GOÄ 3723: Fruktose-Bestimmung korrekt abrechnen

5 Min. Lesezeit
GOÄ 3723
Fruktose , photometrisch
Punktzahl 200  
Einfachsatz 11,66 € 1,0x
Regelhöchstsatz 13,41 € 1,1x
Höchstsatz 15,16 € 1,3x

Die Abrechnung der photometrischen Fruktosebestimmung nach GOÄ-Ziffer 3723 wirft oft Fragen auf. Erfahren Sie alles zu Indikationen, Belastungstests und Fehlern.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3723

Fruktose, photometrisch - Gebühr: 11,66 € (200 Punkte)

Die GOÄ-Ziffer 3723 beschreibt die quantitative photometrische Bestimmung von Fruktose im Labor. Diese Leistung ist dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen), Unterabschnitt 5 (Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel) zugeordnet. Die Bestimmung erfolgt in der Regel aus dem Blutserum, dem Urin oder dem Seminalplasma.

Die methodische Umsetzung basiert auf aufwendigen photometrischen Verfahren. Häufig wird entweder eine kolorimetrische Bestimmung von Fruktose-Indol-Komplexen oder ein enzymatischer Nachweis mittels Sorbitoldehydrogenase durchgeführt. Beide Verfahren sind von dieser Ziffer vollständig abgedeckt.

GOÄ 3723 in der Praxis: Indikationen und klinischer Nutzen

Die Bestimmung der Fruktosekonzentration ist in zwei klinischen Hauptbereichen von Bedeutung. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die andrologische Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch. Hier liefert die Fruktosekonzentration im Ejakulat wertvolle Hinweise auf die Funktion der Samenblasen.

Ein weiteres Anwendungsfeld ist der Verdacht auf eine intestinale Fruktoseintoleranz (Fruktosemalabsorption). Hierbei wird die Fruktosekonzentration im Rahmen von Belastungstests im Blut oder Urin gemessen. Dies dient der Abgrenzung von unspezifischen Reizdarmsymptomen.

Achtung: Bei Verdacht auf eine angeborene (hereditäre) Fruktoseintoleranz ist ein Belastungstest streng kontraindiziert, da er lebensbedrohliche Hypoglykämien auslösen kann. In diesen Fällen sollte primär eine molekulargenetische Diagnostik nach Abschnitt M III.11 erfolgen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3723

Fallbeispiel 1: Abklärung einer männlichen Infertilität

Ein Patient stellt sich zur Abklärung einer primären Sterilität vor. Im Rahmen der andrologischen Basisdiagnostik wird ein Spermiogramm erstellt und die Fruktose im Seminalplasma bestimmt. Niedrige Fruktosewerte weisen auf eine Funktionsstörung der Samenblasen hin.

Abgerechnet wird hierbei die Ziffer 3668 für das Spermiogramm sowie die Ziffer 3723 für die Fruktosebestimmung. Beide Leistungen sind nebeneinander voll berechnungsfähig.

Fallbeispiel 2: Durchführung eines Fruktosebelastungstests

Bei einer Patientin mit chronischen Bauchschmerzen und Diarrhö besteht der Verdacht auf eine Fruktosemalabsorption. Es wird ein Fruktosebelastungstest durchgeführt, bei dem die Fruktosekonzentration im Blut zu mehreren Zeitpunkten gemessen wird.

Für die wiederholten Messungen im Rahmen des Belastungstests kann die GOÄ 3723 bis zu 5-mal in Rechnung gestellt werden. Dies ermöglicht eine adäquate Abbildung des zeitlichen Verlaufs.

Fallbeispiel 3: Ausschluss einer hereditären Fruktoseintoleranz

Ein Kleinkind zeigt nach dem Verzehr von Obst schwere hypoglykämische Symptome. Aufgrund des Risikos schwerer Komplikationen wird auf einen Belastungstest verzichtet. Stattdessen erfolgt eine molekulargenetische Untersuchung.

In diesem Fall ist die GOÄ 3723 nicht anzusetzen. Die Abrechnung erfolgt über die entsprechenden Ziffern für molekulargenetische Analysen im Abschnitt M III.11 der GOÄ.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3723: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler liegt in der Überschreitung der maximalen Abrechnungsfrequenz bei Belastungstests. Die GOÄ 3723 ist auch bei engmaschigen Messungen im Rahmen eines Belastungstests auf maximal 5 Ansätze pro Testtag begrenzt. Höhere Frequenzen werden von den privaten Krankenversicherungen regelmäßig gestrichen.

Zudem beanstanden Prüfstellen häufig die Abrechnung, wenn die medizinische Indikation nicht klar aus der Dokumentation hervorgeht. Insbesondere bei der andrologischen Diagnostik muss der Bezug zur Infertilitätsabklärung eindeutig dokumentiert sein.

Tipp: Achten Sie darauf, dass bei der Abrechnung von Mehrfachbestimmungen die genauen Uhrzeiten oder Entnahmeintervalle auf der Rechnung angegeben werden. Dies beugt dem Verdacht einer versehentlichen Doppelabrechnung vor.

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Dokumentation der GOÄ 3723: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist der beste Schutz gegen Honorarkürzungen. Für die GOÄ 3723 müssen das verwendete Untersuchungsmaterial (z. B. Ejakulat oder Serum) und die angewandte Methode (z. B. photometrisch) dokumentiert werden. Auch die konkreten Messwerte gehören zwingend in die Patientenakte.

Bei der Durchführung von Belastungstests müssen zudem die Applikationsmenge der Fruktose sowie die genauen Entnahmezeiten festgehalten werden. Dies rechtfertigt die mehrfache Berechnung der Ziffer auf der Liquidation.

Dokumentationsbeispiel: Bestimmung der Fruktose im Seminalplasma photometrisch zur Infertilitätsabklärung. Ergebnis: 12 µmol/Ejakulat (Referenzbereich: >13 µmol/Ejakulat). Verdacht auf Samenblaseninsuffizienz.

GOÄ 3723: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M II (Speziallabor) unterliegt die GOÄ 3723 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Ein Überschreiten dieses Satzes bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur mit einer triftigen, patientenbezogenen Begründung möglich.

Gründe für eine Steigerung auf den 1,3-fachen Satz können beispielsweise schwierige Probenaufbereitungen bei stark viskösem Ejakulat oder technische Besonderheiten bei der photometrischen Messung sein.

Typische Ziffernkombinationen

In der andrologischen Praxis wird die GOÄ 3723 standardmäßig mit der Ziffer 3668 (Spermiogramm) kombiniert. Diese Kombination ist medizinisch sinnvoll und gebührenrechtlich uneingeschränkt zulässig. Auch die Kombination mit anderen Parametern des Kohlenhydratstoffwechsels ist je nach Fragestellung möglich.

Ziffer 3723 in der neuen GOÄ

Die photometrische Fruktosebestimmung wird in der neuen GOÄ danach aufgeteilt, ob eine Einzelbestimmung oder ein vollständiger Toleranztest vorliegt. Aus der alten Ziffer (2,3-facher Satz: 13,41 €), die bis zu fünfmal für den Belastungstest berechnet werden konnte, entstehen zwei Wege:

  • 12091 „Fruktose" — für die Einzelbestimmung außerhalb eines vollständigen Toleranztests aus Plasma/Serum, Vollblut, Urin oder Ejakulat: 16,89 €.
  • 11847 „Fruktose-Toleranztest" — für den vollständigen Test zur Abklärung einer Fruktose-Malabsorption oder -Stoffwechselstörung einschließlich fünf Fruktose- und fünf Glukosebestimmungen: 89,84 € als einmalige Komplexleistung.

Die Umstellung auf eine einmalige Komplexabrechnung vereinfacht die Rechnungsstellung für den vollständigen Fruktosebelastungstest.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3723

Der einfache Gebührensatz für die GOÄ-Ziffer 3723 beträgt 11,66 Euro bei einer Punktzahl von 200 Punkten. Unter Anwendung des medizinischen Regelsatzes von 1,15-fach ergibt sich ein Betrag von 13,41 Euro. Der Höchstsatz liegt bei 15,16 Euro.
Bei der Durchführung eines Fruktosebelastungstests ist die GOÄ-Ziffer 3723 bis zu 5-mal berechnungsfähig. Dies ermöglicht die Abbildung mehrerer Messungen über einen definierten Zeitraum. Höhere Frequenzen werden von den Kostenträgern in der Regel nicht anerkannt.
Ja, die GOÄ-Ziffer 3723 ist neben der Ziffer 3668 für das Spermiogramm uneingeschränkt berechnungsfähig. Die Bestimmung der Fruktose im Seminalplasma dient hierbei der ergänzenden andrologischen Diagnostik. Beide Leistungen müssen separat dokumentiert werden.
Die Abrechnung nach GOÄ 3723 setzt eine quantitative photometrische Bestimmung der Fruktose voraus. Dies kann entweder über eine kolorimetrische Bestimmung von Fruktose-Indol-Komplexen oder enzymatisch mittels Sorbitoldehydrogenase erfolgen. Beide Laborverfahren sind von der Ziffer abgedeckt.
Es existieren keine direkten, harten Ausschlussziffern für die GOÄ 3723 im selben Behandlungsfall. Allerdings sollte bei Verdacht auf eine hereditäre Fruktoseintoleranz auf den Belastungstest verzichtet und stattdessen eine molekulargenetische Diagnostik nach Abschnitt M III.11 gewählt werden.
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