Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2382 birgt Fallstricke bei Ausschlüssen und Dokumentation. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Spalthauttransplantationen korrekt liquidieren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2382
GOÄ-Ziffer 2382: Schwierige Hautlappenplastik (I) oder Spalthauttransplantation (II) - 739 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 2382 beschreibt zwei unterschiedliche chirurgische Verfahren zur Deckung von Hautdefekten. Unter die Alternative I fällt die schwierige Hautlappenplastik, während Alternative II die Spalthauttransplantation umfasst. Beide Verfahren dienen der Rekonstruktion größerer oder anatomisch anspruchsvoller Gewebedefekte.
Die Leistung beinhaltet bei der Spalthauttransplantation den gesamten operativen Prozess. Dies erstreckt sich von der Entnahme des Transplantats mittels Dermatom über die Aufbereitung bis hin zur Implantation im Empfängerbereich. Die Ziffer ist erst nach der vollständigen Erbringung der operativen Gesamtdeckung berechnungsfähig.
GOÄ 2382 in der Praxis: Indikationen und klinische Anwendung
In der chirurgischen und dermatologischen Praxis kommt die GOÄ-Ziffer 2382 bei ausgedehnten Gewebeverlusten zum Einsatz. Typische Indikationen sind tiefe Verbrennungen, chronische Wunden wie das Ulcus cruris oder Defekte nach der Exzision von Hauttumoren. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Lokalisation und der Tiefe des Defekts ab.
Eine schwierige Hautlappenplastik nach Alternative I erfordert eine aufwendige Mobilisation von Gewebe, um den Defekt spannungsfrei zu verschließen. Bei der Spalthauttransplantation nach Alternative II wird gesunde Haut von einer Spenderstelle übertragen. Die Abgrenzung zu einfacheren plastischen Rekonstruktionen ist anhand des chirurgischen Aufwands zu treffen.
Tipp: Achten Sie bei der Wahl zwischen den Alternativen I und II auf eine eindeutige Kennzeichnung im OP-Bericht, um Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2382
Fallbeispiel 1: Deckung eines Defekts nach Tumorresektion
Nach der vollständigen Exzision eines Basalioms am Handrücken verbleibt ein großflächiger Hautdefekt, der nicht primär verschlossen werden kann. Es erfolgt eine schwierige lokale Verschiebelappenplastik zur spannungsfreien Deckung. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 2382 (Alternative I) zum Regelhöchstsatz von 2,3.
Fallbeispiel 2: Spalthauttransplantation bei Ulcus cruris
Bei einem Patienten mit einem therapierefraktären Ulcus cruris venosum wird nach chirurgischem Debridement eine Spalthauttransplantation durchgeführt. Die Entnahme erfolgt am Oberschenkel mittels Dermatom, gefolgt von der Mesh-Graft-Aufbereitung und der Fixierung auf dem Ulcus. Berechnet wird die GOÄ-Ziffer 2382 (Alternative II) sowie der ambulante OP-Zuschlag 443.
Fallbeispiel 3: Versorgung einer tiefen Verbrennung
Ein Patient stellt sich mit einer drittgradigen Verbrennung am Unterarm vor. Nach der Nekrektomie wird ein Spalthauttransplatat übertragen, um den Defekt zu decken. Da der Eingriff aufgrund von Vernarbungen im Spenderareal erschwert ist, wird die GOÄ-Ziffer 2382 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5 abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2382: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2382 ist die separate Berechnung der Transplantatentnahme. Die Entnahme des Spalthautlappens ist integraler Bestandteil der Ziffer 2382 und darf nicht zusätzlich mit anderen Ziffern liquidiert werden. Private Krankenversicherungen kürzen solche Rechnungen konsequent unter Verweis auf das Zielleistungsprinzip.
Zudem existieren strikte Abrechnungsausschlüsse, die in der Praxis oft übersehen werden. Die Ziffer 2382 darf nicht neben den Ziffern 1449, 1450, 2415, 2571, 2572 und 2584 abgerechnet werden. Auch eine intracutane Hautnaht ist nicht separat berechnungsfähig, da der Wundverschluss in der operativen Hauptleistung inbegriffen ist.
Achtung: Die GOÄ-Ziffer 2382 ist im Zusammenhang mit einer Otoskleroseoperation nach Ziffer 1623 explizit ausgeschlossen, da ein eventueller Hautlappeneinschlag dort bereits abgegolten ist.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 2382: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die Größe des Defekts, die Lokalisation der Spender- und Empfängerstelle sowie die angewandte Technik präzise beschrieben werden. Bei der Spalthauttransplantation sollte die Verwendung des Dermatoms und die Mesh-Graft-Herstellung explizit erwähnt werden.
Für die Rechtfertigung eines erhöhten Steigerungsfaktors sind besondere Erschwernisse im OP-Bericht festzuhalten. Dazu gehören beispielsweise eine starke Blutungskomplikation, anatomische Besonderheiten oder ein extrem unebenes Wundbett. Diese Details müssen für den medizinischen Dienst der Kassen nachvollziehbar sein.
Dokumentation: Exzision des Ulcus cruris (8x6 cm). Entnahme von Spalthaut am lateralen Oberschenkel links mittels Dermatom. Aufbereitung zum Mesh-Graft (Verhältnis 1:1,5). Spannungsfreie Implantation und Fixierung mittels Einzelknopfnähten im Empfängerbett. Keine Komplikationen.
GOÄ 2382: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2382 kann bei überdurchschnittlichem operativem Aufwand über den Regelhöchstsatz von 2,3 hinaus gesteigert werden. Typische Begründungen für einen Schwellenwert von bis zu 3,5 sind eine schwierige Blutstillung, infiziertes Gewebe oder die Deckung in funktionell anspruchsvollen Arealen wie Gelenken. Die Begründung muss patientenindividuell und medizinisch fundiert auf der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ-Ziffer 2382 mit vorbereitenden Maßnahmen kombiniert. Erlaubt ist beispielsweise die Nebeneinanderberechnung mit der Ziffer 2006 für das vorbereitende Debridement oder die Nekrektomie. Bei sehr großen Defekten kann zusätzlich die Ziffer 2390 für die Vorbereitung des Empfängerbetts herangezogen werden. Der ambulante OP-Zuschlag nach Ziffer 443 sollte bei ambulanten Eingriffen keinesfalls vergessen werden.
Ziffer 2382 in der neuen GOÄ
Die Leistung nach Ziffer 2382 (Schwierige Hautlappenplastik (I) oder Spalthauttransplantation (II)) wird im Entwurf je nach klinischer Situation unterschiedlich abgebildet — die Dokumentation entscheidet über die Zielziffer:
- bei: ein kutaner lokaler Lappen in Gesicht/Hals/Hand/Genitale — 6001 „Lokale Lappenplastik mit einem kutanen Lappen (einschließlich Hebung), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand oder Genitale" (168,23 €), 1x je Lokalisation
- bei: ein kutaner lokaler Lappen in übriger Region — 6003 „Lokale Lappenplastik mit einem kutanen Lappen (einschließlich Hebung), übrige Regionen" (135,20 €), 1x je Lokalisation
- bei: Spalthauttransplantation, Gesicht/Hals/Hand/Genitale — 6101 „Spalthauttransplantation mit einer Fläche bis zu 25 cm² (an der Entnahmestelle gemessen), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (108,35 €)
- bei: Spalthauttransplantation, übrige Region — 6105 „Spalthauttransplantation, bis zu 100 cm² (an der Entnahmestelle gemessen), an allen anderen Körperregionen" (380,73 €), 1x je Sitzung
- bei: Spalthauttransplantation nach Meek — 6103 „Spalthauttransplantation nach Meek, bis zu 25 cm² (an der Entnahmestelle gemessen)" (191,57 €), bis 25 cm²
- bei: mehrere kutane lokale Lappen — 6002 „Lokale Lappenplastik mit mehreren kutanen Lappen (einschließlich Hebung), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand oder Genitale" (338,27 €), 1x je Lokalisation
- bei: mehrere kutane lokale Lappen — 6004 „Lokale Lappenplastik mit mehreren kutanen Lappen (einschließlich Hebung), übrige Regionen" (204,32 €), 1x je Lokalisation
- bei: ein fasziokutaner lokaler Lappen — 6005 „Lokale Lappenplastik mit einem fasziokutanen Lappen (einschließlich Hebung), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand oder Genitale" (283,46 €), 1x je Lokalisation
- bei: mehrere fasziokutane lokale Lappen — 6006 „Lokale Lappenplastik mit mehreren fasziokutanen Lappen (einschließlich Hebung), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand oder Genitale" (383,10 €), 1x je Lokalisation
- bei: ein fasziokutaner lokaler Lappen — 6007 „Lokale Lappenplastik mit einem fasziokutanen Lappen (einschließlich Hebung), übrige Regionen" (291,69 €), 1x je Lokalisation
- bei: mehrere fasziokutane lokale Lappen — 6008 „Lokale Lappenplastik mit mehreren fasziokutanen Lappen (einschließlich Hebung), übrige Regionen" (283,46 €), 1x je Lokalisation
- bei: ein muskulo-kutaner lokaler Lappen — 6009 „Lokale Lappenplastik mit einem muskulo-(kutanen) Lappen (einschließlich Hebung), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand oder …" (414,67 €), 1x je Lokalisation
- bei: mehrere muskulo-kutane lokale Lappen — 6010 „Lokale Lappenplastik mit mehreren muskulo-(kutanen) Lappen (einschließlich Hebung), Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand oder Genitale" (588,68 €), 1x je Lokalisation
- bei: ein muskulo-kutaner lokaler Lappen — 6011 „Lokale Lappenplastik mit einem muskulo-(kutanen) Lappen (einschließlich Hebung), übrige Regionen" (411,10 €), 1x je Lokalisation
- bei: mehrere muskulo-kutane lokale Lappen — 6012 „Lokale Lappenplastik mit mehreren muskulo-(kutanen) Lappen (einschließlich Hebung), übrige Regionen" (570,67 €), 1x je Lokalisation
- bei: ein einzelner lokaler Schleimhautlappen im Mund mittels Spaltlappentechnik — 8708 „Verschluss eines Defektes in der Schleimhaut des Mundes mit einer lokalen Schleimhautlappenplastik mittels Spaltlappentechnik, …" (279,08 €), 1x je Defekt
- bei: jeder weitere lokale Schleimhautlappen im Mund mittels Spaltlappentechnik — 8710 „Verschluss eines Defektes in der Schleimhaut des Mundes mit einer lokalen Schleimhautlappenplastik mittels Spaltlappentechnik, …" (242,90 €), 1x je weiterer Lappen
- bei: Teil-Facelifting mit Mittelgesichtslift je Seite oder Stirn-/anderem Regionslift beidseitig — 6900 „Teil-Facelifting: Mittelgesichtslift je Seite, Stirn und andere Regionen beidseitig" (757,08 €), 1x je Seite bzw. beidseitig
- bei: vollständiges Facelifting von Gesicht und Hals je Seite — 6901 „Vollständiges Facelifting, Gesicht und Hals, je Seite" (1.263,68 €), 1x je Seite
- bei: Deckung mit homologem, heterologem oder alloplastischem Hautersatz bis 25 cm² an … — 6114 „Deckung mit homologem, heterologem oder alloplastischem Hautersatz: Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale, bis zu …" (111,68 €)
- bei: plastischer Verschluss eines Tracheostomas mit Hautlappenplastik — 8900 „Plastischer Verschluss eines Tracheostomas" (197,27 €)
- bei: regionale Defektdeckung durch lokale Haut-, Schleimhaut- und/oder Muskellappenplastik — 8804 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 8796 für die regionale Defektdeckung durch lokale Haut-, Schleimhaut- und/oder Muskellappenplastik" (313,28 €)
- bei: Versorgung des Entnahmedefektes durch lokale Haut-, Schleimhaut- und/oder Muskellappenplastik und/oder Spalthauttransplantat — 8815 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 8812 für die Versorgung des Entnahmedefektes durch lokale Haut-, Schleimhaut- und/o …" (191,00 €)
Von 108,35 € bis 1.263,68 € reicht die Spanne — die genaue Dokumentation des Verfahrens und der Lokalisation entscheidet, welche Ziffer abgerechnet werden kann. Zum Vergleich: Beim 2,3-fachen Satz brachte die alte Ziffer 2382 bisher 99,06 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2382
Was hat nicht gestimmt?