Ein Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer 2900 bei portalem Hochdruck. Vermeiden Sie Honorarverluste durch korrekte Dokumentation und Kombination.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 2900
GOÄ 2900: Operation bei portalem Hochdruck durch Dissektion – 3140 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 2900 beschreibt eine hochspezialisierte chirurgische Leistung aus dem Bereich der Venenchirurgie. Ziel des Eingriffs ist die operative Drucksenkung im Pfortaderkreislauf durch eine gezielte Dissektion von Gefäßstrukturen. Diese Maßnahme wird notwendig, wenn ein pathologisch erhöhter Druck im Pfortadersystem vorliegt, der konservativ oder interventionell nicht ausreichend therapiert werden kann.
Die Leistung umfasst die gesamte operative Präparation, die Freilegung der relevanten Gefäße sowie die eigentliche Dissektion zur Entlastung des portalen Kreislaufs. Da es sich um einen komplexen viszeralchirurgischen beziehungsweise gefäßchirurgischen Eingriff handelt, sind die Anforderungen an die Sorgfaltspflicht und die chirurgische Präzision außerordentlich hoch.
GOÄ 2900 in der Praxis: Indikationen und klinischer Kontext
Der portale Hochdruck (portale Hypertension) entsteht meist als Folge einer chronischen Lebererkrankung, insbesondere der Leberzirrhose. Auch posthepatische oder prähepatische Blockaden, wie eine Pfortaderthrombose, können ursächlich sein. Die operative Dissektion nach GOÄ 2900 stellt eine effektive Methode dar, um lebensbedrohliche Komplikationen wie rezidivierende Ösophagusvarizenblutungen oder therapierefraktären Aszites zu behandeln.
In der modernen Medizin wird dieser Eingriff häufig dann erwogen, wenn interventionelle Verfahren wie der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt (TIPS) kontraindiziert oder technisch nicht durchführbar sind. Die chirurgische Druckentlastung erfordert eine exakte präoperative Diagnostik mittels Duplexsonographie oder CT-Angiographie, um die anatomischen Verhältnisse genau zu beurteilen.
Tipp: Vor der Durchführung des Eingriffs sollte eine umfassende interdisziplinäre Evaluation stattfinden, um die optimale chirurgische Strategie festzulegen und die Indikation lückenlos zu dokumentieren.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 2900
Fallbeispiel 1: Operative Entlastung bei Leberzirrhose
Ein Patient mit fortgeschrittener Leberzirrhose leidet unter rezidivierenden, lebensbedrohlichen Blutungen aus Ösophagusvarizen. Nach erfolgloser endoskopischer Sklerosierung wird die Indikation zur operativen Entlastung gestellt. Der Chirurg führt eine erfolgreiche Dissektion zur Druckminderung im Pfortadersystem durch. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 2900 zum Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.
Fallbeispiel 2: Erschwerte Präparation bei Zustand nach Voroperationen
Bei einer Patientin mit portalem Hochdruck aufgrund einer Pfortaderthrombose soll eine operative Dissektion durchgeführt werden. Aufgrund ausgeprägter abdomineller Adhäsionen nach mehreren Voroperationen gestaltet sich die Präparation der Gefäße extrem schwierig und zeitaufwendig. Der Eingriff dauert doppelt so lange wie üblich. Die Abrechnung der GOÄ 2900 erfolgt hier mit dem Höchstsatz (3,5-fach) unter Angabe der konkreten Begründung (zeitaufwendige Adhäsiolyse).
Fallbeispiel 3: Akute Intervention bei therapierefraktärem Aszites
Ein Patient stellt sich mit massiven, therapierefraktären Aszitesbeschwerden vor, die auf einen portalen Hochdruck zurückzuführen sind. Nach Ausschöpfung aller konservativen Optionen erfolgt die operative Dissektion zur Druckentlastung. Der Eingriff verläuft komplikationslos. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 2900 mit dem Regelhöchstsatz von 420,95 Euro, da der Verlauf dem typischen Schwierigkeitsgrad entspricht.
Häufige Fehler bei der GOÄ 2900: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 2900 ist die Missachtung der expliziten Ausschlussziffern. Die Ziffern 2901 (Shunt-Operation bei portalem Hochdruck) und 2902 (andere Shunt-Operationen) dürfen nicht am selben Behandlungstag neben der Ziffer 2900 abgerechnet werden. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen prüfen diese Kombinationen sehr genau und streichen fehlerhafte Liquidationen konsequent.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Abgrenzung zu reinen Gefäßdissektionen an anderen Lokalisationen. Die GOÄ 2900 ist spezifisch für den portalen Hochdruck reserviert. Die Verwendung dieser hochbewerteten Ziffer für allgemeine venenchirurgische Eingriffe ohne Vorliegen einer portalen Hypertension führt regelmäßig zu Beanstandungen im Prüfverfahren.
Achtung: Die parallele Abrechnung von Ziffer 2900 mit den Ziffern 2901 oder 2902 ist absolut unzulässig. Achten Sie darauf, dass nur das tatsächlich primär durchgeführte Verfahren liquidiert wird.
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Dokumentation der GOÄ 2900: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Fundament, um Honorarkürzungen abzuwehren. Im Operationsbericht müssen die Indikation, der genaue operative Zugangsweg und die Darstellung der Pfortadergefäße detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Durchführung der Dissektion und die dadurch erzielte Druckentlastung müssen klar aus dem Bericht hervorgehen.
Falls ein erhöhter Steigerungsfaktor angewendet wird, müssen die dafür ausschlaggebenden Faktoren (z. B. extreme Adhäsionen, hoher Blutverlust, anatomische Varianten) bereits im OP-Bericht ausführlich und nachvollziehbar dargelegt werden. Eine nachträgliche Begründung ohne entsprechende Verankerung im Operationsprotokoll wird von Prüfstellen meist nicht anerkannt.
Dokumentationsbeispiel: "Diagnose: Portale Hypertension bei Child-Pugh-B-Leberzirrhose. Durchführung einer operativen Dissektion zur Druckentlastung. Darstellung der Pfortader unter schwierigen anatomischen Verhältnissen bei ausgeprägter Kollateralisation. Sorgfältige Dissektion der Gefäßstrukturen, Blutstillung und schichtweiser Wundverschluss."
GOÄ 2900: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die GOÄ-Ziffer 2900 kann bei Vorliegen besonderer Umstände bis zum Höchstsatz von 3,5 gesteigert werden. Dies entspricht einem Honorar von 640,57 Euro. Typische Begründungen für eine Schwellenwertüberschreitung (über 2,3-fach) sind eine außergewöhnlich lange Operationsdauer, stark vernarbtes Gewebe durch Voroperationen oder eine akut lebensbedrohliche Blutungssituation während des Eingriffs. Die Begründung muss patientenbezogen und medizinisch plausibel formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der operativen Leistung nach GOÄ 2900 können begleitende Leistungen wie die Anästhesie, postoperative Überwachungsleistungen oder spezielle Ultraschalldiagnostik (z. B. intraoperative Duplexsonographie) abgerechnet werden. Auch die Verwendung von Spezialinstrumenten oder Verbrauchsmaterialien kann unter Beachtung der allgemeinen Bestimmungen der GOÄ gesondert in Rechnung gestellt werden. Eine Kombination mit anderen großen viszeralchirurgischen Eingriffen ist unter Beachtung des Zielleistungsprinzips im Einzelfall zu prüfen.
Ziffer 2900 in der neuen GOÄ
Ziffer 2900 wird als neue Nummer 9734 fortgeführt — „Sperroperation bei portalem Hochdruck". Der feste Satz beträgt 693,10 € (bisheriger 2,3-facher Satz: 420,95 €).
Die neue Bezeichnung verwendet für die operative Unterbrechung bei portalem Hochdruck den Begriff Sperroperation (Devaskularisation/-Dissektion des gastroösophagealen Übergangs). Terminologisch bezeichnet 'Dissektion' die chirurgische Durchtrennung von Gefäßverbindungen, 'Sperroperation' die Unterbrechung der Blutstrombahn in diesem Bereich – beide beschreiben die gleiche Operationstechnik (Sugiura/Hassab).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 2900
Was hat nicht gestimmt?