GOÄ 3283: Hernien-OP richtig abrechnen – Praxis-Leitfaden

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3283
Operation eines Nabel- oder Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches
Punktzahl 1110  
Einfachsatz 64,70 € 1,0x
Regelhöchstsatz 148,81 € 2,3x
Höchstsatz 226,45 € 3,5x
Ausschlüsse

Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3283 für Hernienoperationen birgt Fallstricke. Erfahren Sie alles zu Ausschlüssen, Steigerungsfaktoren und Dokumentation.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3283

GOÄ-Ziffer 3283: Operation eines Nabel- oder Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches – 1110 Punkte.

Die GOÄ-Ziffer 3283 beschreibt die chirurgische Versorgung von Bauchwandhernien im Bereich des Nabels, der Linea alba (Mittellinienbruch) oder im Bereich einer ehemaligen Operationsnarbe (Bauchnarbenbruch). Diese Leistung umfasst den operativen Zugang, die Präparation des Bruchschadens, die Reposition des Bruchinhalts sowie den anschließenden Verschluss der Bruchpforte.

In der Leistungsbeschreibung ist die Art der Versorgung (z. B. mittels direkter Naht oder unter Verwendung eines Netzes) nicht explizit eingeschränkt. Dennoch müssen bei der Wahl der Ziffer die Abgrenzungen zu aufwendigeren Verfahren beachtet werden. Die Ziffer bildet den chirurgischen Standardeingriff bei unkomplizierten Hernien dieser Lokalisationen ab.

GOÄ 3283 in der Praxis: Indikationen und chirurgische Realität

Die Indikation zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3283 ist gegeben, wenn ein Patient einen klinisch oder sonografisch gesicherten Nabelbruch (Umbilikalhernie), einen Mittellinienbruch (epigastrische Hernie) oder eine Narbenhernie aufweist. Der Eingriff kann sowohl in Lokalanästhesie als auch in Allgemeinanästhesie durchgeführt werden. Die Ziffer ist unabhängig von der gewählten Anästhesieform anwendbar.

In der modernen Hernienchirurgie wird häufig ein synthetisches oder biologisches Netz zur Verstärkung der Bauchwand eingebracht. Die GOÄ 3283 deckt diese Netzimplantation im Regelfall mit ab, sofern es sich um einen unkomplizierten Ersteingriff handelt. Bei extrem großen Defekten oder Rezidiven ist jedoch die Abgrenzung zu höher bewerteten Ziffern wie der GOÄ 3284 zwingend erforderlich.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3283

Fallbeispiel 1: Unkomplizierte Nabelhernie

Ein Patient stellt sich mit einer symptomatischen, computertomografisch und klinisch gesicherten Nabelhernie vor. Es erfolgt die offene Herniotomie mit Direktnaht der Faszie in Lokalanästhesie. Da es sich um einen Ersteingriff ohne Komplikationen handelt, wird die GOÄ-Ziffer 3283 mit dem Regelsatz (2,3-fach) abgerechnet. Zusätzlich kann der Zuschlag für ambulantes Operieren nach Nr. 444 angesetzt werden.

Fallbeispiel 2: Epigastrische Hernie mit Netzimplantation

Bei einer Patientin wird eine schmerzhafte epigastrische Hernie (Mittellinienbruch) diagnostiziert. Der Chirurg führt die Operation in Intubationsnarkose durch und implantiert zur Stabilisierung ein alloplastisches Netz in Sublay-Technik. Da der Eingriff aufgrund anatomischer Besonderheiten zeitaufwendiger war, wird die GOÄ 3283 mit einem erhöhten Steigerungsfaktor von 2,8 liquidiert. Die Begründung wird in der Rechnung detailliert dargelegt.

Fallbeispiel 3: Ambulante Versorgung einer kleinen Narbenhernie

Ein Patient stellt sich mit einer kleinen Narbenhernie nach einer früheren laparoskopischen Cholezystektomie vor. Der Bruch wird ambulant operiert und die Faszie mittels Doppelungsnaht nach Mayo verschlossen. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3283 zum Regelsatz. Da der Eingriff ambulant in der Praxis stattfand, wird der Zuschlag Nr. 444 addiert.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3283: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die unzulässige Nebeneinanderberechnung von GOÄ 3283 und anderen Hernienziffern. Die Leistungslegende schließt die gleichzeitige Abrechnung der Ziffern 3282 (Leistenbruch) und 3284 (große/rezidivierende Hernie) am selben Operationstag explizit aus. Sollten tatsächlich zwei getrennte Hernien in einer Sitzung versorgt werden, muss dies über die Faktorsteigerung oder eine präzise Begründung gelöst werden.

Achtung: Private Krankenversicherungen kürzen regelmäßig Rechnungen, bei denen die GOÄ 3283 neben der GOÄ 3284 für denselben anatomischen Bereich abgerechnet wird. Die GOÄ 3284 ist eine höherwertige Ziffer für komplexe Fälle und schließt die einfachere GOÄ 3283 ein.

Zudem beanstanden Prüfstellen oft die separate Berechnung von Verschluss- und Nahtmaterialien, da diese mit den allgemeinen OP-Kosten und der Gebühr für die Ziffer abgegolten sind. Lediglich spezielle Implantate wie das Herniennetz können unter bestimmten Voraussetzungen als Sachkosten gesondert in Rechnung gestellt werden.

GOÄ-Updates per E-Mail

Neue Ziffern-Artikel & Abrechnungstipps, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Dokumentation der GOÄ 3283: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose und präzise Dokumentation des Operationsverlaufs ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Im Operationsbericht müssen die Größe der Bruchpforte, der Zustand des Bruchsacks und des Bruchinhalts sowie die genaue Rekonstruktionstechnik detailliert beschrieben werden. Auch die Verwendung von Netzimplantaten (inklusive Chargennummer und Größe) gehört zwingend in die Akte.

Dokumentation: "Diagnose: Symptomatische Nabelhernie. Lokalanästhesie. Hautschnitt bogenförmig unterhalb des Nabels. Darstellung des Bruchsacks, Inhalt (Omentum majus) ist vital und wird reponiert. Abtragung des Bruchsacks. Verschluss der Faszie mittels fortlaufender Naht (PDS 2-0). Hautverschluss. Keine Komplikationen."

Falls ein erhöhter Steigerungsfaktor angewendet wird, muss die Begründung direkt aus dem Operationsbericht hervorgehen. Schwierige Präparationen bei Verwachsungen oder adipösen Patienten sollten daher mit zeitlichem Mehraufwand dokumentiert werden.

GOÄ 3283: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Der Regelhöchstsatz der GOÄ 3283 liegt beim 2,3-fachen Satz bei 148,81 €. Ein Überschreiten dieses Schwellenwertes bis zum Höchstsatz von 3,5 (226,45 €) ist nur mit einer patientenbezogenen, medizinischen Begründung zulässig. Typische Gründe für eine Faktorsteigerung sind starke Verwachsungen im Operationsgebiet, ein extrem adipöser Patient oder ein erhöhter Blutverlust während des Eingriffs.

Tipp: Verwenden Sie für die Begründung der Steigerung konkrete Begriffe wie 'erhöhter Zeitaufwand durch ausgeprägte adhäsive Verwachsungen des Bruchsacks mit der Bauchwand' statt pauschaler Formulierungen.

Typische Ziffernkombinationen

Neben der GOÄ 3283 können weitere Leistungen anfallen, die separat berechnungsfähig sind. Hierzu gehören die Anästhesieleistungen (z. B. GOÄ 490 oder 491 für Infiltrationsanästhesie, sofern nicht vom Anästhesisten erbracht) sowie präoperative Beratungen nach GOÄ 1 oder 3. Bei ambulanten Operationen ist der Zuschlag nach Nr. 444 (Zuschlag für ambulante operative Leistungen) mit 1110 Punkten (64,70 € beim einfachen Satz) eine wichtige Ergänzung.

Ziffer 3283 in der neuen GOÄ

Je nach klinischer Konstellation ordnet die neue GOÄ die alte Ziffer 3283 (Operation eines Nabel- oder Mittellinien- oder Bauchnarbenbruches) verschiedenen Nachfolgepositionen zu (bisher 2,3-facher Satz: 148,81 €):

  • 10500 „Operation eines Nabel- und/oder Mittellinien- und/oder Bauchwandbruches durch direkten …" (323,71 €) — bei Nabel- oder Mittellinienbruch
  • 10504 „Operation eines Bauchnarbenbruches durch direkte Naht, offen chirurgisch, ggf. …" (264,08 €) — bei Bauchnarbenbruch

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3283

Die GOÄ-Ziffer 3283 kostet im einfachen Satz 64,70 € und bringt 1110 Punkte. Bei der Abrechnung mit dem üblichen Regelhöchstsatz von 2,3 beträgt das Honorar 148,81 €. Bei begründeten Erschwerungen kann bis zum 3,5-fachen Satz gesteigert werden, was 226,45 € entspricht.
Neben der GOÄ-Ziffer 3283 dürfen die Ziffern 3282 für die Leistenbruchoperation und 3284 für große oder rezidivierende Hernien nicht am selben Tag abgerechnet werden. Diese Ausschlüsse sind in den offiziellen GOÄ-Richtlinien fest verankert. Bei mehreren Hernien muss die Abrechnung über den Steigerungsfaktor gelöst werden.
Nein, die Implantation eines Netzes zur Verstärkung der Bauchwand ist im Leistungsumfang der GOÄ 3283 bereits enthalten. Lediglich die reinen Materialkosten für das alloplastische Netz können als Sachkosten gesondert in Rechnung gestellt werden. Eine zusätzliche chirurgische Ziffer für das Netz ist nicht zulässig.
Bei einer ambulanten Durchführung der Operation kann der Zuschlag nach der GOÄ-Ziffer 444 berechnet werden. Dieser Zuschlag ist für ambulante operative Leistungen mit einer punktzahl ab 800 Punkten vorgesehen. Er bringt zusätzliche 1110 Punkte, was im einfachen Satz 64,70 € entspricht.
Eine Steigerung über den 2,3-fachen Satz muss patientenbezogen und medizinisch begründet werden. Typische Begründungen sind ein stark erhöhter Zeitaufwand durch ausgeprägte Verwachsungen oder eine schwierige Präparation bei ausgeprägter Adipositas. Die Begründung sollte sich direkt aus dem Operationsbericht herleiten lassen.
War dieser Artikel hilfreich?

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

Nächster Schritt

Dranbleiben oder direkt loslegen

GOÄ-Updates erhalten

Neue Artikel, Abrechnungstipps und GOÄ-Änderungen, kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Kein Spam. Nur relevante Inhalte zur GOÄ-Abrechnung.

Doctario kennenlernen

In 30 Minuten zeigen wir Ihnen, wie Doctario Ihre privatärztliche Abrechnung automatisiert, persönlich und unverbindlich.

  • Automatische GOÄ-Erkennung
  • Transparente Abrechnung
  • Persönlicher Support
Erstgespräch buchen
30 Minuten Kostenlos Unverbindlich