Die Implantation eines Rundstiellappens nach GOÄ 2394 ist chirurgisch anspruchsvoll. Erfahren Sie alles zur korrekten Abrechnung, Steigerung und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2394
Implantation eines Rundstiellappens – einschließlich Modellierung am Ort –
Die GOÄ-Ziffer 2394 beschreibt den abschließenden Schritt einer mehrstufigen plastischen Rekonstruktion mittels eines Rundstiellappens. Diese chirurgische Methode dient dem Verschluss größerer Gewebedefekte, bei denen lokale Lappenplastiken nicht ausreichen. Die Leistung umfasst neben der eigentlichen Implantation auch die aufwendige Modellierung am Empfängerort, um ein funktionell und ästhetisch optimales Ergebnis zu erzielen.
Da es sich um eine hochspezialisierte rekonstruktive Maßnahme handelt, ist die Ziffer mit 2200 Punkten bewertet. Dies spiegelt den erheblichen zeitlichen und operativen Aufwand wider, der für die Einpassung und mikrochirurgische oder feingewebliche Anpassung des Lappens notwendig ist.
GOÄ 2394 in der Praxis: Indikation und klinischer Ablauf
Die Anwendung der GOÄ 2394 setzt eine sorgfältige Indikationsstellung voraus. Typischerweise erfolgt diese plastische Deckung nach schweren Traumata, Tumorresektionen oder bei chronischen, nicht heilenden Wunden mit freiliegenden Sehnen oder Knochen. Der Rundstiellappen wurde in vorherigen Schritten (z. B. nach GOÄ 2391 oder 2392) vorbereitet und schrittweise an den Defekt herangeführt.
Die Implantation und Modellierung stellt den finalen Schritt dar, bei dem der Lappen von seiner ursprünglichen Blutversorgung getrennt und vollständig in das Empfängerbett eingenäht wird. Hierbei ist eine präzise Gewebemodellierung erforderlich, um Konturunregelmäßigkeiten zu vermeiden und eine adäquate Durchblutung des Transplantats zu sichern.
Tipp: Da die Rundstiellappenplastik ein mehrstufiges Verfahren ist, müssen die einzelnen operativen Schritte in der Patientendokumentation zeitlich und lokal exakt voneinander abgegrenzt werden, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2394
Fallbeispiel 1: Deckung eines Weichteildefekts am Unterschenkel
Nach einer traumatischen Freilegung der Tibia und vorheriger Lappenbildung erfolgt nun die finale Implantation des Rundstiellappens. Der Lappen wird am Empfängerort einmodelliert und mikrochirurgisch adaptiert. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2394 zum Schwellenwert (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.
Fallbeispiel 2: Rekonstruktion nach Tumorresektion im Gesichtsbereich
Bei einem Patienten wird nach ausgedehnter Resektion eines Basalioms ein zuvor vorbereiteter Rundstiellappen implantiert. Aufgrund der anspruchsvollen Ästhetik im Gesichtsbereich ist eine extrem feine Modellierung notwendig. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2394 unter Anwendung eines erhöhten Steigerungsfaktors (z. B. 3,5-fach) mit entsprechender Begründung.
Fallbeispiel 3: Versorgung einer chronischen Osteomyelitis-Wunde
Nach Sanierung einer chronischen Knocheninfektion wird der vorbereitete Rundstiellappen zur definitiven Deckung implantiert. Neben der GOÄ 2394 wird der ambulante OP-Zuschlag nach GOÄ 445 angesetzt, da der Eingriff ambulant in der Praxis durchgeführt wurde.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2394: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die gleichzeitige Berechnung von Vorbereitungsschritten und der finalen Implantation in derselben Sitzung. Die GOÄ-Ziffern 2391 (Vorbereitung), 2392 (Verschiebung) und 2393 (Zwischenverpflanzung) sind nebeneinander ausgeschlossen. Prüfstellen der privaten Krankenversicherungen achten streng auf diese Ausschlussbestimmungen.
Zudem ist der Ausschluss der GOÄ-Ziffer 2050 (Verband) zu beachten. Ein Wundverband, der im unmittelbaren Anschluss an die Implantation angelegt wird, ist mit der Gebühr für die operative Leistung abgegolten und darf nicht separat in Rechnung gestellt werden.
Achtung: Die Modellierung des Lappens ist expliziter Bestandteil der Leistungsbeschreibung der GOÄ 2394. Eine zusätzliche Abrechnung von plastischen Korrekturen oder Modellierungen am selben Lappen in derselben Sitzung ist daher nicht zulässig und führt regelmäßig zu Beanstandungen.
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Dokumentation der GOÄ 2394: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und detaillierte OP-Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die exakten Maße des Defekts, der Zustand des Empfängerbetts und die konkreten Schritte der Modellierung am Ort detailliert beschrieben werden. Auch die Darstellung der Durchblutungsverhältnisse des Lappens nach der Implantation ist essenziell.
Besonders bei der Anwendung von Steigerungsfaktoren über dem Schwellenwert von 2,3 muss die Begründung direkt aus dem OP-Bericht hervorgehen. Schwierigkeiten wie stark vernarbtes Empfängergewebe oder eine erschwerte Blutstillung sollten präzise dokumentiert werden.
Dokumentation: "...Nach Vorbereitung des Empfängerbetts am linken Unterschenkel erfolgt die Durchtrennung des Lappenstiels. Einpassen des Rundstiellappens in den Defekt (Größe 5x8 cm). Aufwendige, schichtweise Modellierung des Weichgewebes zur Anpassung an das Niveau der Umgebungshaut. Spannungsfreie Naht mit Einzelknopfknähten. Kontrolle der kapillären Rückfüllung: Lappen vital und gut durchblutet..."
GOÄ 2394: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz ist bei der GOÄ 2394 gut begründbar, wenn besondere anatomische oder operative Schwierigkeiten vorlagen. Typische Begründungen sind eine extreme Gewebebrüchigkeit, die Notwendigkeit einer mikrochirurgischen Gefäßanastomosierung zur Sicherung der Lappendurchblutung oder ein überdurchschnittlicher Zeitaufwand bei der kosmetischen Modellierung im Gesichtsbereich.
Typische Ziffernkombinationen
Bei ambulanter Durchführung der Implantation kann der Zuschlag nach GOÄ 445 (Zuschlag für ambulante operative Leistungen) hinzugerechnet werden. Dieser Zuschlag ist mit 400 Punkten bewertet und sichert zusätzliches Honorar. Nicht vergessen werden dürfen zudem die Ziffern für die Anästhesie (z. B. GOÄ 490ff.) sowie gegebenenfalls verwendete Materialien und Einmalinstrumente gemäß § 10 GOÄ.
Ziffer 2394 in der neuen GOÄ
Die bisherige Ziffer 2394 (Implantation eines Rundstiellappens – einschließlich Modellierung am Ort –) wird zur neuen Nummer 6540 — „Sekundäre Lappenkorrekturen". Der feste Satz beträgt 292,88 € (bisher beim 2,3-fachen Satz: 294,93 €).
Die Leistung nach Nummer 6540 ist je Lokalisation einmal berechnungsfähig Analog-Herkunft: Sekundäre Lappenkorrekturen wurden nach § 6 Abs. 2 GOÄ analog zu Nr. 2394 (Implantation und Modellierung eines Rundstiellappens) abgerechnet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2394
Was hat nicht gestimmt?