Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2540 für ventrikuläre intrakorporale Liquorableitungen wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen und Steigerungen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2540
Ventrikuläre intrakorporale Liquorableitung mittels Ventilsystem - 4500 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 2540 beschreibt die operative Etablierung einer inneren Ableitung von Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit aus den Hirnventrikeln in eine andere Körperhöhle. Diese neurochirurgische Leistung umfasst die vollständige Implantation des dafür notwendigen Ventilsystems inklusive aller Katheterkomponenten.
Ziel des Eingriffs ist die dauerhafte Druckentlastung des Gehirns bei gestörtem Liquorabfluss oder gestörter Resorption. Die Ziffer deckt sowohl die Erstimplantation als auch die vollständige operative Revision oder Neuanlage eines solchen Systems ab. Vorbereitende Maßnahmen und der operative Zugangsweg sind in der Leistung enthalten.
GOÄ 2540 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Der klinische Haupteinsatzbereich der GOÄ-Ziffer 2540 liegt in der Behandlung des Hydrocephalus. Ein solcher Zustand entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Liquorproduktion und -resorption, oft bedingt durch angeborene Fehlbildungen, postentzündliche Verklebungen oder Tumoren.
Bei der intrakorporalen Ableitung leitet der Operateur den Liquor über ein subkutan verlegtes Schlauchsystem meist in das Peritoneum oder in das venöse System ab. Die Wahl des Zielorgans bestimmt maßgeblich die operativen Begleitmaßnahmen und somit auch die Abrechnung von Kombinationsleistungen.
Achtung: Die Ableitung der Drainage in die tiefen Hals- und Thoraxvenen ist bereits mit dem Honorar der GOÄ-Ziffer 2540 abgegolten und darf nicht separat berechnet werden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2540
Fallbeispiel 1: Erstimplantation eines VP-Shunts
Ein Patient mit einem symptomatischen Normaldruckhydrozephalus erhält eine ventrikulo-peritoneale Liquorableitung. Der Neurochirurg implantiert das Ventilsystem und leitet den Liquor in die Bauchhöhle ab. Für den abdominalen Zugang erfolgt eine Laparotomie.
Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2540 für das Ventilsystem. Da die Ableitung in das Peritoneum erfolgt, wird die GOÄ-Ziffer 3205 für die Eröffnung des Bauchraums zusätzlich in Ansatz gebracht.
Fallbeispiel 2: Revision eines blockierten Ventilsystems
Bei einem Patienten mit bestehendem VP-Shunt zeigt sich ein Ventilverschluss. Der Operateur legt das Ventil über den cranialen Zugang frei, spült das System und ersetzt das defekte Ventil durch ein programmierbares Nachfolgemodell.
Obwohl es sich um eine Revision handelt, ist diese laut den Bestimmungen der GOÄ ebenfalls mit der GOÄ-Ziffer 2540 zu bewerten. Ein einfacherer Austausch rechtfertigt keine Minderung, komplexe Verwachsungen können jedoch über den Steigerungsfaktor abgebildet werden.
Fallbeispiel 3: Umwandlung in einen VA-Shunt
Nach multiplen peritonealen Infektionen muss ein bestehender VP-Shunt in einen ventrikulo-atrialen Shunt umgewandelt werden. Der ventrikuläre Katheter wird beibehalten, während der distale Katheter neu in den rechten Herzvorhof via Vena jugularis eingebracht wird.
Diese aufwendige Neuanlage des distalen Schenkels erfüllt die Kriterien der Revisionsoperation und wird mit der GOÄ-Ziffer 2540 berechnet. Die venöse Präparation ist im Leistungsumfang enthalten, weshalb hier keine zusätzliche Gefäßziffer für den venösen Zugang berechnet werden kann.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2540: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die gleichzeitige Berechnung von extrakorporalen Ableitungen. Die GOÄ-Ziffer 2542 für die extrakorporale Liquorableitung ist neben der Ziffer 2540 am selben Behandlungstag für denselben Eingriff explizit ausgeschlossen.
Ebenso führt die Nebeneinanderberechnung der GOÄ-Ziffer 2541 für die Ventrikulozisternostomie regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen. Diese Verfahren schließen sich gegenseitig aus, da sie alternative Wege der Liquorfluss-Wiederherstellung darstellen.
Ein weiterer Streitpunkt ist die unzulässige separate Abrechnung der Freilegung von Halsvenen bei VA-Shunts. Private Kostenträger verweisen hierbei korrekt auf die Allgemeinen Bestimmungen, wonach der operative Zugangsweg mit der Hauptleistung abgegolten ist.
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Dokumentation der GOÄ 2540: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist essenziell, um Honorarkürzungen erfolgreich abzuwehren. Der Operationsbericht muss die genaue Indikation, den gewählten Zugangsweg sowie die exakte Positionierung der Katheter detailliert beschreiben.
Besonders wichtig ist die Dokumentation des verwendeten Ventilsystems inklusive der eingestellten Druckstufen bei verstellbaren Ventilen. Auch eventuelle intraoperative Komplikationen oder anatomische Erschwernisse müssen präzise dokumentiert werden, um spätere Faktorerhöhungen zu rechtfertigen.
Dokumentation: "Trepanation rechts frontal, Einbringen des Ventrikelkatheters in das Vorderhorn des rechten Seitenventrikels. Anschluss an ein verstellbares Gravitationsventil (Einstellung: 110 mm H2O). Subkutane Tunnelierung des distalen Katheters bis zum Epigastrium. Laparotomie und Platzierung des Peritonealkatheters unter Sicht."
GOÄ 2540: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Schwellenwertes über den 2,3-fachen Satz hinaus bis zum 3,5-fachen Satz erfordert eine einzelfallbezogene Begründung. Typische Gründe im Rahmen der GOÄ-Ziffer 2540 sind ausgeprägte Vernarbungen bei Voroperationen, die die Präparation des Shunt-Verlaufs erheblich erschweren.
Auch anatomische Besonderheiten wie ein ausgeprägter Hydrocephalus hypersecretorius oder eine extreme Adipositas des Patienten, die die subkutane Tunnelierung erschwert, rechtfertigen einen höheren Steigerungsfaktor. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar auf der Liquidation formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ-Ziffer 2540 können weitere selbstständige operative Leistungen berechnet werden. Hierzu zählt insbesondere die GOÄ-Ziffer 3205 für die laparoskopische oder offene Platzierung des distalen Katheters im Bauchraum.
Ebenfalls kombinierbar sind Anästhesieleistungen sowie bildgebende Verfahren zur Lagekontrolle. Es ist darauf zu achten, dass keine Ziffern berechnet werden, die als unselbstständige Teilschritte der Shunt-Implantation anzusehen sind.
Tipp: Nutzen Sie bei der Abrechnung von Shunt-Revisionen konsequent die Möglichkeit der Steigerung, wenn Verwachsungen im Bereich des alten Katheterkanals die Operationszeit signifikant verlängert haben.
Ziffer 2540 in der neuen GOÄ
Die ventrikuläre intrakorporale Liquorableitung mittels Ventilsystem findet ihren Nachfolger in der neuen Nummer 8336 — zum Festpreis von 1.020,67 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 603,27 €). Der neue Leistungstitel ist erheblich weiter gefasst: Er erfasst Implantation, Revision, Explantation und Wechsel einer dauerhaften intrakorporalen Liquorableitung (ventrikulo-, zisterno-, subduroatrial oder -pleural oder -peritoneal) jeweils als selbständige Leistung, einschließlich der thorakalen oder abdominellen Eingriffe. Praktisch bedeutsam: Die nach alter GOÄ für die peritoneale Ableitung gesondert berechnungsfähige Nr. 3205 ist ausdrücklich in 8336 eingeschlossen; dieser zusätzliche Ansatz entfällt. Neu ist außerdem, dass die Implantation eines telemetrischen Shuntsensors als fakultativer Bestandteil in den Leistungsumfang aufgenommen wurde. Abrechenbar je selbständigem Eingriff.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2540
Was hat nicht gestimmt?