Leitfaden zur GOÄ-Ziffer 3753 (Alpha-2-Makroglobulin): Indikationen bei Hämaturie, korrekte Abrechnungssätze und Tipps zur Vermeidung von PKV-Retaxationen.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3753
Alpha-2-Makroglobulin, Immundiffusion oder ähnliche Untersuchungsmethoden - 180 Punkte
Die GOÄ-Ziffer 3753 beschreibt die quantitative Bestimmung von Alpha-2-Makroglobulin (α2M) mittels Immundiffusion oder vergleichbarer immunchemischer Methoden. Dieses Protein besitzt ein hohes Molekulargewicht und dient im menschlichen Organismus als wichtiger Proteaseinhibitor und Transportprotein.
Unter den Begriff der Immundiffusion fallen laut den allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M verschiedene immunologische Nachweisverfahren. In der modernen Laborpraxis kommen hierfür meist die hochpräzise Immunnephelometrie oder die latexpartikel-verstärkte Immunturbidimetrie zum Einsatz.
GOÄ 3753 in der Praxis: Differenzierung von Hämaturien und Proteinurien
Die Bestimmung von Alpha-2-Makroglobulin ist ein wertvolles Werkzeug in der nephrologischen und urologischen Diagnostik. Da das Protein aufgrund seiner enormen Größe die gesunde glomeruläre Basalmembran der Niere nicht passieren kann, deutet sein Nachweis im Urin auf spezifische pathologische Prozesse hin.
Eine Hauptindikation im Urin ist die Abklärung einer Hämaturie, wenn gleichzeitig eine nachweisbare Albuminurie von über 100 mg/l vorliegt. Liegt der Quotient aus Alpha-2-Makroglobulin und Albumin über 0,02, spricht dies hochgradig für eine postrenale Blutungsquelle, beispielsweise im Rahmen einer urologischen Tumorerkrankung oder Infektion.
Im Serum wird die Bestimmung durchgeführt, wenn in der Elektrophorese eine isolierte Erhöhung der Alpha-2-Globulinfraktion auffällt. Dies hilft, ein beginnendes nephrotisches Syndrom von anderen Dysproteinämien abzugrenzen, da Alpha-2-Makroglobulin bei diesem Krankheitsbild kompensatorisch stark erhöht ist.
Tipp: Die Bestimmung im Urin sollte stets in Kombination mit der Albuminbestimmung erfolgen, um den diagnostisch wegweisenden Quotienten präzise berechnen zu können.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3753
Fallbeispiel 1: Abklärung einer unklaren Makrohämaturie
Ein Patient stellt sich mit einer sichtbaren schmerzlosen Hämaturie vor. Im Labor zeigt sich eine deutliche Albuminurie von 150 mg/l. Zur Differenzierung zwischen einer renalen Glomerulonephritis und einer postrenalen urologischen Blutung wird Alpha-2-Makroglobulin im Urin bestimmt. Der Quotient liegt bei 0,03, was auf eine postrenale Ursache hinweist. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3753 neben der Albuminbestimmung.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf nephrotisches Syndrom bei unklarem Elektrophorese-Befund
Bei einer Routine-Serumelektrophorese wird eine signifikante Erhöhung der Alpha-2-Globulinfraktion festgestellt. Da klinische Zeichen wie Ödeme fehlen, veranlasst der Arzt die quantitative Bestimmung von Alpha-2-Makroglobulin im Serum. Die Bestimmung sichert die Diagnose eines frühen nephrotischen Syndroms. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die Ziffer 3753 zum Regelsatz.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle einer bekannten urologischen Tumorblutung
Bei einem Patienten mit bekanntem Harnblasenkarzinom soll das Ausmaß der postrenalen Blutung objektiviert werden. Die Bestimmung von Alpha-2-Makroglobulin im Urin liefert hierbei den entscheidenden Verlaufsparameter. Die Leistung wird im Rahmen der Speziallabor-Diagnostik mit der GOÄ 3753 liquidiert.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3753: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler ist die Anforderung der Ziffer 3753 im Urin ohne vorherigen Nachweis einer relevanten Albuminurie. Liegt die Albumin-Konzentration unter 100 mg/l, ist die Bestimmung medizinisch meist nicht indiziert und wird von privaten Krankenversicherungen oft als unwirtschaftlich abgelehnt.
Zudem beanstanden Prüfstellen die Abrechnung, wenn modernere Analyseverfahren fälschlicherweise unter anderen, teureren Ziffern deklariert werden. Da für die Bestimmung mittels Nephelometrie kein eigenständiges, höher bewertetes Tarifmerkmal existiert, muss zwingend die GOÄ-Ziffer 3753 als zutreffende Leistungsbeschreibung gewählt werden.
Achtung: Die bloße Diagnose einer Hämaturie rechtfertigt ohne quantitative Eiweißdifferenzierung im Urin meist keine Erstattung der Ziffer 3753. Achten Sie auf die Einhaltung der labormedizinischen Stufendiagnostik.
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Dokumentation der GOÄ 3753: Praxisbewährte Hinweise
Für eine rechtssichere Abrechnung ist eine lückenlose Dokumentation der Indikationsstellung unerlässlich. In der Patientenakte müssen die Vorbefunde, insbesondere das Vorliegen einer Hämaturie und die quantitative Albuminurie, dokumentiert sein.
Auch die Berechnung des Quotienten aus Alpha-2-Makroglobulin und Albumin sollte im Befundbericht explizit ausgewiesen werden. Dies belegt die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung gegenüber den Kostenträgern zweifelsfrei.
Dokumentation: Vorbefund: Makrohämaturie und Albuminurie von 120 mg/l. Indikation zur GOÄ 3753 zwecks Differenzierung renaler vs. postrenaler Genese. Bestimmung von Alpha-2-Makroglobulin im Urin durchgeführt.
GOÄ 3753: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ 3753 um eine Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) handelt, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz liegt bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Überschreitung dieses Satzes bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur in seltenen, extrem aufwendigen Einzelfällen mit einer detaillierten medizinischen Begründung möglich.
Typische Ziffernkombinationen
Die Ziffer 3753 wird regelhaft mit anderen paramedizinischen Parametern der Urindiagnostik kombiniert. Häufige Partnerziffern sind die Bestimmung von Albumin (z. B. nach GOÄ 3741) sowie IgG im Urin zur Beurteilung der Selektivität der Proteinurie. Auch die vorausgehende Urinelektrophorese kann in diesem Kontext eine sinnvolle Kombination darstellen.
Ziffer 3753 in der neuen GOÄ
Die immunologische Alpha-Makroglobulin-Bestimmung wird zur neuen Nummer 12654 „Alpha-2-Makroglobulin" mit einem Festpreis von 12,44 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 12,06 €). Die neue Legende erfasst Serum, Plasma oder Urin als Material und nennt Immunnephelometrie, Immunturbidimetrie sowie radiale Immundiffusion.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3753
Was hat nicht gestimmt?