oder anatomische Varianten des Muskelverlaufs rechtfertigen eine Schwellenwertüberschreitung.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Leistung können begleitende Ziffern wie die ophthalmologische Grunduntersuchung oder spezielle strabologische Abklärungen abgerechnet werden. Bei ambulanten Eingriffen in der eigenen Praxis ist zudem der Ansatz von entsprechenden Ambulanzzuschlägen zu prüfen. Eine Kombination mit Anästhesieleistungen ist ebenfalls üblich, sofern diese vom Operateur selbst erbracht oder überwacht werden.
Tipp: Die detaillierte Dokumentation konkreter zeitlicher Verzögerungen und anatomischer Besonderheiten direkt im OP-Bericht minimiert Rückfragen der PKV im Vorfeld.
Ziffer A7025 in der neuen GOÄ
Die Korrektur dynamischer Schielwinkelveränderungen mittels retroäquatorialer Myopexie nach Faden-Operation findet ihren Nachfolger in der neuen Nummer 10324 — „Operative Hebelarmverkürzung an einem geraden Augenmuskel mittels retroäquatorialer Myopexie (Faden-Operation)" — mit 386,53 € je geradem Augenmuskel (erster Muskel).
Das Operationskonzept ist identisch. Bei mehreren operierten Muskeln gilt die Ziffer je geradem Muskel. Der alte 2,3-fache Satz lag bei 198,42 €; die neue Ziffer liegt erheblich darüber.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer A7025
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