GOÄ 1749: Priapismus-Anastomose korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 1749
Anlage einer einseitigen Gefäßanastomose bei Priapismus
Punktzahl 2500  
Einfachsatz 145,72 € 1,0x
Regelhöchstsatz 335,16 € 2,3x
Höchstsatz 510,02 € 3,5x
Ausschlüsse

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 1749: Erfahren Sie alles über die korrekte Abrechnung der einseitigen Gefäßanastomose bei Priapismus, Fallbeispiele und Ausschlüsse.

1. Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1749

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die Ziffer 1749 wie folgt:

Anlage einer einseitigen Gefäßanastomose bei Priapismus (2500 Punkte)

Diese urologische Operation dient der Entlastung des Schwellkörpers bei einem persistierenden, ischämischen Priapismus. Die Leistung umfasst die operative Freilegung der Gefäße, die Präparation sowie die mikrochirurgische oder makroskopische Anlage der Anastomose zur Wiederherstellung des venösen Abflusses. Alle typischen intraoperativen Schritte wie die lokale Blutstillung und der primäre Wundverschluss sind mit dieser Ziffer abgegolten.

2. GOÄ 1749 in der Praxis: Indikation und operative Verfahren

Der ischämische Priapismus stellt einen echten urologischen Notfall dar, der unbehandelt zu irreversiblen erektilen Dysfunktionen führt. Wenn konservative Maßnahmen wie die Schwellkörperpunktion oder die Instillation von Alpha-Rezeptor-Agonisten versagen, ist die operative Shunt-Anlage indiziert. Das primäre Ziel des Eingriffs ist es, einen künstlichen Abflussweg für das gestaute, sauerstoffarme Blut aus den Corpora cavernosa zu schaffen.

Klinisch etabliert ist in diesem Zusammenhang beispielsweise der sapheno-kavernöse Shunt nach Grayhack. Hierbei wird die Vena saphena magna freigelegt und mit dem Schwellkörper anastomosiert. Die Abrechnung der GOÄ 1749 setzt voraus, dass dieser Shunt einseitig angelegt wird. Bei beidseitiger Durchführung verweist die GOÄ auf eine eigenständige, höher bewertete Gebührenziffer.

3. Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1749

Fallbeispiel 1: Erfolgreicher Grayhack-Shunt bei therapierefraktärem Priapismus

Ein Patient stellt sich mit einem seit sechs Stunden anhaltenden, schmerzhaften Priapismus vor. Nach erfolgloser medikamentöser Therapie und Punktion erfolgt die operative Anlage eines einseitigen sapheno-kavernösen Shunts nach Grayhack. Der Eingriff führt zur sofortigen Detumeszenz. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 1749 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.

Fallbeispiel 2: Notfallintervention in der Nacht mit erhöhtem Faktor

Die operative Shunt-Anlage muss aufgrund der fortgeschrittenen Ischämiezeit nachts um 03:00 Uhr durchgeführt werden. Aufgrund der schwierigen Präparationsverhältnisse bei stark ödematösem Gewebe verzögert sich der Eingriff erheblich. Der Arzt rechnet die GOÄ 1749 mit dem Steigerungsfaktor 3,5 ab. Zusätzlich werden die entsprechenden Unzeit-Zuschläge (z. B. Zuschlag G für Nachtarbeit) in Ansatz gebracht.

Fallbeispiel 3: Umstieg von Punktion auf offene Shunt-Operation

In einer Sitzung wird zunächst versucht, den Priapismus mittels einer Punktion nach Winter (GOÄ 1751) zu entlasten. Da diese Maßnahme keinen dauerhaften Erfolg bringt, entschließt sich der Operateur zur offenen Anlage einer einseitigen Gefäßanastomose. Im Sinne des Zielleistungsprinzips wird für diese Sitzung nur die höherwertige operative Leistung nach GOÄ 1749 berechnet.

Tipp: Sollten in einer Sitzung mehrere OP-Verfahren nacheinander an derselben Lokalisation durchgeführt werden müssen, ist stets die höher bewertete Zielleistung abzurechnen. Dokumentieren Sie den Misserfolg des Ersteingriffs dennoch detailliert im OP-Bericht.

4. Häufige Fehler bei der GOÄ 1749: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der urologischen Abrechnung ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von Ziffer 1749 und Ziffer 1750. Die Ziffer 1750 beschreibt die beidseitige Gefäßanastomose und schließt die Ziffer 1749 explizit aus. Private Krankenversicherungen kürzen Rechnungen umgehend, wenn beide Ziffern für dieselbe Sitzung nebeneinander auftauchen.

Ebenfalls kritisch geprüft wird die Kombination mit der Ziffer 1751 (Punktionen/Stanzungen). Da die Punktion oft der operative Vorläufer der Anastomose ist, gilt sie bei direktem Übergang in die offene Operation als Zielleistungsteil und ist nicht separat berechenbar. Nur wenn die Eingriffe zeitlich getrennt an unterschiedlichen Tagen stattfinden, ist eine getrennte Abrechnung statthaft.

Achtung: Achten Sie darauf, bei einer beidseitigen Anastomose nicht die Ziffer 1749 mit einem erhöhten Faktor oder zweifach anzusetzen. Hierfür existiert mit der GOÄ 1750 eine eigene, spezifische Gebührennummer.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

5. Dokumentation der GOÄ 1749: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen durch private Kostenträger. Im OP-Bericht müssen die Ischämiezeit des Penis, die Indikation (Versagen konservativer Therapieversuche) und der genaue operative Zugangsweg detailliert beschrieben werden. Auch die Darstellung der Anastomosentechnik (z. B. fortlaufende Gefäßnaht) gehört zwingend in den Bericht.

Zusätzlich sollte der postoperative Erfolg, also der einsetzende venöse Abfluss und die beginnende Detumeszenz des Schwellkörpers, explizit erwähnt werden. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit und den Erfolg der rekonstruktiven Maßnahme.

Dokumentationsbeispiel: Diagnose: Ischämischer Priapismus (Dauer > 5 Std.), therapierefraktär nach Schwellkörperaspiration. Indikation zur offenen Shunt-Anlage gegeben. Freilegung der linken V. saphena magna. End-zu-Seit-Anastomose mit dem linken Corpus cavernosum mittels Prolene 6-0. Nach Freigabe des Shunts prompte Detumeszenz und suffizienter venöser Abfluss.

6. GOÄ 1749: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz erfordert eine patientenindividuelle Begründung. Typische Begründungen bei der GOÄ 1749 sind eine extrem lange Ischämiezeit mit konsekutiver Gewebevulnerabilität, erhebliche anatomische Varianten der Gefäße oder ein starker intraoperativer Blutverlust. Auch ein erhöhtes Thromboserisiko, das eine intraoperative Antikoagulation notwendig macht, rechtfertigt eine Faktorerhöhung.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der operativen Leistung nach Ziffer 1749 können begleitende Leistungen wie die Doppler-Sonographie der Penisgefäße (z. B. zur postoperativen Flusskontrolle) abgerechnet werden. Ebenso sind Anästhesieleistungen, sofern sie vom Operateur in Form einer Lokalanästhesie oder Leitungsanästhesie erbracht werden, zusätzlich berechenbar. Bei Notfalleingriffen außerhalb der Sprechzeiten dürfen die entsprechenden Notfallzuschläge nicht vergessen werden.

Ziffer 1749 in der neuen GOÄ

Die bisherige Ziffer 1749 (Anlage einer einseitigen Gefäßanastomose bei Priapismus) erhält in der neuen GOÄ die Nummer 10269 — „Operative Shunt-Anlage zur Behebung eines Priapismus" — mit einem Festpreis von 120,71 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 335,16 €). Abrechnung: 1x je Shunt-Anlage.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1749

Nein, eine Nebeneinanderberechnung dieser beiden Ziffern ist ausgeschlossen. Wenn eine beidseitige Gefäßanastomose durchgeführt wird, ist ausschließlich die höher bewertete GOÄ-Ziffer 1750 anzusetzen.
Die GOÄ 1749 beschreibt die operative Anlage einer einseitigen Gefäßanastomose wie den Grayhack-Shunt. Die GOÄ 1751 hingegen umfasst minimal-invasive Punktionen oder Stanzungen wie den Winter-Shunt.
Da der Priapismus ein urologischer Notfall ist, kommen bei nächtlicher oder feiertäglicher Durchführung die Zuschläge E bis G infrage. Diese Zuschläge sichern eine angemessene Vergütung außerhalb der regulären Arbeitszeiten.
Ein erhöhter Steigerungsfaktor bis zum 3,5-fachen Satz ist bei besonderen Schwierigkeiten zulässig. Typische Gründe sind eine fortgeschrittene Gewebeischämie, anatomische Varianten oder ein hoher Blutverlust während des Eingriffs.
Ja, eine postoperative Kontrolle des Blutflusses mittels Doppler-Sonographie ist eigenständig berechenbar. Hierfür können entsprechende sonographische Ziffern der GOÄ herangezogen werden, sofern sie medizinisch indiziert sind.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich