Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3070 (Anlage eines Vorhofseptumdefektes). Erfahren Sie alles zu Fallstricken, Steigerungssätzen und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3070
Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 3070 wie folgt:
Operative Anlage eines Vorhofseptumdefektes – 3000 Punkte
Diese Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter dem Unterabschnitt XIII (Herzchirurgie) verortet. Sie umfasst die gezielte Schaffung einer Verbindung zwischen dem rechten und linken Vorhof des Herzens. Ziel dieses Eingriffs ist es, bei bestimmten zyanotischen Herzfehlern eine ausreichende Durchmischung von sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut zu gewährleisten.
Obwohl der historische Wortlaut primär auf ein offenes operatives Vorgehen abzielt, fallen heute unter diese Ziffer vor allem die modernen, interventionellen Katheterverfahren. Die medizinische Entwicklung hat dazu geführt, dass die Ziffer 3070 als Abrechnungsgrundlage für diese hochspezialisierten kardiologischen Eingriffe herangezogen wird.
GOÄ 3070 in der Praxis: Indikationen und interventionelle Verfahren
Die klinische Hauptindikation für die Anwendung der GOÄ 3070 liegt in der palliativen Versorgung von Neugeborenen mit schweren angeborenen Herzfehlern. Hierzu zählen insbesondere die Transposition der großen Arterien (TGA) sowie die totale Lungenvenenfehlmündung (TAPVC). Ohne eine künstlich geschaffene Shunt-Verbindung auf Vorhofebene sind diese Fehlbildungen unmittelbar nach der Geburt lebensbedrohlich.
Historisch wurde dieser Eingriff als geschlossene atriale Septektomie nach Blalock-Hanlon durchgeführt. In der modernen Medizin hat sich jedoch das interventionelle Verfahren mittels Katheter, die sogenannte Rashkind-Ballonatrioseptektomie, als Standard etabliert. Hierbei wird ein Ballonkatheter über die Nabelvene oder die Leistenvene in den linken Vorhof vorgebracht, dort aufgeblasen und mit Zug in den rechten Vorhof zurückgezogen, um das Septum einzureißen.
Tipp: Auch wenn das Rashkind-Manöver minimalinvasiv per Katheter erfolgt, ist die Abrechnung über die operative Ziffer 3070 (ggf. analog) korrekt, da das Behandlungsziel und der medizinische Aufwand der operativen Ziffer entsprechen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3070
Fallbeispiel 1: Rashkind-Manöver bei Neugeborenem mit TGA
Ein Neugeborenes mit einer pränatal bekannten Transposition der großen Arterien zeigt postpartal eine kritische Zyanose. Es erfolgt die sofortige Verlegung in das Herzkatheterlabor zur Durchführung einer Notfall-Atrioseptektomie. Der interventionelle Kardiologe führt erfolgreich eine Ballonatrioseptektomie nach Rashkind durch.
Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 3070. Da es sich um einen hochakuten Notfall unter schwierigen anatomischen Bedingungen beim Neugeborenen handelt, wird ein erhöhter Steigerungssatz von 3,5-fach begründet.
Fallbeispiel 2: Palliative Septektomie bei totaler Lungenvenenfehlmündung
Bei einem Säugling mit totaler Lungenvenenfehlmündung und restriktivem Foramen ovale wird eine Entlastung des linken Vorhofs notwendig. Der Eingriff wird interventionell im Herzkatheterlabor durchgeführt, um die Überlebenszeit bis zur definitiven Korrekturoperation zu überbrücken.
Neben den diagnostischen Katheterleistungen wird die therapeutische Eröffnung des Septums mit der Ziffer 3070 liquidiert. Die Dokumentation weist die kritische hämodynamische Situation als Begründung für den Eingriff aus.
Fallbeispiel 3: Operative atriale Septektomie nach Blalock-Hanlon
In einem seltenen Ausnahmefall, bei dem ein interventionelles Vorgehen aufgrund anatomischer Besonderheiten scheitert, muss die Eröffnung des Vorhofseptums chirurgisch-operativ erfolgen. Der Herzchirurg führt eine geschlossene atriale Septektomie am schlagenden Herzen durch.
Hierbei handelt es sich um die klassische operative Erbringung der Leistung. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ 3070 zum Regelsatz, da keine unvorhergesehenen Komplikationen auftraten, der chirurgische Aufwand jedoch vollumfänglich abgebildet wird.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3070: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung der GOÄ 3070 ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von rein diagnostischen Teilschritten. Private Krankenversicherungen prüfen kritisch, ob die zur Vorbereitung des Shunts notwendigen Sondierungen und Kontrastmitteleinbringungen separat liquidiert wurden. Diese sind oft als unselbstständige Teilschritte der therapeutischen Hauptleistung anzusehen.
Zudem wird häufig übersehen, dass die Ziffer 3070 nicht für den interventionellen Verschluss eines Vorhofseptumdefektes (z. B. mittels ASD-Okkluder) herangezogen werden darf. Für den Verschluss existieren eigene, spezifische Ziffern im GOÄ-Katalog. Eine Verwechslung von "Anlage" und "Verschluss" führt unweigerlich zur Beanstandung und Honorarkürzung.
Achtung: Die zeitgleiche Abrechnung von Ziffern für einfache Rechtsherzkatheterisierungen neben der therapeutischen Ziffer 3070 wird von Prüfstellen oft gestrichen, wenn diese nicht als eigenständige, medizinisch getrennte Leistungen begründet werden können.
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Dokumentation der GOÄ 3070: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Instrument zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operations- oder Katheterbericht müssen alle Schritte detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Indikationsstellung (z. B. echokardiographisch gesicherte TGA mit restriktivem Foramen ovale) muss klar aus der Akte hervorgehen.
Bei der Durchführung des Rashkind-Manövers sollten die verwendeten Katheter, die Anzahl der Ballonpassagen sowie der erzielte Durchmesser des Defekts dokumentiert werden. Auch die prä- und postinterventionellen Sauerstoffsättigungswerte und Druckgradienten dienen als Beleg für die medizinische Notwendigkeit und den Erfolg des Eingriffs.
Dokumentationsbeispiel: "Indikation: Kritische Zyanose bei TGA. Interventionelles Rashkind-Manöver über die Vena umbilicalis. Platzierung des Ballonkatheters im linken Vorhof unter echokardiographischer Kontrolle. Blockung des Ballons auf 12 mm und rascher Rückzug durch das Vorhofseptum. Postinterventionell breiter Shunt im Farbdoppler nachweisbar, Anstieg der systemischen Sättigung von 60% auf 85%."
GOÄ 3070: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Aufgrund der Komplexität von Eingriffen am Herzen bei Neugeborenen und Säuglingen ist eine Überschreitung des Schwellenwertes (2,3-fach) häufig medizinisch begründbar. Typische Kriterien für eine Faktorerhöhung bis zum 3,5-fachen Satz sind ein extrem geringes Geburtsgewicht, anatomische Varianten des Gefäßsystems oder das Auftreten von Herzrhythmusstörungen während des Eingriffs.
Auch ein erhöhter Zeitaufwand durch schwierige Punktionsverhältnisse bei kritisch kranken Patienten rechtfertigt eine Steigerung. Die Begründung muss patientenindividuell und nachvollziehbar in der Rechnung formuliert werden.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 3070 können begleitende Leistungen abrechnungsfähig sein, sofern sie eigenständige Indikationen besitzen. Hierzu gehören die Echokardiographie (z. B. GOÄ 424) zur Steuerung des Eingriffs sowie Anästhesieleistungen. Die Kombination mit rein diagnostischen Herzkatheterziffern ist nur dann zulässig, wenn im selben Zuge eine eigenständige, über die reine Interventionsvorbereitung hinausgehende Diagnostik stattfindet.
Ziffer 3070 in der neuen GOÄ
Ziffer 3070 (Operative Anlage eines Vorhofseptumdefektes) verzweigt in der neuen GOÄ je nach Technik oder Indikation. Bisheriger 2,3-facher Satz: 402,18 €.
- bei interventionelle Vorhofseptumerweiterung per Katheter (z.B. Rashkind-Septostomie): 3050 „Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 3001, 3007 oder 3046 für die Vorhofseptumerweiterung" (162,58 €) [Zuschlag]
- 9593 „Offen chirurgische Anlage eines Vorhofseptumdefektes" (171,56 €) — 1x je Sitzung
Die Bandbreite reicht von 162,58 € bis 171,56 € — die Dokumentation des konkreten Vorgehens entscheidet über die Ziffer.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3070
Was hat nicht gestimmt?