GOÄ 2390: Abrechnung der Mesh-Graft-Transplantation

6 Min. Lesezeit
GOÄ 2390
Deckung eines überhandflächengroßen, zusammenhängenden Hautdefektes mit speziell aufbereiteten freien Hauttransplantaten
Punktzahl 1330  
Einfachsatz 77,52 € 1,0x
Regelhöchstsatz 178,30 € 2,3x
Höchstsatz 271,32 € 3,5x

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2390 erfordert Präzision bei Defektgröße und Aufbereitung. Erfahren Sie alles zu Fallbeispielen, Kombinationen und Fallstricken.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2390

Deckung eines überhandflächengroßen, zusammenhängenden Hautdefektes mit speziell aufbereiteten freien Hauttransplantaten

Die GOÄ-Ziffer 2390 beschreibt eine hochspezialisierte chirurgische Leistung zur Versorgung großflächiger Gewebeverluste. Im Zentrum dieser Ziffer steht die spezielle Aufbereitung des freien Hauttransplantats, welche in der klinischen Praxis meist als Mesh-Graft (Netzgittertransplantation) oder Meek-Transplantation durchgeführt wird. Durch diese mechanische Dehnung kann eine deutlich größere Defektfläche mit einer kleineren Menge an Spalthaut gedeckt werden.

Die Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik VII (Chirurgie der Körperoberfläche) angesiedelt. Die Bewertung mit 1330 Punkten spiegelt den erheblichen zeitlichen und technischen Aufwand wider, der für die Präparation und das präzise Einpassen des Transplantats erforderlich ist. Die reine Entnahme des Transplantats ist in dieser Ziffer ausdrücklich nicht enthalten und muss separat liquidiert werden.

GOÄ 2390 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung

Die Anwendung der GOÄ-Ziffer 2390 ist an zwei wesentliche Bedingungen geknüpft: die Defektgröße und die Art der Transplantat-Aufbereitung. Der Hautdefekt muss per Definition überhandflächengroß sein, was sich an der Handfläche des betroffenen Patienten orientiert. Dies entspricht in der medizinischen Praxis etwa einem Prozent der gesamten Körperoberfläche.

Typische Indikationen für dieses Verfahren sind großflächige Gewebedefekte nach schweren Verbrennungen, ausgedehnte chronische Wunden wie das Ulcus cruris venosum oder Defekte nach radikalen Tumorresektionen. Auch traumatische Weichteilverluste, die nicht primär verschlossen werden können, erfordern häufig diese chirurgische Technik.

Eine Abgrenzung zu den Ziffern 2381 und 2382 ist essenziell. Während die GOÄ 2381 für kleinere, bis handflächengroße Defekte genutzt wird, beschreibt die GOÄ 2382 zwar ebenfalls überhandflächengroße Defekte, jedoch ohne die spezielle Aufbereitung des Transplantats. Die Wahl der Ziffer muss daher präzise auf die Dokumentation der OP-Technik abgestimmt sein.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2390

Fallbeispiel 1: Mesh-Graft-Transplantation bei chronischem Ulcus cruris

Ein Patient stellt sich mit einem therapierefraktären, stark sezernierenden Ulcus cruris venosum am Unterschenkel vor, das die Größe einer Handfläche deutlich überschreitet. Nach gründlichem chirurgischem Debridement erfolgt die Deckung des Defekts mit einem im Mesh-Graft-Verfahren aufbereiteten Spalthauttransplantat im Verhältnis 1:1,5.

Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 2390 für die Deckung des Defekts. Die Spalthautentnahme am Oberschenkel wird zusätzlich mit der GOÄ-Ziffer 2386 berechnet. Da der Eingriff ambulant durchgeführt wurde, ist zudem der OP-Zuschlag 445 anzusetzen.

Fallbeispiel 2: Defektdeckung nach großflächiger Exzision eines Weichteilsarkoms

Nach der radikalen Resektion eines malignen Weichteiltumors am Oberschenkel verbleibt ein tiefer, überhandflächengroßer Haut- und Weichteildefekt. Zur Defektdeckung wird Spalthaut entnommen, mittels Meek-Technik speziell aufbereitet und auf das Wundbett transplantiert.

Die aufwendige Aufbereitung und Einpassung rechtfertigt den Ansatz der GOÄ-Ziffer 2390. Die Entnahme der Spalthaut wird gesondert über die Ziffer 2386 liquidiert. Aufgrund der anatomisch anspruchsvollen Lokalisation und der Nähe zu großen Gefäßen kann ein erhöhter Steigerungsfaktor begründet werden.

Fallbeispiel 3: Versorgung einer drittgradigen Verbrennung am Unterarm

Ein Patient erlitt eine drittgradige Verbrennung am gesamten linken Unterarm. Nach der Nekrektomie wird der großflächige Defekt mit einer speziell aufbereiteten, expandierten Spalthaut gedeckt, um eine rasche Epithelisierung zu ermöglichen.

Die Abrechnung basiert auf der GOÄ-Ziffer 2390 für die Deckung des überhandflächengroßen Defekts. Die vorbereitende Nekrektomie wird separat nach den entsprechenden Ziffern für Verbrennungsbehandlungen abgerechnet. Die Dokumentation muss die Defektgröße und die Expansionsmethode exakt ausweisen.

Häufige Fehler bei der GOÄ 2390: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2390 ist das Fehlen einer detaillierten Beschreibung der Transplantat-Aufbereitung im Operationsbericht. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Rechnung oft auf die niedrigere GOÄ-Ziffer 2382, wenn die spezielle Aufbereitung (wie das Mesh- oder Meek-Verfahren) nicht explizit dokumentiert ist.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Defektgröße. Wird die Formulierung überhandflächengroß nicht durch konkrete Zentimeterangaben untermauert, droht eine Herabstufung auf die GOÄ-Ziffer 2381. Die bloße Behauptung der Größe reicht bei einer Rechnungsprüfung meist nicht aus.

Achtung: Die Entnahme des Hauttransplantats (z. B. nach GOÄ 2386) darf niemals in der GOÄ 2390 als inkludiert betrachtet werden. Achten Sie darauf, diese eigenständige Leistung immer separat aufzuführen, um Honorarverluste zu vermeiden.

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Dokumentation der GOÄ 2390: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operationsbericht muss zwingend die exakten Maße des Defekts in Zentimetern sowie das Verhältnis zur Handfläche des Patienten enthalten. Zudem muss die Entnahmestelle und die Methode der Transplantatgewinnung detailliert beschrieben werden.

Besonderes Augenmerk ist auf die Darstellung der Aufbereitungsschritte zu legen. Die Erwähnung des genutzten Dermatoms und des Expansionsverhältnisses (z. B. Mesh-Graft 1:1,5) sichert den Anspruch auf die GOÄ-Ziffer 2390 rechtssicher ab.

Dokumentation: Überhandflächengroßer Defekt am linken Unterschenkel (Maße: 12 x 15 cm). Gewinnung von Spalthaut am ipsilateralen Oberschenkel mittels Elektrodermatom. Spezielle Aufbereitung der Spalthaut im Mesh-Graft-Verfahren (Verhältnis 1:1,5). Spannungsfreie Einpassung und Fixierung mittels Hautklammern auf dem vorbereiteten Wundgrund.

GOÄ 2390: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den Regelsatz von 2,3 hinaus bis zum 3,5-fachen Satz muss in der Rechnung patientenbezogen und nachvollziehbar begründet werden. Typische Gründe bei der GOÄ-Ziffer 2390 sind eine starke Infektion des Wundbettes, die eine intensive Vorbereitung erfordert, oder eine extreme Fragilität der Spalthaut des Spenders.

Auch schwierige anatomische Verhältnisse, wie die Deckung über Gelenken oder im Gesichtsbereich, rechtfertigen einen erhöhten Aufwand. Eine aufwendige Blutstillung bei hämorrhagischer Diathese kann ebenfalls als Steigerungsbegründung herangezogen werden.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ-Ziffer 2390 lässt sich hervorragend mit anderen operativen Ziffern kombinieren. Neben der bereits erwähnten Ziffer 2386 für die Hautgewinnung sind dies häufig Ziffern für das chirurgische Debridement (z. B. GOÄ 2009) oder die Wundspülung. Bei ambulanten Eingriffen ist der Zuschlag nach GOÄ-Ziffer 445 obligat.

Tipp: Sollten während derselben Sitzung mehrere voneinander unabhängige Defekte versorgt werden, kann die GOÄ-Ziffer 2390 unter Angabe der unterschiedlichen Lokalisationen mehrfach berechnet werden. Achten Sie hierbei auf eine strikte geografische Trennung in der Dokumentation.

Ziffer 2390 in der neuen GOÄ

Die Leistung nach Ziffer 2390 (Deckung eines überhandflächengroßen, zusammenhängenden Hautdefektes mit speziell aufbereiteten freien Hauttransplantaten) wird im Entwurf je nach klinischer Situation unterschiedlich abgebildet — die Dokumentation entscheidet über die Zielziffer:

  • bei: autologes Spalthauttransplantat (Mesh-Graft), nicht homologer/heterologer/allopl … — 6105 „Spalthauttransplantation, bis zu 100 cm² (an der Entnahmestelle gemessen), an allen anderen Körperregionen" (380,73 €), 1x je Sitzung
  • bei: autologes Spalthauttransplantat (Mesh-Graft), nicht homologer/heterologer/allopl … — 6105 „Spalthauttransplantation, bis zu 100 cm² (an der Entnahmestelle gemessen), an allen anderen Körperregionen" (380,73 €), 1x je Sitzung
  • bei: autologes Spalthauttransplantat (Mesh-Graft), nicht homologer/heterologer/allopl … — 6106 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 6105 für jede weiteren 100 cm² (an der Entnahmestelle gemessen), an allen anderen Körperregionen" (189,57 €), je weitere 100 cm²
  • bei: Deckung mit homologem, heterologem oder alloplastischem Hautersatz bis 100 cm² in einer übrigen Region — 6116 „Deckung mit homologem, heterologem oder alloplastischem Hautersatz: alle übrigen Regionen, bis zu 100 cm²" (79,85 €)

Von 79,85 € bis 380,73 € reicht die Spanne — die genaue Dokumentation des Verfahrens und der Lokalisation entscheidet, welche Ziffer abgerechnet werden kann. Zum Vergleich: Beim 2,3-fachen Satz brachte die alte Ziffer 2390 bisher 178,30 €.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2390

Der entscheidende Unterschied liegt in der Aufbereitung des Transplantats. Während die GOÄ 2382 die Deckung eines überhandflächengroßen Defekts mit einem einfachen freien Hauttransplantat beschreibt, fordert die GOÄ 2390 eine spezielle Aufbereitung wie das Mesh-Graft- oder Meek-Verfahren.
Ja, die Entnahme des Hauttransplantats ist eine eigenständige Leistung und darf gesondert berechnet werden. Hierfür kommt in der Regel die GOÄ-Ziffer 2386 für die Gewinnung von Spalthaut zum Ansatz.
Für ambulante Operationen nach der GOÄ-Ziffer 2390 kann der Zuschlag nach der GOÄ-Ziffer 445 berechnet werden. Dieser Zuschlag ist mit 1330 Punkten bewertet und gleicht den erhöhten Aufwand bei ambulanten Eingriffen aus.
Der Hautdefekt muss per Definition „überhandflächengroß“ sein, was der Handfläche des jeweiligen Patienten entspricht (ca. 1 % der Körperoberfläche). Bei kleineren Defekten müssen stattdessen die Ziffern 2381 oder 2382 herangezogen werden.
Ein Schwellenwertüberschreiten kann durch einen stark infizierten Wundgrund, schwierige anatomische Verhältnisse oder eine aufwendige Blutstillung begründet werden. Auch eine extreme Fragilität der Spalthaut oder Voroperationen im Empfängergebiet sind anerkannte Steigerungsgründe.
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