GOÄ 3239: Muskelplastik korrekt abrechnen – Tipps & Honorar

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3239
Muskelplastik bei Insuffizienz des Mastdarmschließmuskels
Punktzahl 1800  
Einfachsatz 104,92 € 1,0x
Regelhöchstsatz 241,32 € 2,3x
Höchstsatz 367,22 € 3,5x

Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3239: So rechnen Sie die komplexe Muskelplastik bei Mastdarmschließmuskelinsuffizienz rechtssicher und ohne Honorarverlust ab.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3239

Muskelplastik bei Insuffizienz des Mastdarmschließmuskels - 1800 Punkte

Die GOÄ-Ziffer 3239 beschreibt eine hochspezialisierte chirurgische Leistung aus dem Bereich der Abdominalchirurgie und Proktologie. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine schwere Insuffizienz des analen Sphinkterapparates vorliegt, die konservativ nicht mehr therapierbar ist. Ziel des Eingriffs ist die Wiederherstellung der Kontinenzleistung durch die plastische Verlagerung eines körpereigenen Muskels.

In der Praxis handelt es sich hierbei meist um eine sogenannte dynamische oder adynamische Gracilisplastik. Dabei wird der Musculus gracilis vom Oberschenkel mobilisiert und um den Analkanal geschlungen. Die offizielle Leistungsbeschreibung umfasst den gesamten operativen Akt der plastischen Rekonstruktion.

GOÄ 3239 in der Praxis: Indikation und klinischer Stellenwert

Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3239 ist streng an die Diagnose einer schweren analen Inkontinenz (Grad II oder III) gebunden. Häufige Ursachen sind traumatische Schädigungen, beispielsweise nach geburtshilflichen Rissen, oder neurogene Defekte. Auch nach Tumorresektionen im Beckenbereich kann diese plastische Rekonstruktion notwendig werden.

Da es sich um einen komplexen, mehrschrittigen Eingriff handelt, müssen Operateure die exakten OP-Schritte genau erfassen. Die Ziffer 3239 deckt die eigentliche Schließmuskelplastik ab. Wichtig ist die Abgrenzung zu einfacheren Sphinkterplastiken, die unter anderen Ziffern fallen können.

Tipp: Stellen Sie vor dem Eingriff sicher, dass alle konservativen und weniger invasiven Therapieversuche wie Beckenbodentraining oder Biofeedback dokumentiert und ausgeschöpft sind, um die medizinische Notwendigkeit zweifelsfrei zu belegen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3239

Fallbeispiel 1: Klassische Gracilisplastik bei posttraumatischer Inkontinenz

Eine 45-jährige Patientin leidet nach einer komplizierten vaginalen Entbindung unter einer ausgeprägten Schließmuskelinsuffizienz Grad III. Nach erfolgloser konservativer Therapie erfolgt die Mobilisation des Musculus gracilis und dessen Einschwenkung zur analen Rekonstruktion. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3239 mit dem Regelsatz (2,3-fach), da keine außergewöhnlichen Komplikationen auftraten.

Fallbeispiel 2: Komplexe Revision nach vorangegangener Sphinkterplastik

Bei einem 60-jährigen Patienten zeigt sich eine rezidivierende Insuffizienz nach einer Voroperation mit starker Vernarbung im Operationsgebiet. Der Eingriff gestaltet sich durch die Adhäsionen extrem zeitaufwendig und schwierig. Hier wird die GOÄ-Ziffer 3239 mit einem erhöhten Steigerungssatz von 3,5-fach abgerechnet, gestützt auf eine detaillierte Begründung der anatomischen Erschwernisse.

Fallbeispiel 3: Bilaterale Muskelplastik bei neurogener Schädigung

Ein Patient mit neurogener Schließmuskelparese benötigt eine beidseitige Muskelzügelplastik zur Erreichung einer ausreichenden Kontinenz. Beide Seiten werden in einer Sitzung operiert. Die Abrechnung erfolgt durch den Ansatz der GOÄ-Ziffer 3239, wobei der erhöhte Aufwand der beidseitigen Präparation über den Steigerungsfaktor oder eine entsprechende Analogbewertung abgebildet werden muss.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3239: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste Fehler bei der Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3239 betrifft die separate Ansetzung der Muskelmobilisation. Gemäß den allgemeinen Bestimmungen und § 4 Abs. 2a GOÄ ist die Freilegung und Mobilisation des Spendermuskels (z. B. M. gracilis) als vorbereitender Schritt integraler Bestandteil der Hauptleistung. Eine zusätzliche Abrechnung beispielsweise von Ziffern zur Muskeltransplantation ist daher unzulässig.

Ein weiterer Streitpunkt mit privaten Krankenversicherungen ist die Abgrenzung zur einfachen Direktnaht des Sphinkters (Sphinkterraffung). Letztere stellt keine Muskelplastik im Sinne der Ziffer 3239 dar und muss niedriger bewertet werden. Prüfer fordern bei der Ziffer 3239 stets den Nachweis einer echten plastischen Muskelverlagerung.

Achtung: Die eigenständige Abrechnung der neurovaskulären Anschlusspräparation des transplantierten Muskels wird von Kostenträgern regelmäßig gestrichen, da diese als Zuarbeit zur Plastik gilt.

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Dokumentation der GOÄ 3239: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise OP-Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen alle Teilschritte detailliert beschrieben werden. Dazu gehören der genaue Zugangsweg, die Identifikation und Mobilisation des Spendermuskels sowie die exakte Technik der Umschlingung des Mastdarmschließmuskels.

Besonders wichtig ist die Dokumentation von Erschwernissen wie ausgeprägten Vernarbungen oder anatomischen Varianten. Diese Angaben bilden das Fundament für eine erfolgreiche Faktorerhöhung bei der Abrechnung.

Dokumentation: ...Nach bogenförmiger Inzision perianal Darstellung des insuffizienten Sphinkterapparates. Parallele Mobilisation des M. gracilis über drei Hilfsschnitte am Oberschenkel unter Schonung des neurovaskulären Bündels. Tunnelierung und spannungsfreie Umschlingung des Analkanals...

GOÄ 3239: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Die Erhöhung des Schwellenwertes (2,3-fach) bis zum Höchstsatz (3,5-fach) ist bei der GOÄ-Ziffer 3239 gut begründbar, wenn besondere operative Schwierigkeiten vorliegen. Typische Begründungen sind ausgeprägte Vernarbungen nach Voroperationen, Adipositas permagna oder ein extrem fragiles Gewebe, das eine zeitintensive mikrochirurgische Präparation erfordert. Auch eine überdurchschnittliche Operationsdauer kann herangezogen werden.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3239 können begleitende Anästhesieleistungen (z. B. GOÄ 430) sowie postoperative Überwachungsleistungen abgerechnet werden. Nicht kombiniert werden dürfen jedoch operative Einzelschritte, die zur Erreichung des Operationszieles zwingend notwendig sind. Werden im selben Eingriff zusätzliche proktologische Sanierungen (z. B. Hämorrhoidenoperationen) durchgeführt, sind diese unter Beachtung der Kombinationsregeln separat berechenbar.

Ziffer 3239 in der neuen GOÄ

Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3239 (Muskelplastik bei Insuffizienz des Mastdarmschließmuskels) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 241,32 €):

  • 10946 „Muskelplastik bei Insuffizienz des Analsphinkters, ggf. einschließlich - beidseitiger …" (725,54 €) — bei Muskelplastik ohne einseitige Gracilisplastik
  • 10950 „Einseitige Gracilisplastik bei Analsphinkterinsuffizenz, ggf. einschließlich - …" (935,86 €) — bei einseitige Gracilisplastik
  • 10952 „Dynamische Gracilisplastik mit Anlage eines Neurostimulators zur Probestimulation, ggf. …" (1.471,95 €) — bei dynamische Gracilisplastik mit Anlage eines Neurostimulators zur Probestimulation
  • 10943 „Primäre Rekonstruktion des Sphinkters nach Durchtrennung Die Leistung nach Nummer 10943 …" (371,29 €) — bei Primäre Rekonstruktion des Sphinkters nach Durchtrennung

Die Spanne reicht von 371,29 € bis 1.471,95 € — der genaue Ansatz ergibt sich aus dem Operationsbericht.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3239

Beim 2,3-fachen Regelhöchstsatz beträgt das Honorar für die GOÄ-Ziffer 3239 genau 241,32 €. Der einfache Gebührensatz liegt bei 104,92 €. Bei besonders schwierigen Verhältnissen kann bis zum 3,5-fachen Satz (367,22 €) gesteigert werden.
Nein, die Mobilisation des Spendermuskels ist nicht eigenständig neben der GOÄ 3239 berechenbar. Gemäß § 4 Abs. 2a GOÄ gilt dieser Schritt als vorbereitende Maßnahme und ist mit der Hauptleistung abgegolten.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz ist zulässig, wenn der Eingriff durch besondere Umstände erschwert war. Typische Gründe sind ausgeprägte Vernarbungen durch Voroperationen, anatomische Besonderheiten oder eine stark verlängerte Operationszeit.
Die Ziffer setzt eine manifeste Insuffizienz des Mastdarmschließmuskels voraus. Typische Indikationen sind traumatische Sphinkterrissen nach Geburten oder Unfällen sowie neurogene Kontinenzstörungen.
Nein, eine einfache Direktnaht oder Raffung des Schließmuskels erfüllt nicht die Kriterien einer Muskelplastik. Für diese weniger komplexen Eingriffe müssen stattdessen die dafür vorgesehenen, niedriger bewerteten GOÄ-Ziffern gewählt werden.
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