Die Abrechnung einer Schleimhauttransplantation nach GOÄ 2386 wirft oft Fragen auf. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Honorarverluste sicher vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2386
Schleimhauttransplantation – einschließlich operativer Unterminierung der Entnahmestelle und plastischer Deckung –
Die Ziffer 2386 beschreibt eine komplexe chirurgische Leistung aus dem Bereich der Körperoberflächenchirurgie. Sie umfasst nicht nur das eigentliche Verpflanzen des Gewebes, sondern auch alle vorbereitenden und abschließenden Schritte an der Entnahmestelle. Dazu gehören explizit die operative Unterminierung sowie die plastische Deckung des entstandenen Defekts an der Spenderstelle.
Die Ziffer ist mit 688 Punkten bewertet, was im einfachen Gebührensatz einem Honorar von 40,10 € entspricht. Da alle Teilschritte der Gewebegewinnung und -versorgung bereits im Leistungstext enthalten sind, dürfen diese nicht separat in Rechnung gestellt werden.
GOÄ 2386 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Schleimhauttransplantation nach GOÄ 2386 findet in verschiedenen operativen Fachgebieten Anwendung, insbesondere in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, der HNO-Heilkunde und der Augenheilkunde. Typische Indikationen sind die Rekonstruktion von Schleimhautdefekten nach Tumorresektionen oder schweren Traumata. Auch im Rahmen von präprothetischen Versorgungen im oralen Bereich wird diese Ziffer regelmäßig herangezogen.
Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die plastische Deckung bei ausgeprägten Gewebeverlusten im Bereich des Mundvorhofs. Hierbei dient das Transplantat dazu, eine stabile und funktionelle Gewebebarriere wiederherzustellen. Die Abgrenzung zu einfachen Schleimhautverschiebungen ist dabei essenziell, da nur die echte freie Transplantation die Ziffer 2386 rechtfertigt.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2386
Fallbeispiel 1: Deckung nach Tumorresektion
Bei einem Patienten wird ein malignes Schleimhautkarzinom im Bereich der Wange exzidiert. Der entstandene Defekt wird mittels einer freien Schleimhauttransplantation aus dem harten Gaumen gedeckt. Die Entnahmestelle wird plastisch versorgt. Abgerechnet wird die GOÄ 2386 zum Regelsatz, da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.
Fallbeispiel 2: Vestibulumplastik mit freiem Transplantat
Im Rahmen einer präprothetischen Vorbereitung erfolgt eine Vestibulumplastik unter Verwendung eines freien Schleimhauttransplantats. Die Entnahme erfolgt am Alveolarfortsatz, gefolgt von einer plastischen Deckung der Entnahmestelle. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ 2386, da die Kriterien der freien Transplantation vollständig erfüllt sind.
Fallbeispiel 3: Rekonstruktion nach Trauma
Nach einer traumatischen Verletzung der Mundschleimhaut liegt ein großflächiger Gewebeverlust vor. Es erfolgt die Transplantation von Schleimhautgewebe inklusive aufwendiger operativer Unterminierung zur Mobilisation des Wundbettes. Aufgrund des erhöhten zeitlichen Aufwands wird die GOÄ 2386 mit einem Steigerungsfaktor von 3,5 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2386: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die zusätzliche Berechnung der Entnahme oder der plastischen Deckung der Spenderstelle. Da diese Schritte laut Leistungsbeschreibung explizit Bestandteil der Ziffer 2386 sind, führt eine separate Abrechnung regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen. Das Zielleistungsprinzip der GOÄ verbietet hier eine künstliche Aufspaltung der Einzelschritte.
Zudem müssen die strikten Ausschlussziffern beachtet werden. Die GOÄ 2386 darf nicht neben den Ziffern 1319 (Plastische Deckung im Mundvorhof) sowie 1326 bis 1328 (Kieferplastiken) berechnet werden. Prüfstellen achten sehr genau auf diese Kombinationen und kürzen Rechnungen bei Verstößen konsequent.
Achtung: Die separate Abrechnung einer Wundversorgung an der Entnahmestelle neben der GOÄ 2386 ist unzulässig und führt bei einer Rechnungsprüfung sofort zur Streichung.
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Dokumentation der GOÄ 2386: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das beste Schild gegen Honorarkürzungen. Im OP-Bericht müssen sowohl die Lokalisation der Entnahmestelle als auch die des Empfängerbettes exakt beschrieben werden. Auch die Maße des Transplantats und die angewandte chirurgische Technik sollten detailliert festgehalten werden.
Besonders wichtig ist die Erwähnung der operativen Unterminierung und der plastischen Deckung der Entnahmestelle. Nur so kann im Zweifelsfall nachgewiesen werden, dass der vollständige Leistungsinhalt der Ziffer erbracht wurde. Eine unvollständige Dokumentation gefährdet bei einer Prüfung den gesamten Honoraranspruch.
Dokumentation: Freie Schleimhauttransplantation von Regio 14/15 nach Regio 34/35. Defektgröße Empfängerbett: 15x10 mm. Operative Unterminierung der Entnahmestelle und plastischer Verschluss mittels Einzelknophnähten (Sutur 5-0). Reizfreie Einpassung des Transplantats.
GOÄ 2386: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus ist bei der GOÄ 2386 gut begründbar. Typische Gründe für eine Faktorerhöhung sind stark vernarbtes Gewebe im Empfängerbett oder eine erschwerte Blutstillung. Auch eine ungewöhnliche Größe des Defekts oder anatomische Besonderheiten rechtfertigen den Ansatz des 3,5-fachen Satzes.
Typische Ziffernkombinationen
Bei ambulanter Durchführung der Operation in der Praxis kann zusätzlich der Zuschlag nach Nr. 443 berechnet werden. Dieser Zuschlag ist für ambulante operative Leistungen mit einer Punktzahl von 500 bis 799 Punkten vorgesehen. Anästhesieleistungen oder notwendige Verbandwechsel an den Folgetagen sind ebenfalls separat berechenbar, sofern sie die Kriterien der GOÄ erfüllen.
Tipp: Vergessen Sie bei der ambulanten Erbringung der GOÄ 2386 nicht den operativen Zuschlag nach Ziffer 443, um Ihr Honorar vollständig zu sichern.
Ziffer 2386 in der neuen GOÄ
Die Leistung nach Ziffer 2386 (Schleimhauttransplantation – einschließlich operativer Unterminierung der Entnahmestelle und plastischer Deckung –) wird im Entwurf je nach klinischer Situation unterschiedlich abgebildet — die Dokumentation entscheidet über die Zielziffer:
- bei: 4 — 6107 „Transplantation von Vollhaut oder Mukosa, bis zu 4 cm² (an der Entnahmestelle gemessen)" (105,06 €), 1x je Sitzung
- bei: 4 — 6107 „Transplantation von Vollhaut oder Mukosa, bis zu 4 cm² (an der Entnahmestelle gemessen)" (105,06 €), 1x je Sitzung
- bei: 4 — 6108 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 6107 für jede weiteren 4 cm² (an der Entnahmestelle gemessen)" (43,96 €), je weitere 4 cm²
Von 43,96 € bis 105,06 € reicht die Spanne — die genaue Dokumentation des Verfahrens entscheidet, welche Ziffer abgerechnet werden kann. Zum Vergleich: Beim 2,3-fachen Satz brachte die alte Ziffer 2386 bisher 92,23 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2386
Was hat nicht gestimmt?