Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3205 für Endodrainagen birgt Fallstricke. Erfahren Sie, wie Sie typische Fehler vermeiden und rechtssicher abrechnen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3205
Anlage einer Endodrainage (z. B. Duodenum – Dünndarm – Leberpforte – Bauchhaut), zusätzlich zu anderen intraabdominalen Operationen
Die GOÄ-Ziffer 3205 beschreibt eine hochspezifische chirurgische Leistung im Rahmen von abdominalchirurgischen Eingriffen. Sie umfasst die gezielte Anlage einer inneren Ableitung (Endodrainage) zwischen verschiedenen Hohlorganen oder anatomischen Strukturen. Typische Beispiele hierfür sind Verbindungen zwischen dem Duodenum, dem Dünndarm, der Leberpforte oder direkt zur Bauchhaut.
Diese Leistung ist explizit als zusätzliche Maßnahme definiert, die neben einer anderen intraabdominalen Hauptoperation durchgeführt wird. Sie stellt einen eigenständigen operativen Schritt dar, der über die bloße Versorgung des Operationsgebietes hinausgeht. Vorbemerkungen des Kapitels L verdeutlichen, dass solche Zusatzleistungen separat bewertet werden, um den erhöhten chirurgischen Aufwand adäquat abzubilden.
GOÄ 3205 in der Praxis: Korrekte Anwendung und Indikation
In der chirurgischen Praxis kommt die GOÄ 3205 vor allem bei komplexen Rekonstruktionen im oberen Gastrointestinaltrakt zum Einsatz. Typische Indikationen sind Eingriffe an den Gallenwegen, der Bauchspeicheldrüse oder ausgedehnte Magen-Darm-Resektionen. Hierbei dient die Endodrainage der Sicherung von Anastomosen oder der gezielten Ableitung von Verdauungssäften.
Wichtig für die Abgrenzung ist, dass es sich nicht um eine prophylaktische Drainage des Operationsgebietes handelt. Die Maßnahme muss eine eigenständige therapeutische Funktion besitzen, wie beispielsweise die Schienung eines Gallengangs oder die gezielte Dekompressionsdrainage. Einfache Silikondrainagen, die lediglich zum Sekretabfluss am Ende einer Operation eingelegt werden, erfüllen diese Kriterien nicht.
Tipp: Prüfen Sie bei jeder abdominalchirurgischen Abrechnung, ob die eingelegte Drainage eine rein prophylaktische Wunddrainage war oder ob eine gezielte innere Ableitung (z. B. transhepatische Drainage) vorlag, um die GOÄ 3205 korrekt anzusetzen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3205
Fallbeispiel 1: Pankreaskopfresektion (Whipple-OP)
Bei einer Patientin mit einem Pankreaskopfkarzinom erfolgt eine klassische Whipple-Operation. Nach der Resektion wird zur Absicherung der Pankreatikojejunostomie eine zusätzliche interne Endodrainage vom Pankreasgang in den Dünndarm eingelegt. Da diese Maßnahme der gezielten Schienung dient und zusätzlich zur Hauptoperation erfolgt, ist die Abrechnung der GOÄ 3205 neben den Resektionsziffern vollkommen gerechtfertigt.
Fallbeispiel 2: Hepaticojejunostomie bei Gallengangsstenose
Bei einem Patienten mit einer hochsitzenden Gallengangsstenose wird eine Hepaticojejunostomie durchgeführt. Zur Sicherung der Anastomose an der Leberpforte legt der Operateur eine transhepatische Endodrainage zur Bauchhaut an. Diese aufwendige Zusatzleistung sichert den Galleabfluss und wird eigenständig mit der GOÄ 3205 liqudiert, wobei die Hauptleistung separat berechnet wird.
Fallbeispiel 3: Komplexe Dünndarmteilresektion
Im Rahmen einer ausgedehnten Adhäsiolyse und anschließenden Dünndarmteilresektion droht eine Anastomoseninsuffizienz. Der Operateur entscheidet sich zur Anlage einer protektiven Endodrainage des Dünndarms zur Bauchhaut. Da diese Drainage eine spezifische therapeutische Entlastung darstellt und kein einfacher Wundverschluss ist, kann die Ziffer 3205 zusätzlich angesetzt werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3205: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3205 ist die Verwechslung mit einer einfachen Wunddrainage. Private Krankenversicherungen (PKV) und Beihilfestellen streichen die Ziffer regelmäßig, wenn aus dem OP-Bericht lediglich das Einlegen einer Redon-Drainage oder einer Zieldrainage hervorgeht. Solche Standardmaßnahmen sind mit den Hauptleistungen oder der GOÄ-Ziffer 2015 abgegolten.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der versäumte Abzug der Eröffnungsleistung. Da die GOÄ 3205 als eigenständiger operativer Eingriff definiert ist, darf der Zugangsweg (z. B. die Laparotomie) nicht doppelt berechnet werden. Wird die Eröffnung bereits durch die Hauptoperation abgedeckt, muss bei der Nebeneinanderberechnung ein entsprechender Honorarabzug vorgenommen werden.
Achtung: Die bloße Platzierung eines Drainageschlauchs im Douglas-Raum oder im subhepatischen Raum am Ende einer Operation rechtfertigt niemals die GOÄ 3205. Dies führt bei Prüfungen unweigerlich zur Honorarkürzung.
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Dokumentation der GOÄ 3205: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation im Operationsbericht ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Der Operateur muss die medizinische Notwendigkeit und den genauen Verlauf der Endodrainage detailliert beschreiben. Aus dem Bericht muss klar hervorgehen, welche anatomischen Strukturen (z. B. von der Leberpforte zum Dünndarm) miteinander verbunden wurden.
Zudem sollte die therapeutische Zielsetzung (z. B. Entlastung, Schienung, Protektion) explizit genannt werden. Eine vage Formulierung wie Einlegen einer Drainage reicht nicht aus. Verwenden Sie stattdessen präzise Fachbegriffe, die den Charakter einer inneren Ableitung verdeutlichen.
Dokumentation: Nach Fertigstellung der Hepaticojejunostomie erfolgt die Anlage einer internen Endodrainage. Hierzu wird ein Charr-12-Katheter von den intrahepatischen Gallenwegen über die Anastomose hinweg in das jejunale Segment eingebracht und dort mittels resorbierbarer Naht fixiert, um eine postoperative Strikturierung zu verhindern.
GOÄ 3205: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 3205 kann bei erhöhtem operativem Aufwand über den Regelsatz von 2,3 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Faktorerhöhung bis zum 3.5-fachen Satz sind extreme anatomische Verhältnisse, ausgeprägte Verwachsungen im Oberbauch nach Voroperationen oder eine stark erhöhte Blutungsneigung. Auch eine erhebliche Adipositas permagna des Patienten kann als patientenindividuelle Begründung herangezogen werden.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 3205 wird regelhaft in Kombination mit großen abdominalchirurgischen Eingriffen abgerechnet. Typische Kombinationspartner sind Ziffern aus dem Bereich der Magen- und Darmchirurgie (z. B. GOÄ 3140 oder GOÄ 3150). Wichtig ist hierbei, dass die Zusatzleistung immer im direkten zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit der Hauptoperation steht, jedoch als eigenständiger Teilschritt dokumentiert wird.
Ziffer 3205 in der neuen GOÄ
Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3205 (Anlage einer Endodrainage (z. B. Duodenum – Dünndarm – Leberpforte – Bauchhaut), zusätzlich zu anderen intraabdominalen Operationen) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 301,64 €):
- Zuschlag: 10616 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 10615 für das Einbringung von Endodrainagen" (288,87 €) — bei Exploration des Bauchraumes bei Peritonitis oder nekrotisierender Pankreatitis
- 10774 „Operatives Einlegen und/oder Entfernen von nach intrakorporal ableitenden …" (424,14 €) — bei intrakorporal ableitend
- 10775 „Operatives Einlegen und/oder Entfernen von nach extrakorporal ableitenden …" (245,38 €) — bei Operatives Einlegen und/oder Entfernen von nach extrakorporal ableitenden Gallengangsdrainagen, ggf. einschließlich - Kontrastmittelapplikationen - Da
Bei andere intraabdominale Operation als 10614 sieht die neue GOÄ keine eigenständige Ziffer vor — die Leistung geht in der jeweiligen Hauptoperation auf.
Die Spanne reicht von 245,38 € bis 424,14 € — der genaue Ansatz ergibt sich aus dem Operationsbericht.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3205
Was hat nicht gestimmt?