Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2392 (Rundstiellappen) wirft in der Praxis oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Steigerungssätzen und Beispielen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2392
Anlage eines Rundstiellappens – 900 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 2392 beschreibt eine klassische Methode der plastischen Chirurgie zur Deckung größerer Gewebedefekte. Bei diesem Verfahren wird ein Haut-Unterhaut-Lappen an den Längsrändern so miteinander vernäht, dass ein geschlossener, schlauchförmiger Gewebestiel entsteht. Dieser Rundstiellappen sichert die Durchblutung des Gewebes, während es schrittweise an den Zielort transplantiert wird.
Die Leistung umfasst die vollständige operative Mobilisation des Spendergewebes, die Formung des Stiels sowie die erste Fixation. Da es sich um einen mehrzeitigen Eingriff handelt, bezieht sich diese Ziffer auf den initialen Schritt der Lappenplastik. Die nachfolgenden Verlagerungen oder die endgültige Einheilung werden über andere Ziffern oder Folgeschritte abgebildet.
GOÄ 2392 in der Praxis: Stellenwert in der modernen rekonstruktiven Chirurgie
In der modernen Medizin hat der klassische Rundstiellappen, auch als Wanderlappen bekannt, stark an Bedeutung verloren. Er wurde weitgehend durch fortschrittlichere Verfahren wie den mikrovaskulär anastomosierten Gewebetransfer oder lokale Schwenklappen ersetzt. Dennoch existieren spezifische klinische Nischen, in denen diese Methode weiterhin ihre Berechtigung hat.
Typische Indikationen finden sich heute vor allem in der rekonstruktiven Chirurgie nach schweren Traumata oder Tumorresektionen, wenn lokale Geweberessourcen erschöpft sind. Auch bei komplexen Defekten im Gesichtsbereich oder an den Extremitäten kann die Methode in Ausnahmefällen indiziert sein. Die Abrechnung setzt voraus, dass die chirurgische Technik exakt der Definition der Ziffer entspricht.
Tipp: Da das Verfahren selten angewendet wird, prüfen private Krankenversicherungen die medizinische Notwendigkeit der GOÄ 2392 besonders genau. Eine präzise Begründung der Indikation im OP-Bericht ist daher unerlässlich.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2392
Fallbeispiel 1: Rekonstruktion nach schwerem Trauma
Ein Patient stellt sich mit einem großflächigen Weichteildefekt am Unterarm nach einem schweren Maschinenunfall vor. Da lokale Lappenplastiken aufgrund von Vernarbungen nicht möglich sind, erfolgt die Anlage eines Rundstiellappens am Abdomen zur späteren Verlagerung. Die chirurgische Präparation und Schlauchbildung verlaufen komplikationslos. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2392 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Erschwernisse vorlagen.
Fallbeispiel 2: Defektdeckung im Gesichtsbereich bei Gewebemangel
Nach einer ausgedehnten Tumorresektion im Bereich der Wange und fehlenden mikrochirurgischen Optionen wird ein Rundstiellappen vom Halsbereich vorbereitet. Aufgrund von stark vernarbtem Gewebe im Spenderareal gestaltet sich die Präparation der Gefäßversorgung des Lappens extrem schwierig und zeitaufwendig. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2392 erfolgt hier mit dem 3,5-fachen Steigerungssatz unter Angabe der konkreten zeitlichen Verzögerung und anatomischen Schwierigkeiten.
Fallbeispiel 3: Mehrzeitige Handrekonstruktion
Bei einer komplexen Rekonstruktion der Handfläche wird ein Rundstiellappen an der Flanke des Patienten angelegt. Der Arm des Patienten wird vorübergehend an der Flanke fixiert, um die Einheilung des Lappens zu ermöglichen. Neben der GOÄ-Ziffer 2392 wird der ambulante OP-Zuschlag nach Ziffer 444 berechnet. Die Dokumentation weist die exakten Maße des Lappens und die Fixationstechnik aus.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2392: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Kombination mit anderen plastischen Ziffern. Die GOÄ-Ziffer 2392 darf explizit nicht neben der Ziffer 2391 (freie Hauttransplantation) oder der Ziffer 2394 abgerechnet werden. Auch die Nebeneinanderberechnung mit der Ziffer 2050 (Primäre Wundversorgung) im selben Operationsgebiet führt regelmäßig zu Beanstandungen.
Ein weiterer Streitpunkt mit den Kostenträgern ist die Verwechslung mit einfachen Nah- oder Fernlappenplastiken. Wenn kein echter Rundstiel (Verschluss des Lappens zur Röhre) gebildet wird, ist die Ziffer 2392 nicht ansetzbar. In solchen Fällen müssen stattdessen die Ziffern für einfache Lappenplastiken gewählt werden.
Achtung: Die Kombination der Ziffern 2392 und 2393 führt laut den Abrechnungsbestimmungen zur Ersetzung durch die Ziffer 2391. Achten Sie darauf, diese Ziffern nicht fälschlicherweise nebeneinander aufzuführen, um Honorarverluste zu vermeiden.
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Dokumentation der GOÄ 2392: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Der OP-Bericht muss die medizinische Notwendigkeit des Verfahrens im Vergleich zu moderneren Alternativen nachvollziehbar darlegen. Zudem müssen die einzelnen chirurgischen Schritte der Lappenmobilisation und der Schlauchbildung präzise beschrieben werden.
Besonders wichtig ist die Angabe der exakten anatomischen Lokalisation des Spender- und Empfängerareals. Auch die Maße des Lappens sowie die Art des Wundverschlusses an den Rändern zur Bildung des Rundstiels müssen dokumentiert sein. Dies beweist dem medizinischen Dienst der Kassen die korrekte Erbringung der Leistung.
Dokumentationsbeispiel: "Nach Umschneidung des Hautareals an der linken Flanke (Maße: 12x4 cm) erfolgt die vorsichtige Mobilisation des Lappens unter Schonung der subdermalen Gefäße. Anschließend fortlaufende Naht der Längsränder zur Bildung eines spannungsfreien Rundstiels. Fixation des distalen Endes im Defektbereich."
GOÄ 2392: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Eine Überschreitung des Schwellenwertes von 2,3 bis zum Höchstsatz von 3,5 ist bei der GOÄ 2392 gut begründbar. Typische Kriterien für eine Steigerung sind eine stark erschwerte Präparation durch vorbestehende Vernarbungen oder Durchblutungsstörungen des Gewebes. Auch eine ungewöhnliche Größe des Lappens oder ein extrem hoher Zeitaufwand rechtfertigen einen höheren Steigerungsfaktor.
Typische Ziffernkombinationen
Bei der ambulanten Durchführung der Leistung ist der Zuschlag 444 (Zuschlag bei ambulanter Durchführung von operativen Leistungen) obligat und sollte immer angesetzt werden. Anästhesieleistungen nach den entsprechenden Abschnitten der GOÄ sind ebenfalls separat berechnungsfähig. Nicht zulässig ist hingegen die gleichzeitige Abrechnung von Ziffern zur einfachen Wundversorgung im selben anatomischen Bereich.
Ziffer 2392 in der neuen GOÄ
Die Ziffer 2392 (Anlage eines Rundstiellappens) ist im Entwurf der neuen GOÄ nicht als eigenständige Nachfolgeleistung vorgesehen. Beim 2,3-fachen Satz brachte die alte Ziffer 120,66 €.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2392
Was hat nicht gestimmt?