Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 2015: So rechnen Sie das Anlegen von Redondrainagen und Antibiotikaketten rechtssicher ab. Tipps zu Ausschlüssen und Steigerung.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2015
Anlegen einer oder mehrerer Redondrainage(n) in Gelenke, Weichteile oder Knochen über einen gesonderten Zugang – gegebenenfalls einschließlich Spülung –
Die GOÄ-Ziffer 2015 beschreibt das operative Einbringen von Saug-Spül-Drainagen (Redondrainagen) in tiefere Gewebeschichten, Gelenkkapseln oder knöcherne Strukturen. Diese Maßnahme dient dem kontinuierlichen Abfluss von Wundsekret und Blut über ein geschlossenes Unterdrucksystem. Dadurch wird die Entstehung von postoperativen Hämatomen, Seromen oder Gelenkergüssen effektiv verhindert.
Die Leistung umfasst explizit das Anlegen über einen gesonderten Zugang. Das bedeutet, dass der Drainageschlauch nicht direkt durch die Operationswunde, sondern über eine separate Stichinzision nach außen geleitet werden muss. Eventuelle Spülungen, die unmittelbar im zeitlichen Zusammenhang mit der Anlage erfolgen, sind mit dieser Gebühr bereits vollständig abgegolten.
GOÄ 2015 in der Praxis: Indikationen und klinischer Einsatz
Die Indikation zur Einbringung einer Redondrainage nach GOÄ 2015 ist bei größeren chirurgischen, orthopädischen oder unfallchirurgischen Eingriffen gegeben. Typische Einsatzgebiete sind große Weichteileingriffe, Gelenkrekonstruktionen oder Osteosynthesen, bei denen mit einer relevanten postoperativen Nachblutung zu rechnen ist. Auch bei infizierten Wunden oder nach der Sanierung von Abszessen kommt die Ziffer regelmäßig zum Tragen.
Ein wichtiger Aspekt in der Praxis ist die analoge Anwendung der Ziffer 2015. Die Bundesärztekammer empfiehlt diese Ziffer ausdrücklich für das Einbringen von Antibiotikaketten (z. B. PMMA-Ketten) zur lokalen Infektbekämpfung im Knochen- oder Weichteilbereich. Dies erweitert das Abrechnungsspektrum dieser Ziffer in der orthopädischen Chirurgie erheblich.
Tipp: Dokumentieren Sie das Einbringen von Antibiotikaketten explizit als Analogabrechnung gemäß § 6 Abs. 2 GOÄ, um Erstattungsprobleme mit privaten Krankenversicherungen von vornherein zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2015
Fallbeispiel 1: Postoperative Drainage nach Knie-TEP
Nach der Implantation einer Knie-Totalendoprothese bringt der Operateur über eine separate Stichinzision lateral des Kniegelenks eine Redondrainage ein. Die Hauptoperation wird nach den entsprechenden Ziffern des Abschnitts L berechnet. Das Anlegen der Drainage wird zusätzlich mit der GOÄ-Ziffer 2015 liquidiert, da der Zugang separat erfolgte.
Fallbeispiel 2: Einbringen einer Antibiotikakette bei Osteomyelitis
Bei einem Patienten mit chronischer Osteomyelitis des Schienbeins erfolgt ein chirurgisches Debridement. Zur lokalen Infekttherapie wird eine PMMA-Kette in die Knochenhöhle eingelegt. Diese Leistung wird als GOÄ 2015 analog abgerechnet, da das Einbringen von medikamentösen Trägermaterialien im Gebührenverzeichnis nicht eigenständig abgebildet ist.
Fallbeispiel 3: Versorgung einer tiefen Oberschenkel-Schnittwunde
Nach der Versorgung einer tiefen, stark blutenden Weichteilwunde am Oberschenkel entscheidet sich der Arzt für das Einbringen von zwei Redondrainagen über getrennte Stichkanäle. Obwohl zwei Drainagen gelegt wurden, darf die GOÄ-Ziffer 2015 nur einmal berechnet werden. Die Mehrzahl der Drainagen kann jedoch als Begründung für einen erhöhten Steigerungssatz herangezogen werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2015: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die mehrfache Berechnung der Ziffer 2015 für dieselbe Wunde. Der offizielle Leistungstext definiert die Ziffer für das "Anlegen einer oder mehrerer" Drainagen. Eine Mehrfachabrechnung pro Sitzung und anatomischer Region ist daher ausgeschlossen, selbst wenn mehrere Schläuche platziert wurden.
Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Kostenträgern ist die Abgrenzung zur GOÄ-Ziffer 2093 (Spülung einer Wunde). Spülungen, die während der Anlage der Drainage durchgeführt werden, sind Bestandteil der Ziffer 2015. Nur Spülungen, die an den Folgetagen über die liegende Drainage erfolgen, dürfen separat nach Ziffer 2093 liquidiert werden.
Achtung: Die gleichzeitige Abrechnung der GOÄ-Ziffern 2015 und 2032 (Spalthauttransplantation) am selben Operationstag ist laut den allgemeinen Bestimmungen explizit ausgeschlossen und führt bei Prüfungen unweigerlich zur Streichung.
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Dokumentation der GOÄ 2015: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation im Operationsbericht unerlässlich. Es muss zweifelsfrei hervorgehen, dass die Drainage über einen gesonderten Zugang und nicht über den bestehenden Hauptschnitt eingebracht wurde. Auch die anatomische Lokalisation (z. B. Gelenkspalt oder tiefe Loge) sollte präzise benannt werden.
Bei der analogen Anwendung für Antibiotikaketten muss die Dokumentation den therapeutischen Nutzen und die genaue Lage des Trägermaterials beschreiben. Dies erleichtert die Argumentation bei eventuellen Rückfragen der privaten Krankenversicherungen oder des Medizinischen Dienstes.
Dokumentationsbeispiel: "Nach schichtweisem Wundverschluss Einbringen einer Redondrainage (Größe CH 10) in den Kniegelenkspalt über eine separate Stichinzision anterolateral. Anschluss an Unterdrucksystem, Funktion geprüft."
GOÄ 2015: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Regelsatz der GOÄ 2015 liegt bei 8,05 € (2,3-facher Satz). Bei erschwerten Bedingungen kann die Ziffer bis zum 3,5-fachen Satz (12,25 €) gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung sind stark vernarbtes Gewebe im Zugangsbereich, anatomische Varianten, ein erhöhtes Blutungsrisiko oder das Platzieren der Drainage unter schwierigen Sichtverhältnissen.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 2015 wird selten isoliert, sondern meist im Rahmen größerer operativer Eingriffe berechnet. Sie ist gut kombinierbar mit den Ziffern für Osteosynthesen, Arthroskopien oder Exzisionen. Zu beachten ist, dass die spätere Entfernung der Drainage nicht nach 2015 berechnet werden kann. Hierfür ist die GOÄ-Ziffer 2007 (Verbandwechsel, gegebenenfalls mit Drainageentfernung) heranzuziehen.
Ziffer 2015 in der neuen GOÄ
Für die Anlegen einer oder mehrerer Redondrainage(n) in Gelenke, Weichteile oder Knochen über einen gesonderten Zugang – gegebenenfalls einschließlich Spülung – (8,05 € beim heutigen 2,3-fachen Satz) sieht der Entwurf keine eigenständige Nachfolgeleistung vor — der Aufwand wird in anderen Leistungen mitabgegolten.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2015
Was hat nicht gestimmt?