Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2598 birgt bei der analogen Anwendung für die Facettenrhizotomie Fallstricke. Erfahren Sie, wie Sie Honorarverluste vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2598
GOÄ-Ziffer 2598: Stereotaktische Thermokoagulation des Ganglion Gasseri – 1400 Punkte
Die Leistung beschreibt einen hochpräzisen neurochirurgischen Eingriff an der Schädelbasis. Ziel ist die gezielte Ausschaltung von Schmerzfasern des Trigeminusnervs bei therapierebellen Neuralgien. Hierbei wird eine Sonde unter radiologischer Kontrolle in das Ganglion Gasseri eingeführt und das Gewebe durch Hitze verödet.
Die Ziffer ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter den neurochirurgischen Leistungen verortet. Sie umfasst die gesamte operative Leistung inklusive der stereotaktischen Zielführung und der eigentlichen Thermokoagulation. Eine gesonderte Berechnung der Zielführung ist in der Regel nicht zulässig.
GOÄ 2598 in der Praxis: Analoge Anwendung bei Facettenrhizotomie
In der täglichen Praxis wird die GOÄ-Ziffer 2598 besonders häufig im Rahmen einer Analogbewertung herangezogen. Da die moderne Facettenrhizotomie oder Kryoläsion der Rami dorsales nicht direkt in der GOÄ abgebildet ist, erfolgt die Abrechnung gemäß § 6 Absatz 2 GOÄ analog.
Die Bundesärztekammer (BÄK) hat in ihren Stellungnahmen bestätigt, dass dieses Vorgehen aufgrund der Ähnlichkeit von Zeitaufwand und technischer Schwierigkeit gerechtfertigt ist. Voraussetzung für die analoge Abrechnung ist jedoch eine stereotaktisch-röntgenologische Kontrolle während des Eingriffs.
Tipp: Bei der analogen Abrechnung sollte der Zusatz „analog“ sowie die konkrete Bezeichnung der erbrachten Leistung wie „Facettenrhizotomie“ auf der Rechnung angegeben werden, um Rückfragen von Kostenträgern zu vermeiden.
Die Abrechnung unterliegt strengen Mengenbegrenzungen. Die BÄK betont, dass eine Abrechnung „je Segment und Seite“ unzulässig ist, da dies zu einer unverhältnismäßigen Honorierung im Vergleich zu komplexeren neurochirurgischen Eingriffen führen würde.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ-Ziffer 2598
Fallbeispiel 1: Klassische Thermokoagulation bei Trigeminusneuralgie
Ein Patient stellt sich mit einer therapierefraktären Trigeminusneuralgie vor. Es erfolgt die stereotaktische Thermokoagulation des Ganglion Gasseri unter Röntgenkontrolle.
Die Abrechnung erfolgt mit der Originalziffer GOÄ 2598 zum Regelsatz. Da der Eingriff ambulant in der Praxis durchgeführt wurde, kann zusätzlich der Zuschlag 445 für die Anwendung eines Operationsmikroskops oder Lasers angesetzt werden.
Fallbeispiel 2: Analoge Facettenrhizotomie an zwei Segmenten
Bei einer Patientin mit chronischem Facettensyndrom wird eine thermische Denervation der Rami dorsales an den Segmenten L4/L5 und L5/S1 auf der rechten Seite durchgeführt. Dies entspricht insgesamt zwei Facettengelenken.
Da die Denervation von bis zu drei Facetten auf einer Seite durch den einmaligen Ansatz der Ziffer abgegolten ist, wird die GOÄ-Ziffer 2598 analog genau einmal berechnet. Ein mehrfacher Ansatz ist in diesem Szenario ausgeschlossen.
Fallbeispiel 3: Beidseitige Facettendenervation an mehreren Segmenten
Es erfolgt eine Kryoläsion der Rami dorsales an jeweils drei Segmenten beidseitig (insgesamt sechs Facettengelenke, drei links und drei rechts).
Da es sich um zwei getrennte Körperseiten handelt, kann die GOÄ-Ziffer 2598 analog zweimal berechnet werden. In der Liquidation muss die Seitenangabe (rechts/links) zwingend dokumentiert werden, um die zweifache Abrechnung transparent zu begründen.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2598: Was Prüfer beanstanden
Der häufigste Fehler liegt in der unzulässigen Vervielfachung der Ziffer bei der Facettenrhizotomie. Viele Praxen berechnen die Leistung fälschlicherweise je behandeltem Segment, was von privaten Krankenversicherungen und Beihilfestellen regelmäßig gekürzt wird.
Achtung: Die Bundesärztekammer hat klargestellt, dass die GOÄ 2598 analog erst ab der vierten Facette derselben Seite ein zweites Mal berechnet werden darf. Eine Abrechnung pro Segment verstößt gegen das Gleichwertigkeitsprinzip des § 6 Abs. 2 GOÄ.
Ein weiterer Fehler ist die Missachtung von Ausschlussziffern. Die GOÄ-Ziffer 2598 darf nicht neben der GOÄ-Ziffer 2597 (stereotaktische Operation an tiefen Hirnstrukturen) abgerechnet werden. Auch die Kombination mit anderen interventionellen Schmerztherapien am selben Tag muss medizinisch begründet und formal zulässig sein.
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Dokumentation der GOÄ 2598: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Für die Abrechnung der GOÄ 2598 – insbesondere in der analogen Anwendung – müssen die technischen Details des Eingriffs präzise in der Patientenakte festgehalten werden.
Dazu gehören die Dokumentation der Röntgenkontrolle, die genaue Identifikation der behandelten Segmente und Seiten sowie die Angabe der verwendeten Sonden und Parameter (z. B. Temperatur und Dauer der Koagulation).
Dokumentation: Stereotaktisch-röntgenologisch kontrollierte Thermokoagulation der Rami dorsales L4 bis S1 rechts. Platzierung der Koagulationssonde unter Bildwandlerkontrolle in zwei Ebenen. Thermoläsion bei 80 °C für 90 Sekunden je Lokalisation. Keine Komplikationen.
Fehlt der Nachweis der bildgebenden Kontrolle oder der genauen Anzahl der behandelten Facetten, kann der Kostenträger die Erstattung der Analogziffer komplett verweigern.
GOÄ 2598: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Der Schwellenwert von 2,3 kann bei Vorliegen besonderer Umstände bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung bei der GOÄ 2598 sind:
- Schwierige anatomische Verhältnisse durch fortgeschrittene degenerative Veränderungen der Wirbelsäule.
- Erhöhter Zeitaufwand bei der Platzierung der Sonde aufgrund von ausgeprägten Narbenbildungen nach Voroperationen.
- Besondere Unruhe des Patienten, die eine kontinuierliche Überwachung und wiederholte Justierung der Nadeln erforderte.
Typische Ziffernkombinationen
Häufig wird die GOÄ 2598 zusammen mit Anästhesieleistungen oder bildgebenden Verfahren erbracht. Zulässig ist die Kombination mit der GOÄ-Ziffer 3451 (Röntgen-Durchleuchtung) zur Lagekontrolle, sofern diese nicht bereits integraler Bestandteil einer anderen berechneten Leistung ist. Auch die Lokalanästhesie nach GOÄ-Ziffer 491 ist in der Regel neben der neurochirurgischen Leistung ansetzbar.
Ziffer 2598 in der neuen GOÄ
Die stereotaktische Thermokoagulation des Ganglion Gasseri (alte Nr. 2598, 2,3-facher Satz: 187,68 €) geht in der neuen GOÄ gemeinsam mit der verwandten Nr. 2597 in einer Nachfolgeregelung auf:
- Nummer 8323 „Destruktive Maßnahmen am Ganglion Gasseri, auch stereotaktisch, ggf. einschließlich Neurolysen, Stimulationen und Exzisionen von Geweben" (483,22 €, je Eingriff) — der direkte Nachfolger. Chemische und thermische Destruktion werden zusammengeführt; die frühere Trennlinie zwischen Nr. 2597 und Nr. 2598 entfällt. Die alte Nr. 2597 und Nr. 2598 schlossen sich gegenseitig aus; diese Einschränkung entfällt durch die neue einheitliche Ziffer.
- Nummer 8571 „Perkutane Denervation der Facettengelenke, in einem Segment, als selbständige Leistung, je Seite" (78,24 €, je Segment und Seite) — wenn Nr. 2598 analog für perkutane Facettenrhizotomie oder Kryoläsion der Rami dorsales verwendet wurde (BÄK-Empfehlung von 1993/2003).
- Nummer 8569 „Offen chirurgische Arthroplastik und/oder Denervation der Facettengelenke, in einem Segment, als selbständige Leistung, je Seite" (161,93 €, je Segment und Seite) — für offene chirurgische Facettengelenkdenervation.
Beim Abrechnungsmodus für Facettenrhizotomien ändert sich das System: Nr. 8571 ist je Segment und Seite separat berechnungsfähig, für Iliosakralgelenk-Denervation sogar zweimal je Seite.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2598
Was hat nicht gestimmt?