Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2391 für freie Hautlappenplastiken birgt durch Analogbewertungen und Kombinationsregeln hohes Optimierungspotenzial.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2391
Freie Verpflanzung eines Hautlappens, auch mittels zwischenzeitlicher Stielbildung, in mehreren Sitzungen
Die GOÄ-Ziffer 2391 beschreibt eine komplexe chirurgische Leistung aus dem Bereich der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie. Der Leistungsinhalt umfasst die mehrzeitige Verpflanzung eines Hautlappens, bei der in der Regel eine zwischenzeitliche Stielbildung erfolgt. Während dieser Phase bleibt das Transplantat mit der Spenderstelle verbunden, um die Blutversorgung zu sichern, während das freie Ende an der Empfängerstelle einheilt.
Nach erfolgreicher Revaskularisation an der Defektstelle wird der Stiel in einer folgenden Sitzung durchtrennt. Die historische Formulierung „freie Verpflanzung“ ist hierbei medizinisch leicht irreführend, da es sich im klassischen Sinne um einen gestielten Fernlappen handelt. Dennoch bildet diese Ziffer das Fundament für die Abrechnung aufwendiger Gewebetransfers.
GOÄ 2391 in der Praxis: Indikationen und moderne Analogabrechnung
In der modernen rekonstruktiven Chirurgie findet die klassische, mehrzeitige Rundstiellappenplastik nur noch selten Anwendung. Stattdessen hat sich die Ziffer 2391 zu einer zentralen Position für die analoge Abrechnung moderner gefäßgestielter Hautlappen entwickelt. Typische Indikationen sind ausgedehnte Gewebedefekte nach Tumorresektionen, schweren Traumata oder chronischen Wunden.
Da moderne gefäßgestielte Lappenplastiken nicht explizit in der Gebührenordnung aufgeführt sind, wird die GOÄ 2391 analog für die Entnahme und Implantation herangezogen. Dies betrifft beispielsweise den Radialis-Lappen oder den Latissimus-dorsi-Lappen. Die medizinische Notwendigkeit dieser aufwendigen Rekonstruktionen muss stets klar aus der Indikationsstellung hervorgehen.
Tipp: Bei der Verwendung moderner gefäßgestielter Lappen sollte auf der Liquidation explizit der Hinweis „analog gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ“ vermerkt werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2391
Fallbeispiel 1: Deckung eines Defekts mittels Radialis-Lappen
Ein Patient stellt sich mit einem großflächigen Weichteildefekt am Unterschenkel nach einem Trauma vor. Die Deckung erfolgt mittels eines freien, gefäßgestielten Radialis-Lappens vom Unterarm. Die Entnahme und Implantation des Lappens wird mit der GOÄ-Ziffer 2391 analog berechnet. Die Freilegung des Gefäßes am Arm wird zusätzlich mit der Ziffer 2801 analog liquidiert.
Fallbeispiel 2: Rekonstruktion nach Tumorresektion mit Latissimus-dorsi-Lappen
Nach der Resektion eines ausgedehnten Sarkoms im Brustbereich erfolgt die Defektdeckung durch einen gestielten Latissimus-dorsi-Lappen. Die chirurgische Erbringung wird über die GOÄ 2391 analog abgerechnet. Da die Gefäßpräparation in der Brusthöhle bzw. Achselhöhle stattfindet, wird zusätzlich die GOÄ-Ziffer 2802 analog für die Gefäßfreilegung angesetzt.
Fallbeispiel 3: Freier Gewebetransfer mit mikrochirurgischem Anschluss
Bei einer komplexen Rekonstruktion im Kopf-Hals-Bereich wird ein freier gefäßgestielter Lappen transplantiert. Neben der GOÄ 2391 analog für den Lappen und der Ziffer 2801 analog für die Gefäßpräparation erfolgt der mikrochirurgische Anschluss an die Empfängergefäße. Dieser hochkomplexe Schritt wird über die GOÄ-Ziffer 2823 analog abgerechnet.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2391: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2391 ist die Verwechslung mit lokalen Lappenplastiken (Nahlappen). Lokale Verschiebe- oder Rotationsplastiken dürfen nicht über diese Ziffer abgerechnet werden, da hierfür spezifische, meist niedrigere Ziffern vorgesehen sind. Private Krankenversicherungen prüfen die anatomische Distanz zwischen Entnahme- und Empfängerstelle sehr genau.
Zudem wird oft versäumt, die zusätzliche Präparation der Blutgefäße getrennt auszuweisen. Die Gefäßfreilegung nach den Ziffern 2801 oder 2802 ist bei gefäßgestielten Lappen eine selbstständige Leistung und somit nebeneinander berechnungsfähig. Fehlt diese Differenzierung, geht der Praxis wertvolles Honorar verloren.
Achtung: Die bloße Durchführung einer Spalthauttransplantation rechtfertigt nicht den Ansatz der GOÄ 2391. Hierfür sind die Ziffern 2381 und 2382 heranzuziehen, da es sich um freie, nicht-gestielte Transplantate handelt.
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Dokumentation der GOÄ 2391: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte OP-Dokumentation ist die beste Absicherung gegen Honorarkürzungen durch Kostenträger. Im Operationsbericht müssen die genaue Lokalisation der Entnahmestelle, die Präparation des Gefäßstiels sowie die Empfängerstelle präzise beschrieben werden. Auch die mikrochirurgische Anastomosierung muss mit Angabe der verwendeten Gefäße dokumentiert sein.
Besonders bei analogen Bewertungen fordern private Krankenversicherungen häufig den OP-Bericht an. Aus der Dokumentation muss zweifelsfrei hervorgehen, warum eine einfachere Rekonstruktion nicht ausreichend war. Die Darstellung des zeitlichen und technischen Aufwands stützt zudem eine eventuelle Schwellenwertüberschreitung.
Dokumentation: „...Präparation des Radialis-Lappens am linken Unterarm unter Schonung des Gefäßbündels (analog GOÄ 2801). Transfer des freien Lappens zur Defektdeckung am rechten Unterschenkel (analog GOÄ 2391). Mikrochirurgische End-zu-Seit-Anastomose der Arteria radialis an die Arteria tibialis anterior unter dem Operationsmikroskop (analog GOÄ 2823)...“
GOÄ 2391: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der hohen Komplexität freier Gewebetransfers kann der Regelsatz von 2,3 oft überschritten werden. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 3,5 ist gerechtfertigt, wenn besondere Erschwernisse vorliegen. Typische Begründungen sind extrem fragile Gefäßverhältnisse, ausgeprägte Vernarbungen im Empfängergebiet nach Voroperationen oder ein ungewöhnlich hoher Zeitaufwand bei der Lappenpräparation.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ-Ziffer 2391 lässt sich hervorragend mit anderen chirurgischen Leistungen kombinieren. Neben den bereits erwähnten Gefäßziffern (GOÄ 2801, 2802) und der mikrochirurgischen Ziffer (GOÄ 2823) ist auch der Verschluss der Entnahmestelle gesondert berechnungsfähig. Erfolgt dieser Verschluss beispielsweise durch eine Spalthauttransplantation, kann zusätzlich die GOÄ 2382 angesetzt werden.
Auch die Verwendung eines Operationsmikroskops ist über den entsprechenden Zuschlag (z. B. GOÄ-Ziffer 440) abrechenbar, sofern die zugrundeliegende Hauptleistung dies zulässt. Die Kombination mit Anästhesieleistungen und postoperativer Überwachung rundet das Abrechnungsportfolio ab.
Ziffer 2391 in der neuen GOÄ
An die Stelle der Ziffer 2391 (Freie Verpflanzung eines Hautlappens, auch mittels zwischenzeitlicher Stielbildung, in mehreren Sitzungen) treten in der neuen GOÄ mehrere spezifische Leistungen — welche gilt, hängt vom Verfahren und ggf. der Lokalisation ab:
- bei: freier kutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss — 6518 „Implantation als freier kutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (1.362,71 €), 1x je Sitzung
- bei: freier kutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss — 6515 „Hebung eines kutanen axial pattern Lappens, übrige Regionen" (825,74 €), 1x je Hebung
- bei: freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss — 6523 „Implantation als freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (1.092,17 €), 1x je Sitzung
- bei: freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss — 6521 „Hebung eines fasziokutanen axial pattern Lappens, übrige Regionen" (559,31 €), 1x je Hebung
- bei: freier muskulo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss — 6529 „Implantation als freier musculo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich -Darstellung der …" (825,74 €), 1x je Sitzung
- bei: freier muskulo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss — 6527 „Hebung eines muskulo-(kutanen) axial pattern Lappens, übrige Regionen" (656,20 €), 1x je Hebung
- bei: kutaner axial pattern Lappen — 6513 „Hebung eines kutanen axial pattern Lappens, Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (401,88 €), 1x je Hebung
- bei: mehrere kutane axial pattern Lappen — 6514 „Hebung mehrerer kutaner axial pattern Lappen über einen Zugang, Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (486,65 €), 1x je Zugang
- bei: mehrere kutane axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen — 6518 „Implantation als freier kutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (1.362,71 €), 1x je Sitzung
- bei: mehrere kutane axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen — 6516 „Hebung mehrerer kutaner axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen" (656,20 €), 1x je Zugang
- bei: freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss und Hebung in … — 6523 „Implantation als freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (1.092,17 €), 1x je Sitzung
- bei: freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss und Hebung in … — 6519 „Hebung eines fasziokutanen axial pattern Lappens, Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (547,20 €), 1x je Hebung
- bei: mehrere fasziokutane axial pattern Lappen über einen Zugang in Gesicht, Hals ohne Nacken, Hand oder Genitale — 6523 „Implantation als freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (1.092,17 €), 1x je Sitzung
- bei: mehrere fasziokutane axial pattern Lappen über einen Zugang in Gesicht, Hals ohne Nacken, Hand oder Genitale — 6520 „Hebung mehrerer fasziokutaner axial pattern Lappen über einen Zugang, Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (728,86 €), 1x je Zugang
- bei: mehrere fasziokutane axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen — 6523 „Implantation als freier fasziokutaner Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (1.092,17 €), 1x je Sitzung
- bei: mehrere fasziokutane axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen — 6522 „Hebung mehrerer fasziokutaner axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen" (753,08 €), 1x je Zugang
- bei: mehrere muskulo-(kutane) axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen — 6529 „Implantation als freier musculo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich -Darstellung der …" (825,74 €), 1x je Sitzung
- bei: mehrere muskulo-(kutane) axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen — 6524 „Hebung mehrerer muskulo-(kutaner) axial pattern Lappen über einen Zugang, übrige Regionen" (946,85 €), 1x je Zugang
- bei: freier muskulo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss und Hebung … — 6529 „Implantation als freier musculo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich -Darstellung der …" (825,74 €), 1x je Sitzung
- bei: freier muskulo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss und Hebung … — 6525 „Hebung eines muskulo-(kutanen) axial pattern Lappens, Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (777,30 €), 1x je Hebung
- bei: mehrere muskulo-(kutane) axial pattern Lappen über einen Zugang in Gesicht, Hals … — 6529 „Implantation als freier musculo-(kutaner) Lappen mit mikrochirurgischem Gefäßanschluss, einschließlich -Darstellung der …" (825,74 €), 1x je Sitzung
- bei: mehrere muskulo-(kutane) axial pattern Lappen über einen Zugang in Gesicht, Hals … — 6526 „Hebung mehrerer muskulo-(kutaner) axial pattern Lappen über einen Zugang, Gesicht, Hals (ohne Nacken), Hand, Genitale" (728,86 €), 1x je Zugang
- bei: intra- oder extraorale Defektversorgung mit mikrochirurgisch anastomosiertem oder gefäßgestieltem Haut-, Fett-, Muskel- oder Faszienlappen — 8812 „Versorgung eines intra- und/oder extraoralen Defektes mit einem mikrochirurgisch anastomosierten und/oder gefäßgestielten Lappen, …" (1.987,43 €), 1x je eigenständigem Lappen
- bei: Hebung und Einbringung eines mikrovaskulär anastomosierten knöchernen, muskulär-knöchernen, osteomyokutanen oder osteoseptokutanen Lappens — 8814 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 8812 für die Hebung und Einbringung eines mikrovaskulär anastomosierten knöchernen,…" (1.932,30 €)
- bei: Hebung eines Fingers, einer Zehe oder eines Finger-/Zehenfragments zur freien mikrovaskulären Transplantation — 6537 „Hebung eines Fingers oder einer Zehe oder eines Finger- oder Zehenfragments zur freien mikrovaskulären Transplantation" (946,85 €)
- bei: Einbringen und/oder funktioneller Anschluss eines freien mikrovaskulären Fingers … — 6538 „Einbringen und/oder funktioneller Anschluss eines freien mikrovaskulären Fingers oder einer Zehe oder eines Finger- oder …" (946,85 €)
- bei: Delay-Operation als alleiniger Eingriff bei mehrzeitiger Transplantathebung — 6511 „Delay-Operation als alleiniger Eingriff bei mehrzeitiger Transplantathebung" (368,66 €)
- bei: Hebung eines gefäßgestielten Knochenlappens — 6533 „Hebung eines gefäßgestielten Knochenlappens" (583,53 €)
- bei: Einbringen eines gefäßgestielten Knochenlappens in übrige Regionen — 6534 „Einbringen eines gefäßgestielten Knochenlappens, einschließlich Weichteile und ggf. Haut" (347,65 €)
- bei: Hebung eines freien mikrovaskulären Knochenlappens — 6535 „Hebung eines freien mikrovaskulären Knochenlappens" (728,86 €)
- bei: Einbringen eines freien mikrovaskulären Knochenlappens in übrige Regionen — 6536 „Einbringen eines freien mikrovaskulären Knochenlappens einschließlich Weichteile und ggf. Haut, einschließlich Darstellung der Empfängergefäße" (656,20 €)
- bei: Einbringen eines Lappens in Gesicht, Halsbereich, Hand oder Kopf — 6600 „Einbringen eines nach Nummer 6513, 6514, 6515, 6516, 6519, 6520, 6521, 6522, 6524, 6525, 6526, 6527, 6533 oder 6535 entnommenen Lappens, …" (537,38 €)
- bei: Einbringen eines Haut- oder Faszienlappens in übrige Regionen — 6601 „Einbringen eines nach Nummer 6513, 6514, 6515, 6516, 6519, 6520, 6521, 6522, 6524, 6525, 6526 oder 6527 entnommenen Lappens, …" (425,11 €)
Von 347,65 € bis 1.987,43 € reicht die Spanne — die genaue Dokumentation des Verfahrens und der Lokalisation entscheidet, welche Ziffer abgerechnet werden kann. Zum Vergleich: Beim 2,3-fachen Satz brachte die alte Ziffer 2391 bisher 201,09 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2391
Was hat nicht gestimmt?