Die transkutane Fistelbildung nach GOÄ 1751 ist ein urologischer Notfalleingriff. Erfahren Sie alles über die korrekte Abrechnung, Fallbeispiele und Fallstricke.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1751
Transkutane Fistelbildung durch Punktionen und Stanzungen der Glans penis und Corpora cavernosa bei Priapismus (924 Punkte)
Die GOÄ-Ziffer 1751 beschreibt eine hochspezialisierte urologische Notfallmaßnahme. Ziel des Eingriffs ist es, bei einem persistierenden, ischämischen Priapismus eine künstliche Verbindung zwischen der Eichel und den Schwellkörpern herzustellen. Diese transkutane Fistelbildung ermöglicht den Abfluss des gestauten, sauerstoffarmen Blutes aus den Schwellkörpern.
Die Leistung umfasst die gesamte Durchführung der Punktion oder Stanzung, in der Regel unter Verwendung spezieller Biopsienadeln oder Trokare. Die medizinische Notwendigkeit ergibt sich meist nach dem Scheitern konservativer Therapieversuche. Die Ziffer ist im Abschnitt K (Urologie) der Gebührenordnung für Ärzte verortet.
GOÄ 1751 in der Praxis: Indikation und klinischer Ablauf
Der Priapismus stellt einen urologischen Notfall dar, der zur dauerhaften erektilen Dysfunktion führen kann, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird. Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ 1751 ist gegeben, wenn konservative Maßnahmen wie die Schwellkörperpunktion mit Aspiration und Instillation von Sympathomimetika erfolglos geblieben sind. Der glando-kavernöse Shunt, beispielsweise nach der Methode von Ebbehoj oder Winter, stellt dann die Methode der Wahl dar.
Bei diesem minimalinvasiven Verfahren wird eine Verbindung zwischen der Glans penis und den Corpora cavernosa geschaffen. Der Behandler führt hierzu eine Trokar-Biopsienadel transkutan über die Eichel in die Schwellkörper ein. Durch diese Fistelbildung wird ein neuer venöser Abflussweg etabliert, um den intrakavernösen Druck dauerhaft zu senken.Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1751
Fallbeispiel 1: Therapierefraktärer ischämischer Priapismus
Ein Patient stellt sich mit einem seit sechs Stunden anhaltenden, schmerzhaften Priapismus in der Praxis vor. Nach erfolgloser medikamentöser Instillation erfolgt die transkutane Fistelbildung mittels Winter-Nadel. Der Eingriff verläuft komplikationslos und führt zur sofortigen Detumeszenz. Abgerechnet wird die GOÄ 1751 zum Regelsatz (2,3-fach) neben den Beratungsleistungen.
Fallbeispiel 2: Erschwerte Punktion bei ausgeprägter Schwellkörperfibrose
Bei einem Patienten mit rezidivierendem Priapismus und bekannter Schwellkörperfibrose gestaltet sich die Fistelbildung anatomisch äußerst schwierig. Es sind mehrere Punktionsversuche unter sonografischer Kontrolle notwendig, um einen ausreichenden Shunt-Kanal zu etablieren. Aufgrund des erheblichen Mehraufwands rechnet der Arzt die GOÄ 1751 mit dem Höchstsatz (3,5-fach) ab und begründet dies detailliert in der Rechnung.
Fallbeispiel 3: Kombination mit sonografischer Perfusionskontrolle
Nach erfolgreicher transkutaner Fistelbildung nach Winter wird die Wiederherstellung des regulären Blutflusses mittels Duplexsonografie der Penisgefäße überprüft. Neben der GOÄ 1751 für die Fistelbildung wird die GOÄ 410 (Sonografie) sowie der Zuschlag für die Duplex-Untersuchung liquidiert. Diese Kombination ist medizinisch begründet und gebührenrechtlich zulässig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 1751: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 1751 ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung mit anderen operativen Shunt-Verfahren. Wird am selben Tag ein offener operativer Shunt (z. B. nach Al-Ghorab, analog zu GOÄ 1749) durchgeführt, ist die transkutane Fistelbildung meist als Zuarbeit oder Vorbereitung anzusehen und nicht separat berechenbar. Private Krankenversicherungen kürzen in diesen Fällen regelmäßig die Erstattung.
Zudem versuchen Praxen gelegentlich, die Punktion der linken und der rechten Schwellkörperseite als zwei getrennte Leistungen anzugeben. Da der Leistungstext der GOÄ 1751 explizit den Plural „Corpora cavernosa“ nennt, ist die beidseitige Durchführung bereits mit dem einfachen Ansatz abgegolten. Ein erhöhter Aufwand durch beidseitiges Vorgehen kann nur über den Steigerungsfaktor geltend gemacht werden.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 1751 im Doppelansatz für die linke und rechte Seite ist unzulässig. Nutzen Sie bei erhöhtem Aufwand stattdessen eine begründete Erhöhung des Steigerungsfaktors.
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Dokumentation der GOÄ 1751: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen durch private Kostenträger. In der Patientenakte muss die Dauer des Priapismus vor dem Eingriff exakt festgehalten werden. Auch die Dokumentation der zuvor erfolglos durchgeführten konservativen Therapieschritte ist zwingend erforderlich, um die Indikation der Fistelbildung zu belegen.
Der Operationsbericht sollte Angaben über das verwendete Instrumentarium (z. B. Winter-Nadel, Tru-Cut-Nadel), die Anzahl der Stanzungen sowie die Menge und Beschaffenheit des entleerten Blutes enthalten. Auch der Erfolg der Maßnahme (Detumeszenz) und die postoperative Überwachung müssen dokumentiert werden.Tipp: Dokumentieren Sie stets die genaue Uhrzeit des Behandlungsbeginns und das Scheitern der konservativen Vorbehandlung, um die medizinische Notwendigkeit der Fistelbildung lückenlos zu belegen.
Dokumentation: Diagnose: Ischämischer Priapismus seit 5 Stunden. Nach erfolgloser Aspiration und Instillation von Sympathomimetika: Lokalanästhesie (Peniswurzelblock). Transkutane Fistelbildung mittels Winter-Nadel (14G) über die Glans penis in beide Corpora cavernosa. Entleerung von ca. 50 ml dunkelrotem, viskösem Blut. Sofortige Detumeszenz eingetreten. Postoperative Überwachung unauffällig.
GOÄ 1751: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz ist bei der GOÄ 1751 gut begründbar. Typische Kriterien für eine Schwellenwertüberschreitung sind eine fortgeschrittene Gewebefibrose, ein extrem langes Bestehen des Priapismus mit stark eingedicktem Blut oder erhebliche anatomische Schwierigkeiten. Auch eine schwere Blutungsneigung des Patienten, die eine verlängerte postoperative Kompression erfordert, rechtfertigt eine Steigerung.
Typische Ziffernkombinationen
Im Rahmen der Notfallbehandlung eines Priapismus treten häufig Begleit- und Vorleistungen auf. Typische, nebeneinander berechenbare Ziffern sind die GOÄ 490 oder 491 für die Durchführung einer Infiltrationsanästhesie oder eines Peniswurzelblocks. Auch die sonografische Untersuchung der Penisschwellkörper nach GOÄ 410 ist zur Lagekontrolle und Perfusionsmessung neben der GOÄ 1751 voll erstattungsfähig.
Ziffer 1751 in der neuen GOÄ
Die bisherige Ziffer 1751 (Transkutane Fistelbildung durch Punktionen und Stanzungen der Glans penis und Corpora cavernosa bei Priapismus) erhält in der neuen GOÄ die Nummer 10269 — „Operative Shunt-Anlage zur Behebung eines Priapismus" — mit einem Festpreis von 120,71 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 123,88 €). Abrechnung: 1x je Shunt-Anlage.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1751
Was hat nicht gestimmt?