GOÄ 1752: Penis-Stützprothese korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 1752
Operative Implantation einer hydraulisch regulierbaren Penis-Stützprothese
Punktzahl 2500  
Einfachsatz 145,72 € 1,0x
Regelhöchstsatz 335,16 € 2,3x
Höchstsatz 510,02 € 3,5x

GOÄ-Ziffer 1752: Alles zur Abrechnung der hydraulischen Penis-Stützprothese. Erfahren Sie Details zu Indikationen, Steigerungsfaktoren und Analogziffern.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 1752

Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschreibt die GOÄ-Ziffer 1752 wie folgt:

Operative Implantation einer hydraulisch regulierbaren Penis-Stützprothese

Diese urologische Leistung umfasst die vollständige operative Einbringung einer mehrteiligen, hydraulisch regulierbaren Penis-Stützprothese. In der Regel besteht dieses System aus Schwellkörperzylindern, einer im Skrotum platzierten Pumpe sowie einem Flüssigkeitsreservoir. Die Ziffer deckt die präoperative Vorbereitung des Operationsgebietes, den chirurgischen Zugang, die Präparation der Schwellkörper sowie das Einpassen und Konnektieren der Systemkomponenten ab. Die Leistungsbeschreibung bezieht sich primär auf Verfahren mit einer skrotalen Implantation des Reservoirs.

GOÄ 1752 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert

Die Implantation einer hydraulischen Penisprothese stellt die Ultima Ratio bei der Behandlung der schweren, organisch bedingten erektilen Dysfunktion dar. Sie kommt in der urologischen Praxis vor allem bei Patienten zum Einsatz, die auf konservative Therapieverfahren wie PDE-5-Inhibitoren oder die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) nicht ansprechen. Häufige Ursachen sind radikale Prostatektomien, schwere vaskuläre Schädigungen bei Diabetes mellitus oder ausgeprägte Formen der Induratio penis plastica.

Aufgrund der Komplexität des Eingriffs und des hohen Infektionsrisikos erfordert die Durchführung eine präzise chirurgische Technik. Der Operateur muss die Schwellkörper exakt ausmessen, um eine postoperative Perforation oder unzureichende Stabilität zu vermeiden. Die Abrechnung der GOÄ 1752 setzt voraus, dass ein voll funktionsfähiges, hydraulisches System implantiert wird. Semirigide (biegsame) Prothesen fallen nicht unter diese Ziffer und müssen analog bewertet werden.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 1752

Fallbeispiel 1: Implantation nach radikaler Prostatektomie

Ein Patient stellt sich mit einer therapierefraktären erektilen Dysfunktion nach radikaler Prostatektomie vor. Nach erfolgloser konservativer Therapie erfolgt die Implantation einer dreiteiligen hydraulischen Penisprothese mit skrotalem Reservoir. Der Eingriff verläuft komplikationslos. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 1752 zum Regelsatz (2,3-fach) mit 335,16 €.

Fallbeispiel 2: Implantation mit intraperitonalem Reservoir

Bei einem Patienten mit ausgeprägten skrotalen Vernarbungen wird eine hydraulische Penisprothese implantiert. Das Ausgleichsreservoir muss aufgrund der anatomischen Verhältnisse intraperitoneal platziert werden. Neben der GOÄ 1752 wird für die Implantation des intraperitonealen Ausgleichsreservoirs zusätzlich die Ziffer 3135 analog berechnet. Dies ist urologisch begründet und entspricht den Abrechnungsempfehlungen.

Fallbeispiel 3: Revisionsoperation bei Prothesendefekt

Ein Patient stellt sich mit einem Flüssigkeitsverlust des hydraulischen Systems vor. Es erfolgt die Explantation der defekten Prothese und die zeitgleiche Neuimplantation eines neuen Systems. Neben der GOÄ 1752 für die Neuimplantation wird die Explantation als eigenständige operative Leistung (z. B. über eine analoge Ziffer) abgerechnet. Die Kombination beider Schritte ist aufgrund des erheblichen Mehraufwands voll berechtigungsfähig.

Häufige Fehler bei der GOÄ 1752: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 1752 ist die separate Ansetzung von operativen Teilschritten. Nach dem Zielleistungsprinzip (§ 4 Abs. 2.3 GOÄ) sind der operative Zugangsweg, die Blutstillung und der schichtweise Wundverschluss mit der Hauptziffer abgegolten. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen Rechnungen konsequent, wenn diese Schritte einzeln aufgeführt werden.

Zudem müssen urologische Praxen auf die strikte Einhaltung der Ausschlusskriterien achten. Die zeitgleiche Abrechnung von Ziffern für einfache Schwellkörperpunktionen oder diagnostische Spülungen am selben Operationstag ist in der Regel nicht zulässig. Auch die Verwechslung mit nicht-hydraulischen Prothesen führt bei Prüfungen regelmäßig zu Beanstandungen.

Achtung: Die unzulässige Doppelabrechnung von Zugangswegen (z. B. separate Ziffern für die Skrotal- oder Inguinalschnittführung) ist einer der häufigsten Gründe für Honorarkürzungen durch private Kostenträger.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 1752: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der OP-Bericht muss den gesamten Verlauf des Eingriffs detailliert widerspiegeln. Insbesondere die exakte Ausmessung der Schwellkörper, die Dilatation und die Platzierung der einzelnen Komponenten (Zylinder, Pumpe, Reservoir) müssen präzise beschrieben werden.

Auch die intraoperative Funktionsprüfung des hydraulischen Systems sollte explizit im OP-Bericht erwähnt werden. Falls Komplikationen wie starke Blutungen oder anatomische Engpässe auftreten, sind diese genau zu dokumentieren. Diese Angaben dienen als direkte Begründung für eine eventuelle Schwellenwertüberschreitung.

Dokumentation: "...Nach inguinalem Zugang und Freilegung der Corpora cavernosa erfolgt die Dilatation bis Ch. 12. Ausmessung der Schwellkörperlänge (20 cm). Einbringen der Zylinder beidseits. Platzierung der Pumpe im rechten Skrotalfach. Implantation des Reservoirs im Spatium retropubicum. Befüllung und erfolgreiche intraoperative Funktionsprüfung des hydraulischen Systems..."

GOÄ 1752: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den Regelsatz (2,3-fach) bis zum Höchstsatz (3,5-fach) ist bei der GOÄ 1752 gut begründbar, wenn der Eingriff überdurchschnittlich schwierig war. Typische Begründungen sind ausgeprägte fibrotische Veränderungen der Schwellkörper (z. B. nach Priapismus oder Zustand nach Infektionen), anatomische Anomalien oder erhebliche Verwachsungen nach urologischen Voroperationen im Beckenbereich. Auch ein hohes Patientengewicht (Adipositas permagna) kann den operativen Zugang und die Platzierung des Reservoirs signifikant erschweren.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 1752 können verschiedene urologische und chirurgische Ziffernkombinationen anfallen. Zulässig ist die Abrechnung von Anästhesieleistungen, sofern diese vom Operateur erbracht werden (in der Praxis selten, da meist ein Anästhesist hinzuzgezogen wird). Bei der Implantation eines intraperitonealen Reservoirs ist die Ziffer 3135 analog die wichtigste Ergänzungsziffer. Werden im Rahmen desselben Eingriffs zusätzliche plastische Korrekturen am Penis (z. B. bei Induratio penis plastica) durchgeführt, können diese unter Beachtung der Kombinationsregeln ebenfalls angesetzt werden.

Tipp: Verwenden Sie bei der Abrechnung eines intraperitonealen Reservoirs stets den expliziten Hinweis auf die Analogbewertung der Ziffer 3135, um Rückfragen der Erstattungsstellen von vornherein zu vermeiden.

Ziffer 1752 in der neuen GOÄ

Die bisherige Ziffer 1752 (Operative Implantation einer hydraulisch regulierbaren Penis-Stützprothese, heute 335,16 € beim 2,3-fachen Satz) verteilt sich in der neuen GOÄ auf mehrere Leistungen:

  • 10273 Geschlechtsumwandlung Frau zu Mann, mit Penisprothesenimplantation (erste Teiloperation) (746,43 €)
  • 10274 Geschlechtsumwandlung Frau zu Mann, mit Penisprothesenimplantation (zweite Teiloperation) (746,43 €)
  • 10267 Operative Implantation einer Penisprothese (497,67 €)

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 1752

Die GOÄ-Ziffer 1752 wird für die operative Implantation einer hydraulisch regulierbaren Penis-Stützprothese berechnet. Typische Indikationen sind schwere, organisch bedingte Erektionsstörungen, die auf konservative Therapien nicht ansprechen. Die Abrechnung setzt die vollständige operative Durchführung der Implantation aller Systemkomponenten voraus.
Ja, die zusätzliche Abrechnung des Reservoirs ist unter bestimmten Bedingungen möglich. Bei der Implantation eines intraperitonealen Ausgleichsreservoirs kann die Ziffer 3135 analog zusätzlich herangezogen werden. Liegt das Reservoir hingegen rein skrotal, ist diese Leistung bereits mit der GOÄ 1752 abgegolten.
Ein erhöhter Steigerungsfaktor bis zu 3,5 kann durch besondere operative Schwierigkeiten begründet werden. Typische Gründe sind ausgeprägte Gewebevernarbungen nach Voroperationen, anatomische Besonderheiten oder ein stark erhöhtes Blutungsrisiko. Diese Erschwernisse müssen im OP-Bericht detailliert dokumentiert sein.
Nein, die Entfernung einer alten Penisprothese ist eine eigenständige operative Leistung. Für die Explantation muss eine separate, sachgerechte GOÄ-Ziffer gewählt werden, wenn im selben Eingriff eine Neuimplantation erfolgt. Die GOÄ 1752 deckt ausschließlich die Implantation der neuen Prothese ab.
Neben der GOÄ 1752 dürfen operative Einzelschritte wie die Freilegung der Schwellkörper oder der chirurgische Wundverschluss nicht separat berechnet werden. Diese Leistungen sind als methodische Bestandteile der Hauptoperation nach § 4 Abs. 2.3 GOÄ abgegolten. Auch allgemeine urologische Untersuchungen am selben Tag unterliegen strengen Kombinationsbeschränkungen.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich