GOÄ 3850: Antikörper gegen Spermien korrekt abrechnen

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GOÄ 3850
Untersuchung auf Antikörper mittels quantitativer Immunfluoreszenzuntersuchung (mehr als zwei Titerstufen) oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Spermien
Punktzahl 510  
Einfachsatz 29,73 € 1,0x
Regelhöchstsatz 34,19 € 1,1x
Höchstsatz 38,64 € 1,3x
Ausschlüsse

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3850

Untersuchung auf Antikörper mittels quantitativer Immunfluoreszenzuntersuchung (mehr als zwei Titerstufen) oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Spermien

Die Gebührenordnungsziffer 3850 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Bereich der Immunologie und Fertilitätsdiagnostik. Sie dient dem Nachweis von Antikörpern gegen Spermatozoen (Antispermien-Antikörper, ASA) im Serum oder im Seminalplasma. Der Fokus liegt hierbei auf einer quantitativen Bestimmung, die über mehr als zwei Titerstufen erfolgt.

Die Leistung umfasst die Vorbereitung des Probenmaterials, die Durchführung der immunologischen Reaktion sowie die quantitative Auswertung. Da es sich um eine Leistung des Speziallabors (Abschnitt M III) handelt, gelten besondere Bestimmungen bezüglich der Abrechenbarkeit und der Qualitätskontrolle.

GOÄ 3850 in der Praxis: Indikation und Stellenwert in der Fertilitätsdiagnostik

Die Bestimmung von Antispermien-Antikörpern ist ein etabliertes Verfahren bei der Abklärung einer immunologisch bedingten Infertilität. Wenn Paare trotz unauffälliger Standardparameter im Spermiogramm ungewollt kinderlos bleiben, kann eine immunologische Barriere vorliegen. Antikörper können die Beweglichkeit der Spermien einschränken oder das Eindringen in den Zervikalschleim verhindern.

Klinische Indikationen für die Abrechnung der GOÄ 3850 sind unter anderem der Verdacht auf eine Autoimmunreaktion nach Hoden-Traumata, Vasektomie-Refertilisierungen oder chronischen Infektionen des Genitaltraktes. Auch ein auffälliger Spermien-Zervikalschleim-Interaktionstest (z. B. Kremer-Test) rechtfertigt diese vertiefte immunologische Untersuchung.

Tipp: Die quantitative Bestimmung über mehr als zwei Titerstufen (GOÄ 3850) ist klinisch meist aussagekräftiger als die reine qualitative oder semiquantitative Bestimmung (GOÄ 3852), da sie eine präzisere Verlaufskontrolle und Einschätzung des Schweregrades der immunologischen Infertilität erlaubt.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3850

Fallbeispiel 1: Abklärung bei idiopathischer Infertilität

Ein Ehepaar stellt sich mit primärer Sterilität seit drei Jahren vor. Das Standard-Spermiogramm des Mannes zeigt eine eingeschränkte Motilität (Asthenozoospermie) ohne erkennbare organische Ursache. Zum Ausschluss einer immunologischen Genese wird eine quantitative Immunfluoreszenzuntersuchung auf Spermienantikörper im Serum durchgeführt.

Die Abrechnung erfolgt mit der GOÄ-Ziffer 3850 zum Regelsatz (1,15-fach), da die Bestimmung über vier Titerstufen erfolgte. Auf der Rechnung wird der Parameter "Antispermien-Antikörper (IgG/IgA)" explizit ausgewiesen.

Fallbeispiel 2: Zustand nach Refertilisation

Ein Patient wünscht nach einer vor Jahren durchgeführten Vasektomie und anschließender Refertilisation (Vasovasostomie) die Überprüfung seiner Fruchtbarkeit. Da nach einer Vasektomie häufig Antispermien-Antikörper gebildet werden, wird eine quantitative Analyse veranlasst.

Die Untersuchung der Spermienantikörper im Ejakulat mittels quantitativer Immunfluoreszenz (mehr als zwei Titerstufen) wird durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt über die Ziffer 3850.

Fallbeispiel 3: Auffälliger Postkoitaltest

Nach einem auffälligen Postkoitaltest (Sims-Huhner-Test), bei dem eine unzureichende Beweglichkeit der Spermien im Zervikalschleim festgestellt wurde, besteht der Verdacht auf lokale Antikörper. Es erfolgt die quantitative Bestimmung der Antikörper im Seminalplasma.

Da die Analyse eine differenzierte Titerbestimmung über mehrere Stufen erfordert, ist die Abrechnung der GOÄ 3850 medizinisch begründet und korrekt.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3850: Was Prüfer beanstanden

Ein häufiger Fehler in der Abrechnungspraxis ist die fehlerhafte Nebeneinanderberechnung von Ziffern mit ähnlichem Leistungsinhalt. Die GOÄ schließt die gemeinsame Abrechnung der Ziffer 3850 mit der Ziffer 3852 (bis zu zwei Titerstufen) für dieselbe Probe explizit aus. Wird eine quantitative Untersuchung durchgeführt, ist ausschließlich die höher bewertete Ziffer 3850 anzusetzen.

Ein weiterer formaler Fehler, der regelmäßig zu Beanstandungen durch private Krankenversicherungen (PKV) führt, ist das Fehlen der konkreten Parameterbezeichnung auf der Liquidation. Die GOÄ schreibt in den Abrechnungsbestimmungen zwingend vor, dass die untersuchten Parameter in der Rechnung anzugeben sind.

Achtung: Die bloße Angabe der Ziffernnummer 3850 ohne den Zusatz des konkreten Parameters (z. B. "Antispermien-Antikörper IgG") führt im Rahmen von Rechnungsprüfungen fast immer zur Zurückweisung der Erstattung.

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Dokumentation der GOÄ 3850: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament für eine erfolgreiche Honorardurchsetzung. In der Patientenakte müssen die medizinische Indikation, das verwendete Probenmaterial (z. B. Serum oder Seminalplasma) sowie die angewandte Methode klar dokumentiert sein. Auch die exakten Testergebnisse und Titerstufen müssen im Laborblatt oder der elektronischen Akte hinterlegt werden.

Für die Abrechnung ist es ratsam, das Laborprotokoll direkt mit der Dokumentation zu verknüpfen. Dies erleichtert den Nachweis, dass tatsächlich mehr als zwei Titerstufen bestimmt wurden, falls eine Nachfrage der Beihilfe oder der PKV erfolgt.

Dokumentationsbeispiel:
Indikation: Idiopathische Sterilität, V. a. immunologische Infertilität bei Asthenozoospermie.
Material: Seminalplasma.
Methode: Quantitative Immunfluoreszenz (IFT) auf Antispermien-Antikörper.
Ergebnis: IgG-Titer 1:64 (positiv bei > 2 Titerstufen).

GOÄ 3850: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Da die Ziffer 3850 dem Abschnitt M III (Speziallabor) angehört, liegt der Regelhöchstsatz bei dem 1,15-fachen Satz. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist unter Angabe von besonderen, patientenbezogenen Gründen möglich. Typische Begründungen für eine Überschreitung des Schwellenwertes sind ein ungewöhnlich hoher Aufwand bei der Probenaufbereitung (z. B. stark visköses Ejakulat) oder schwierige Differenzierungen bei kreuzreagierenden Antikörpern.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3850 wird häufig im Rahmen einer umfassenden Fertilitätsdiagnostik erbracht. Sinnvolle und erlaubte Kombinationen umfassen die Ziffern für das Spermiogramm (z. B. GOÄ 3531) oder hormonelle Untersuchungen (z. B. Testosteron, FSH, LH aus dem Abschnitt M). Wichtig ist, dass die jeweiligen Ausschlussdiagnosen und die Bestimmungen zur Laborgemeinschaft bzw. zum Speziallabor beachtet werden.

Ziffer 3850 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3850 (Untersuchung auf Antikörper mittels quantitativer Immunfluoreszenzuntersuchung (mehr als zwei Titerstufen) oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Spermien) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 12815: Spermien-Antikörper (IgG, IgA), je Immunglobulin Mixed-Antiglobulin-Reaction-Test (MAR-Test). Der Festpreis liegt bei 19,88 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 34,19 €). Die Leistung ist je Immunglobulin berechnungsfähig.

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3850

Nein, die Ziffern 3850 und 3852 schließen sich gegenseitig aus. Wenn eine Bestimmung über mehr als zwei Titerstufen erfolgt, ist ausschließlich die GOÄ 3850 anzusetzen.
Auf der Liquidation müssen die konkret untersuchten Parameter angegeben werden. Das bedeutet, dass Bezeichnungen wie "Antispermien-Antikörper" oder "ASA" explizit aufgeführt sein müssen.
Da es sich um eine Leistung des Speziallabors handelt, beträgt der Regelhöchstsatz das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Satz ist mit einer patientenbezogenen Begründung zulässig.
Die Untersuchung ist indiziert bei unerklärter Unfruchtbarkeit, auffälligen Spermiogrammen mit eingeschränkter Motilität oder nach operativen Eingriffen wie einer Vasovasostomie. Sie dient dem Nachweis einer immunologischen Infertilität.
Ja, die Untersuchung auf Antispermien-Antikörper kann sowohl im Serum als auch im Seminalplasma erfolgen. Die Wahl des Probenmaterials beeinflusst die Abrechenbarkeit nach GOÄ 3850 nicht.
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Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels wurden mit größtmöglicher Sorgfalt und nach bestem Wissen erstellt. Sie dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine rechtsverbindliche Auskunft, Rechtsberatung oder Abrechnungsberatung dar. Die Doctario GmbH übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung.

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