Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3153 (Pyloroplastik): Erfahren Sie alles über Indikationen, typische Fehler, Ausschlüsse und Steigerungsfaktoren.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3153
Pyloroplastik – 3000 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 3153 beschreibt die operative Erweiterung des Magenausgangs (Pylorus). Diese chirurgische Maßnahme wird angewendet, um eine Verengung des Übergangs vom Magen zum Zwölffingerdarm zu beseitigen. Die Leistung ist im Abschnitt L (Chirurgie, Orthopädie) unter der Rubrik der Abdominalchirurgie verortet.
Inhaltlich umfasst die Ziffer die vollständige Durchführung der plastischen Erweiterung des Pyloruskanals. Hierzu gehören der operative Zugang, die Mobilisation des Gewebes, die Inzision sowie die anschließende plastische Rekonstruktion. Typische Operationsverfahren wie die Techniken nach Heineke-Mikulicz oder nach Finney sind hiermit abgegolten.
GOÄ 3153 in der Praxis: Indikationen und operative Verfahren
Die Indikation zur Durchführung einer Pyloroplastik nach GOÄ 3153 ist primär die organische Pylorusstenose. Diese kann durch vernarbte Ulzera, chronische Entzündungen oder angeborene Fehlbildungen verursacht werden. Ziel des Eingriffs ist die dauerhafte Wiederherstellung einer ungehinderten Magenpassage für den Speisebrei.
In der modernen Chirurgie kommen verschiedene plastische Verfahren zum Einsatz. Neben der klassischen Längsinzision mit anschließender Quervernähung (Heineke-Mikulicz) etablierte sich auch die U-förmige Gastroduodenostomie nach Finney. Auch die submuköse Pyloroplastik fällt unter den Leistungsumfang dieser Gebührenziffer.
Tipp: Achten Sie darauf, dass die Wahl des spezifischen Operationsverfahrens im OP-Bericht detailliert beschrieben wird, um Rückfragen der Kostenträger zu vermeiden.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3153
Fallbeispiel 1: Heineke-Mikulicz-Plastik bei Ulkusstenose
Ein Patient stellt sich mit einer hochgradigen, vernarbten Magenausgangsstenose nach rezidivierenden Duodenalulzera vor. Es erfolgt die operative Freilegung und eine plastische Erweiterung des Pylorus in der Technik nach Heineke-Mikulicz. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die GOÄ-Ziffer 3153 zum Regelsatz (2,3-fach).
Fallbeispiel 2: Pyloroplastik nach Finney bei ausgeprägter Vernarbung
Aufgrund einer ausgeprägten narbigen Verziehung des Pylorusbereichs ist eine einfache Plastik nicht ausreichend. Der Operateur entscheidet sich für eine plastische Rekonstruktion nach Finney. Da der Eingriff aufgrund der anatomischen Verhältnisse besonders zeitaufwendig ist, wird die Ziffer 3153 mit erhöhtem Steigerungsfaktor (z. B. 3,2-fach) liquidiert.
Fallbeispiel 3: Submuköse Pyloromyotomie/Pyloroplastik
Bei einem Patienten wird eine submuköse Pyloroplastik zur Behebung einer Passagebehinderung durchgeführt. Auch diese spezielle Modifikation der plastischen Rekonstruktion wird regelkonform über die Ziffer 3153 abgerechnet. Begleitende Standardmaßnahmen wie die intraoperative Blutstillung sind mit der Gebühr abgegolten.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3153: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von sich ausschließenden Leistungen. Die GOÄ-Ziffer 3153 darf explizit nicht neben der Ziffer 3154 (Pyloromyotomie) abgerechnet werden. Da die Myotomie eine Teilkomponente oder eine alternative Methode darstellt, ist dieser Ausschluss zwingend einzuhalten.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Kombination mit einer Vagotomie. Wird die Pyloroplastik im Rahmen einer Vagotomie durchgeführt, greift die speziellere Kombinationsziffer GOÄ 3155. Eine separate Abrechnung der Ziffer 3153 ist in diesem Fall unzulässig und führt regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen.
Achtung: Prüfen Sie vor der Rechnungsstellung genau, ob zeitgleich eine Vagotomie durchgeführt wurde. Die fehlerhafte Doppelabrechnung von Vagotomie und Pyloroplastik wird von Prüfstellen sofort gestrichen.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 3153: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das wichtigste Fundament zur Abwehr von Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die Indikation, der gewählte operative Zugangsweg sowie die exakte Schnittführung detailliert festgehalten werden. Auch die Darstellung der anatomischen Engstelle ist essenziell.
Zusätzlich sollten eventuelle intraoperative Besonderheiten, wie starke Verwachsungen oder Blutungen, genau dokumentiert werden. Diese Angaben dienen als medizinische Begründung, falls ein Schwellenwertüberschreitungsfaktor angewendet werden muss. Nur so ist die Rechtssicherheit der Liquidation gewährleistet.
Dokumentation: Nach medianer Oberbauchlaparotomie Darstellung des Pylorus. Es zeigt sich eine derbe, narbige Stenose. Längsinzision des Pylorus über 3 cm, anschließende Quervernähung nach Heineke-Mikulicz zur plastischen Erweiterung des Magenausgangs.
GOÄ 3153: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Steigerungsfaktors über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus bis zum 3,5-fachen Höchstsatz erfordert eine patientenindividuelle Begründung. Typische Gründe für eine Faktorerhöhung bei der Pyloroplastik sind erhebliche postoperative Vernarbungen, ausgeprägte Adhäsionen im Oberbauch oder ein extrem adipöser Situs, der den operativen Zugang erschwert.
Auch ein erhöhter Zeitaufwand durch unerwartete anatomische Varianten oder die Notwendigkeit einer besonders anspruchsvollen Rekonstruktion rechtfertigen eine Steigerung. Die Begründung muss für den medizinischen Laien verständlich und nachvollziehbar auf der Rechnung formuliert sein.
Typische Ziffernkombinationen
Neben der GOÄ 3153 können selbstverständlich die Anästhesieleistungen sowie die postoperative Überwachung berechnet werden. Häufig wird die Pyloroplastik mit explorativen Maßnahmen oder anderen abdominalchirurgischen Eingriffen kombiniert, sofern kein Abrechnungsausschluss vorliegt. Die Ziffer 3153 bildet dabei meist die Hauptleistung des operativen Eingriffs ab.
Ziffer 3153 in der neuen GOÄ
Pyloroplastik (Ziffer 3153) wird in der neuen GOÄ als Nummer 10675 weitergeführt — „Operative Spaltung des Pylorus und/oder der Pylorusplastik, ggf. einschließlich …". Der Festsatz beträgt 391,06 € (bisher 2,3-facher Satz: 402,18 €); abrechenbar 1x je Sitzung.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3153
Was hat nicht gestimmt?