Leitfaden zur korrekten Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3759 (Präalbumin). Erfahren Sie alles über Indikationen, Steigerungssätze und typische Fallbeispiele.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3759
Die Gebührenordnung für Ärzte beschreibt die Leistung unter der Ziffer 3759 wie folgt:
Präalbumin, Immundiffusion oder ähnliche Untersuchungsmethoden
Diese Ziffer umfasst die quantitative Bestimmung von Präalbumin (auch bekannt als Transthyretin) im Serum oder Plasma. Die Leistung dient der Erfassung dieses spezifischen Transportproteins, welches eine zentrale Rolle im menschlichen Proteinstoffwechsel einnimmt. Als methodischer Oberbegriff wird in der GOÄ die Immundiffusion genannt, wobei moderne Laborverfahren gleichermaßen unter diese Ziffer fallen.
GOÄ 3759 in der Praxis: Indikation und klinische Relevanz
Präalbumin eignet sich hervorragend als sensitiver Marker zur Beurteilung der aktuellen Lebersyntheseleistung und des viszeralen Proteinstatus. Aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit von nur rund zwei Tagen reagiert das Protein äußerst rasch auf Veränderungen der Nährstoffzufuhr. Ein Abfall des Spiegels zeigt somit frühzeitig einen defizitären Ernährungszustand oder eine beginnende Leberschädigung an.
Im klinischen Alltag ist die Bestimmung besonders bei Patienten unter längerfristiger parenteraler Ernährung indiziert. Im Vergleich zum klassischen Albumin, dessen Halbwertszeit etwa zehnmal länger ist, liefert Präalbumin deutlich zeitnähere Informationen über den Therapieerfolg. Die Bestimmung erfolgt in der Regel aus dem Blutserum oder Blutplasma mittels moderner immunchemischer Verfahren.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3759
Fallbeispiel 1: Monitoring bei parenteraler Ernährung
Ein Patient mit schwerem Kurzdarmsyndrom erhält eine langfristige parenterale Ernährungstherapie. Zur engmaschigen Überwachung des Ernährungsstatus und zur Anpassung der Aminosäurenzufuhr wird wöchentlich Präalbumin bestimmt. Die Abrechnung erfolgt über die GOÄ-Ziffer 3759 neben den erforderlichen Grundleistungen.
Fallbeispiel 2: Verdacht auf akute Lebersynthesestörung
Bei einer Patientin mit unklaren Oberbauchbeschwerden und Verdacht auf eine akute Leberschädigung soll die aktuelle Syntheseleistung des Organs beurteilt werden. Da herkömmliche Marker zu träge reagieren, veranlasst die Praxis die Bestimmung von Präalbumin. Die Laborleistung wird korrekt mit der Ziffer 3759 liquidiert.
Fallbeispiel 3: Verlaufskontrolle bei geriatrischer Mangelernährung
Ein multimorbider, geriatrischer Patient zeigt deutliche Zeichen einer chronischen Mangelernährung. Nach Einleitung einer hochkalorischen Zusatznahrung wird der Erfolg der Intervention nach einer Woche kontrolliert. Die Bestimmung des Präalbumins nach GOÄ 3759 dokumentiert den anabolen Stoffwechselzustand zuverlässig.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3759: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die Verwechslung von Präalbumin mit dem Standard-Albumin. Während Albumin unter der günstigeren Ziffer 3570.H1 abgerechnet wird, erfordert die Bestimmung von Präalbumin zwingend die GOÄ-Ziffer 3759. Eine fehlerhafte Zuordnung führt regelmäßig zu Honorarverlusten oder Beanstandungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Zudem versuchen Erstattungsstellen gelegentlich, die Abrechnung zu kürzen, wenn moderne Verfahren wie die Immunnephelometrie anstelle der klassischen Immundiffusion eingesetzt wurden. Da die GOÄ die Immundiffusion jedoch als methodischen Oberbegriff definiert, ist die Anwendung vergleichbarer moderner Methoden unter dieser Ziffer vollkommen legitim.
Achtung: Die Bestimmung von Präalbumin darf nicht fälschlicherweise als Teil eines allgemeinen Protein-Profils unter minder bewerteten Ziffern subsumiert werden, wenn eine gezielte medizinische Indikation vorliegt.
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Dokumentation der GOÄ 3759: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung bei Rückfragen der Kostenträger. In der Patientenakte muss die spezifische Indikation, wie beispielsweise der Verdacht auf eine Protein-Mangelernährung, klar ersichtlich sein. Auch der Verweis auf eine laufende parenterale Ernährung stützt die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung.
Der Laborbefund inklusive der angewandten Methode sollte direkt in der elektronischen Akte hinterlegt werden. Dies erleichtert den Nachweis der erbrachten Leistung im Falle einer nachträglichen Prüfung durch den medizinischen Dienst oder private Versicherer.
Dokumentation: Indikation zur Bestimmung von Präalbumin (GOÄ 3759) bei klinischem Verdacht auf ausgeprägte Mangelernährung und geplanter enteraler Ernährungstherapie. Blutentnahme erfolgt, Laborauftrag erteilt.
GOÄ 3759: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Als Leistung des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) unterliegt die GOÄ-Ziffer 3759 einem eingeschränkten Gebührenrahmen. Der Regelhöchstsatz liegt beim 1,15-fachen Satz, während der maximale Höchstsatz das 1,3-fache des Einfachsatzes beträgt. Eine Faktorerhöhung auf 1,3 ist nur bei Vorliegen besonderer Erschwernisse, wie etwa einer schwierigen Probenaufbereitung bei stark lipämischem Serum, zulässig und muss auf der Liquidation begründet werden.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die Bestimmung von Präalbumin häufig mit anderen labormedizinischen Parametern kombiniert. Sinnvoll ist die gemeinsame Anforderung mit Transferrin (GOÄ 3763) oder der Cholinesterase (GOÄ 3585), um ein umfassendes Bild des Proteinstatus zu erhalten. Auch die parallele Bestimmung des klassischen Albumins kann zur Differenzierung von akuten und chronischen Zuständen medizinisch sinnvoll sein.
Tipp: Nutzen Sie bei der Verlaufskontrolle von Ernährungstherapien die Kombination aus Präalbumin (GOÄ 3759) und Transferrin (GOÄ 3763), um sowohl die kurzfristige als auch die mittelfristige metabolische Reaktion des Patients präzise zu erfassen.
Ziffer 3759 in der neuen GOÄ
Die immunologische Präalbumin-Bestimmung wird zur neuen Nummer 12668 „Präalbumin" mit einem Festpreis von 11,39 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 12,06 €). Die neue Legende nennt Serum oder Plasma als Material sowie Immunnephelometrie und Immunturbidimetrie als Verfahren.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3759
Was hat nicht gestimmt?