Erfahren Sie, wie Sie die Bestimmung des Gesamt-Bilirubins nach GOÄ-Ziffer 3581.H1 rechtssicher abrechnen und typische Honorarverluste vermeiden.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3581.H1
Die Gebührenordnung für Ärzte führt die Ziffer 3581.H1 im Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen) unter den speziellen Laborleistungen auf. Die offizielle Leistungsbeschreibung lautet:
Bilirubin, gesamt - Punktzahl: 40 - 1,0fach: 2,33 € - 1,15fach: 2,68 € - 1,3fach: 3,03 €
Diese Leistung umfasst die quantitative Bestimmung des Gesamt-Bilirubins im Serum oder Plasma. Sie dient als grundlegender Parameter zur Beurteilung des Gallenfarbstoffwechsels. Die Analyse erfasst sowohl die wasserlösliche als auch die wasserunlösliche Fraktion des Bilirubins im Blut.
GOÄ 3581.H1 in der Praxis: Indikationen und klinische Relevanz
Die Bestimmung des Gesamt-Bilirubins ist ein unverzichtbarer Baustein in der hepatologischen und hämatologischen Diagnostik. Klinisch relevant sind in der Praxis vor allem erhöhte Werte, die als Hyperbilirubinämie bezeichnet werden. Ab einer Konzentration von etwa 2 bis 3 mg/dl zeigt sich ein sichtbarer Ikterus durch die Gelbfärbung von Haut und Skleren.
Da die gesunde Leber über hohe Funktionsreserven verfügt, weisen bereits diskret erhöhte Werte auf eine relevante Störung hin. Die Differenzierung zwischen konjugiertem und unkonjugiertem Bilirubin erlaubt präzise Rückschlüsse auf die Ursache. Eine Erhöhung des unkonjugierten Bilirubins spricht meist für eine gesteigerte Hämolyse oder eine neonatale Abbaustörung.
Tipp: Kombinieren Sie die Bestimmung des Gesamt-Bilirubins bei Verdacht auf Cholestase stets mit dem direkten Bilirubin nach GOÄ 3582, um den Ort der Abflussstörung einzugrenzen.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3581.H1
Fallbeispiel 1: Abklärung eines unklaren Ikterus
Ein Patient stellt sich mit einer sichtbaren Gelbfärbung der Skleren in der Praxis vor. Zur diagnostischen Abklärung veranlasst der Arzt eine Blutentnahme zur Bestimmung des Gesamt-Bilirubins. Die Abrechnung erfolgt mit der Ziffer 3581.H1 zum Regelhöchstsatz.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf hämolytische Anämie
Bei einer Patientin mit chronischer Müdigkeit und blassem Hautkolorit besteht der Verdacht auf einen gesteigerten Erythrozytenabbau. Neben dem Blutbild wird das Gesamt-Bilirubin als wichtiger Hämolyse-Marker bestimmt. Die Leistung wird regelkonform nach GOÄ 3581.H1 liquidiert.
Fallbeispiel 3: Überwachung eines Neugeborenen-Ikterus
Bei einem fünf Tage alten Säugling wird zur Vermeidung eines gefährlichen Kernikterus das Gesamt-Bilirubin engmaschig kontrolliert. Die quantitative Bestimmung sichert die therapeutische Entscheidung ab. Abgerechnet wird die Leistung über die GOÄ-Ziffer 3581.H1.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3581.H1: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist der Versuch, das indirekte Bilirubin als eigene Position anzusetzen. Das indirekte Bilirubin ist jedoch eine rein rechnerische Größe, die sich aus dem Gesamt-Bilirubin abzüglich des direkten Anteils ergibt. Nach den Allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M ist eine separate Berechnung rechnerischer Werte unzulässig.
Zudem müssen Praxen die H1-Höchstwertregelung im Blick behalten. Die Ziffer 3581.H1 gehört zu den 23 Leistungen, die dieser strengen Deckelung unterliegen. Werden an einem Tag mehrere dieser M-II-Leistungen erbracht, greift automatisch der Höchstwert, was bei Missachtung zu Honorarverlusten führt.
Achtung: Achten Sie penibel auf den Lichtschutz der Blutprobe. Eine unzureichende Abschirmung führt durch Photooxidation zu falsch niedrigen Werten und kann Regressansprüche auslösen.
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Dokumentation der GOÄ 3581.H1: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation schützt die Praxis vor Honorarkürzungen durch private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation sowie der konkrete Laborbefund zweifelsfrei hinterlegt sein. Auch präanalytische Besonderheiten wie der lichtgeschützte Transport sollten vermerkt werden.
Dokumentation: Blutentnahme venös bei V.a. Cholezystitis. Probe sofort lichtgeschützt gelagert. Bestimmung Gesamt-Bilirubin (GOÄ 3581.H1): 2,8 mg/dl (erhöht).
Die Archivierung des Laborblatts mit dem quantitativen Messergebnis ist obligatorisch. Bei manuellen Schnelltests oder laborinternen Analysen ist zudem das verwendete Nachweisverfahren (z. B. nach Jendrassik und Grof) zu dokumentieren. Dies sichert die Abrechnungsqualität im Falle einer nachfolgenden Wirtschaftlichkeitsprüfung.
GOÄ 3581.H1: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Laborleistungen des Abschnitts M II werden standardmäßig mit dem 1,15-fachen Gebührensatz abgerechnet. Eine Steigerung auf den Höchstsatz von 1,3 ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Typische Begründungen sind ein extrem hoher apparativer Aufwand bei schwierigen Probenverhältnissen oder eine eilige Notfalldiagnostik außerhalb der regulären Arbeitszeiten.
Typische Ziffernkombinationen
In der täglichen Praxis wird die GOÄ 3581.H1 sehr häufig mit der Bestimmung des direkten Bilirubins nach GOÄ-Ziffer 3582 kombiniert. Auch die gleichzeitige Anforderung von Leberenzymen wie GOT (GOÄ 3592) oder GPT (GOÄ 3593) ist medizinisch sinnvoll und abrechnungstechnisch vollkommen zulässig. Zur weiteren Abklärung kann zudem ein Urinteststreifen nach GOÄ 3511 herangezogen werden.
Ziffer 3581.H1 in der neuen GOÄ
Die Leistung „Bilirubin, gesamt" (2,3-facher Satz bisher: 2,68 €) wird in der neuen GOÄ auf mehrere Ziffern aufgeteilt. Welche gilt, hängt von der dokumentierten Situation ab:
- 11055 „Bilirubin, gesamt Serum oder Plasma; Photometrie (Analyt-Farbkomplex); Auswertung: apparativ-quantitativ." (0,80 €, 1x je Untersuchung)
- Bei Neugeborenen-Hyperbilirubinämie: 11004 „Gesamtbilirubin bei Neugeborenen Einzelparameter; Abklärung einer Neugeborenen-Hyperbilirubinämie …" (9,01 €, 1x je Untersuchung)
Der Preisspanne der Nachfolgeziffern reicht von 0,80 € bis 9,01 € — die Dokumentation entscheidet.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3581.H1
Was hat nicht gestimmt?