Die Abrechnung der Vagotomie nach GOÄ 3154 wirft in der Praxis oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Kombinationen und Dokumentation.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3154
Vagotomie am Magen - 3000 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 3154 beschreibt die operative Durchtrennung der Äste des Nervus vagus, welche für die Innervation und Säuresekretion des Magens zuständig sind. Diese chirurgische Maßnahme zielt darauf ab, die Säureproduktion im Magen dauerhaft zu senken. Die Leistung umfasst den operativen Zugang, das Aufsuchen der Nervenstrukturen sowie deren chirurgische Unterbrechung.
GOÄ 3154 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
In der modernen Medizin hat die Vagotomie durch die Einführung hochwirksamer Protonenpumpenhemmer (PPI) stark an Bedeutung verloren. Dennoch bleibt die Vagotomie am Magen eine wichtige chirurgische Option bei therapierefraktären Verläufen oder schweren Komplikationen des chronischen Ulkusleidens. Je nach chirurgischem Vorgehen wird zwischen der trunkulären, der selektiven und der selektiv-proximale Vagotomie (SPV) unterschieden.
Wird die Vagotomie im Rahmen einer komplexeren Magenoperation durchgeführt, müssen die Kombinationsregeln exakt beachtet werden. Häufig erfolgt der Eingriff heute minimal-invasiv mittels Laparoskopie, was bei der Begründung des Schwierigkeitsgrades eine Rolle spielen kann.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3154
Fallbeispiel 1: Selektiv-proximale Vagotomie bei therapierefraktärem Ulkus
Ein Patient leidet unter einem chronisch-rezidivierenden Ulkus duodeni, das trotz maximaler medikamentöser Therapie nicht abheilt. Es erfolgt eine elektive selektiv-proximale Vagotomie (SPV) zur Reduktion der Säuresekretion. Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3154 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 2: Trunkuläre Vagotomie bei rezidivierender Ulkusblutung
Bei einer Notfalloperation wegen einer unstillbaren Ulkusblutung wird eine trunkuläre Vagotomie durchgeführt. Aufgrund der akuten Blutungssituation und des instabilen Kreislaufs des Patienten ist der Eingriff deutlich erschwert. Die Ziffer 3154 wird mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 3,5 abgerechnet.
Fallbeispiel 3: Vagotomie in Kombination mit Antrumresektion
Bei einem Patienten mit ausgeprägter Pylorusstenose wird eine Antrumresektion in Kombination mit einer Vagotomie durchgeführt. Abgerechnet wird hierbei die GOÄ-Ziffer 3154 für die Vagotomie neben der GOÄ-Ziffer 3145 für die operative Magenteilresektion. Beide Leistungen sind in dieser Kombination voll berechnungsfähig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3154: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von Ausschlußziffern. Die GOÄ-Ziffer 3154 darf explizit nicht neben der GOÄ-Ziffer 3155 (Vagotomie mit Pyloroplastik) abgerechnet werden. Die Pyloroplastik ist in der Ziffer 3155 bereits als Kombinationsleistung enthalten.
Achtung: Achten Sie darauf, bei einer gleichzeitig durchgeführten Pyloroplastik ausschließlich die höher bewertete GOÄ 3155 anzusetzen. Eine getrennte Abrechnung der Einzelschritte über die GOÄ 3154 führt unweigerlich zur Honorarkürzung durch die privaten Krankenversicherungen.
Zudem ist die Ziffer 3154 nicht neben der GOÄ-Ziffer 3153 (Operationen am Magen-Darm-Trakt) berechenbar, sofern es sich um denselben operativen Zugriff handelt. Prüfstellen achten hier sehr genau auf die Einhaltung der Abrechnungsausschlüsse.
Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Dokumentation der GOÄ 3154: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose und präzise Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche und prüfungssichere Abrechnung. Im Operationsbericht müssen alle Teilschritte der Vagotomie detailliert beschrieben werden. Insbesondere die Identifikation und die vollständige Durchtrennung der jeweiligen Nervenäste müssen klar hervorgehen.
Dokumentation: "...Nach medianer Oberbauchlaparotomie Darstellung des distalen Ösophagus. Identifikation des vorderen und hinteren Vagusstammes. Selektive Präparation und schrittweise Durchtrennung der zum Magenkorpus ziehenden Nervenäste unter Schonung der Latarjet-Nerven..."
Falls intraoperative Komplikationen oder anatomische Besonderheiten auftreten, sollten diese detailliert im Bericht vermerkt werden. Dies dient als primäre Argumentationsgrundlage bei eventuellen Rückfragen der Kostenträger.
GOÄ 3154: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Die Erhöhung des Gebührensatzes über den 2,3-fachen Regelsatz hinaus erfordert eine einzelfallbezogene Begründung. Typische Gründe für eine Steigerung bei der GOÄ 3154 sind ausgeprägte Verwachsungen im Operationsgebiet durch Voroperationen. Auch eine extreme Adipositas permagna des Patienten, die den operativen Zugang erheblich erschwert, rechtfertigt einen höheren Faktor.
Typische Ziffernkombinationen
Die GOÄ 3154 kann regelkonform mit anderen abdominalchirurgischen Eingriffen kombiniert werden, sofern kein Ausschluss vorliegt. Sinnvoll ist häufig die Kombination mit der GOÄ-Ziffer 3145 (Teilresektion des Magens). Auch Anästhesieleistungen und postoperative Überwachungsziffern können entsprechend angesetzt werden.
Tipp: Nutzen Sie bei laparoskopisch durchgeführten Vagotomien gegebenenfalls den Zuschlag für minimal-invasive Chirurgie, sofern die Voraussetzungen der GOÄ erfüllt sind, um den erhöhten technischen Aufwand adäquat abzubilden.
Ziffer 3154 in der neuen GOÄ
Die alte Ziffer 3154 (Vagotomie am Magen) führt in der neuen GOÄ zu Nummer 10677 — „Operative Vagotomie am Magen, proximal und/oder selektiv, ggf. einschließlich -Lösen von …" (749,18 €, bisher 2,3-facher Satz: 402,18 €).
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3154
Was hat nicht gestimmt?