GOÄ 3852: Thyreoglobulin-Antikörper korrekt abrechnen

4 Min. Lesezeit
GOÄ 3852
Untersuchung auf Antikörper mittels quantitativer Immunfluoreszenzuntersuchung (mehr als zwei Titerstufen) oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Thyreoglobulin
Punktzahl 510  
Einfachsatz 29,73 € 1,0x
Regelhöchstsatz 34,19 € 1,1x
Höchstsatz 38,64 € 1,3x

Die untersuchten Parameter sind in der Rechnung anzugeben.

Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3852

Untersuchung auf Antikörper mittels quantitativer Immunfluoreszenzuntersuchung (mehr als zwei Titerstufen) oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Thyreoglobulin

Die GOÄ-Ziffer 3852 beschreibt eine spezialisierte Laborleistung aus dem Abschnitt M (Laboratoriumsuntersuchungen). Sie dient der quantitativen Bestimmung von Autoantikörpern gegen Thyreoglobulin (Tg-AK oder TAK) im Serum des Patienten. Diese Analyse wird heute meist über moderne, automatisierte Verfahren wie den Enzyme-Linked Immunosorbent Assay (ELISA) oder Chemilumineszenz-Immunoassays (CLIA) durchgeführt, die als ähnliche Untersuchungsmethoden anerkannt sind.

Die Leistung umfasst die Probenvorbereitung, die Durchführung der eigentlichen immunologischen Reaktion sowie die quantitative Auswertung. Eine qualitative Bestimmung reicht für den Ansatz dieser Ziffer nicht aus. Zudem fordert die Leistungsbeschreibung explizit, dass der untersuchte Parameter auf der Rechnung anzugeben ist.

GOÄ 3852 in der Praxis: Diagnostik von Schilddrüsen-Autoimmunität

In der täglichen Praxis kommt die Bestimmung der Thyreoglobulin-Antikörper vor allem bei der Abklärung von Schilddrüsenerkrankungen zum Einsatz. Ein zentrales Einsatzgebiet ist der Verdacht auf eine chronische lymphozytäre Thyreoiditis, besser bekannt als Hashimoto-Thyreoiditis. Obwohl hierbei die TPO-Antikörper sensitiver sind, weisen einige Patienten isoliert erhöhte Tg-AK auf.

Ein weiteres kritisches Anwendungsfeld ist die Nachsorge des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms nach einer totalen Thyreoidektomie. Da Thyreoglobulin als Tumormarker dient, können vorhandene Tg-Autoantikörper die Messung des Tumormarkers verfälschen. Die regelmäßige Bestimmung der Tg-AK nach GOÄ 3852 ist daher essenziell, um die Validität des Tumormarkers zu überprüfen.

Tipp: Bei der Nachsorge von Schilddrüsentumoren sollte die Bestimmung von Thyreoglobulin und Tg-AK stets parallel erfolgen, um falsch-negative Tumormarker-Ergebnisse sicher auszuschließen.

Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3852

Fallbeispiel 1: Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis

Eine Patientin stellt sich mit chronischer Müdigkeit, Gewichtszunahme und einer sonografisch echoarmen, verkleinerten Schilddrüse vor. Zur Diagnosesicherung veranlasst die Praxis eine umfassende Antikörperdiagnostik. Neben den TPO-Antikörpern wird die quantitative Bestimmung der Thyreoglobulin-Antikörper durchgeführt. Die Abrechnung erfolgt korrekt über die Kombination der GOÄ-Ziffern 3851 (TPO-AK) und GOÄ-Ziffer 3852 (Tg-AK).

Fallbeispiel 2: Tumornachsorgetherapie nach Schilddrüsenkarzinom

Ein Patient befindet sich in der halbjährlichen Nachsorge nach operiertem papillärem Schilddrüsenkarzinom. Zur Überprüfung der Rezidivfreiheit wird das freie Thyreoglobulin bestimmt. Da Antikörper die Messung stören können, erfolgt zeitgleich die Bestimmung der Tg-AK. Die Abrechnung der GOÄ 3852 ist hierbei neben der Bestimmung des Tumormarkers medizinisch vollumfänglich begründet und liquidationsfähig.

Fallbeispiel 3: Abklärung einer unklaren Struma

Bei einem Patienten mit einer neu diagnostizierten, schmerzlosen Struma sollen autoimmune Prozesse ausgeschlossen werden. Die Laboruntersuchung umfasst die Bestimmung der relevanten Schilddrüsenparameter. Die quantitative Analyse der Thyreoglobulin-Antikörper wird durchgeführt und nach GOÄ 3852 mit dem Regelsatz abgerechnet.

Häufige Fehler bei der GOÄ 3852: Was Prüfer beanstanden

Der häufigste formale Fehler bei der Liquidation der GOÄ 3852 ist das Versäumnis, den spezifischen Parameter auf der Rechnung auszuweisen. Private Krankenversicherungen und Beihilfestellen kürzen die Rechnung umgehend, wenn der Begriff "Thyreoglobulin-Antikörper" oder das Kürzel "Tg-AK" im Rechnungstext fehlt. Die bloße Angabe der Ziffernnummer reicht nicht aus.

Ein weiterer Fehler betrifft die Abgrenzung zu anderen Antikörpertests. Die GOÄ 3852 darf nicht mehrfach für denselben Parameter am selben Untersuchungstag berechnet werden. Zudem müssen die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M beachtet werden, die eine unzulässige Mengenausweitung im selben Behandlungsfall verhindern sollen.

Achtung: Es ist darauf zu achten, dass bei automatisierten Laborstraßen keine Doppelabrechnungen mit ähnlichen Ziffern des Abschnitts M III erfolgen, wenn diese denselben Zielparameter betreffen.

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Dokumentation der GOÄ 3852: Praxisbewährte Hinweise

Eine lückenlose Dokumentation schützt die Praxis vor Honorarrückforderungen. In der Patientenakte muss die klinische Indikation für die Antikörperbestimmung klar dokumentiert sein. Dazu gehören Symptome wie Myxödeme, unerklärliche Gewichtsschwankungen oder sonografische Auffälligkeiten des Schilddrüsengewebes.

Zusätzlich müssen der Laborauftrag, das quantitative Testergebnis inklusive der verwendeten Maßeinheit sowie der herstellerspezifische Referenzbereich archiviert werden. Auch die ärztliche Bewertung des Befundes sollte kurz in den Behandlungsdaten vermerkt werden.

Dokumentation: V. a. autoimmune Thyreoiditis bei echoarmem Ultraschallbefund. Laboranforderung: Tg-AK quantitativ (GOÄ 3852). Ergebnis: 240 IU/ml (Referenz < 115 IU/ml). Befund spricht für das Vorliegen einer Hashimoto-Thyreoiditis.

GOÄ 3852: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen

Steigerungsfähigkeit

Als Leistung des Abschnitts M III (Speziallabor) unterliegt die GOÄ 3852 einer eingeschränkten Steigerungsfähigkeit gemäß § 5 Abs. 3 GOÄ. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-Fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 ist nur in seltenen, medizinisch begründeten Einzelfällen zulässig, beispielsweise bei extrem schwierigen Probenverhältnissen oder massiven Interferenzen im Patientenserum, die eine wiederholte Messung erforderten.

Typische Ziffernkombinationen

Die GOÄ 3852 wird im klinischen Alltag selten isoliert angefordert. Sinnvolle und regelkonforme Kombinationen umfassen weitere Parameter der Schilddrüsendiagnostik. Hierzu gehören die Bestimmung von TSH, freien Schilddrüsenhormonen sowie die Bestimmung der TPO-Antikörper nach GOÄ 3851 und der TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) nach GOÄ 3858.

Ziffer 3852 in der neuen GOÄ

Die Ziffer 3852 (Untersuchung auf Antikörper mittels quantitativer Immunfluoreszenzuntersuchung (mehr als zwei Titerstufen) oder ähnlicher Untersuchungsmethoden -Thyreoglobulin) findet ihre Entsprechung in der neuen GOÄ unter Nummer 11224: Thyreoglobulin, IA Autoantikörpernachweis. Der Festpreis liegt bei 19,17 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 34,19 €).

Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.

Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3852

Mit der GOÄ-Ziffer 3852 wird die quantitative Bestimmung von Thyreoglobulin-Antikörpern (Tg-AK) im Blut abgerechnet. Dies erfolgt meist mittels quantitativer Immunfluoreszenz oder vergleichbaren modernen Testverfahren wie ELISA oder CLIA.
Der Einfachsatz der GOÄ 3852 liegt bei 29,73 Euro, was einer Punktzahl von 510 entspricht. Der in der Praxis übliche Regelhöchstsatz für Laborleistungen im M-Bereich beträgt das 1,15-Fache und beläuft sich auf 34,19 Euro.
Ja, die parallele Abrechnung der GOÄ 3852 für Thyreoglobulin-Antikörper und der GOÄ 3851 für Schilddrüsen-Peroxidase-Antikörper (TPO-AK) ist zulässig. Beide Parameter untersuchen unterschiedliche Autoantikörper und sind bei entsprechender Indikation medizinisch notwendig.
Auf der Liquidation muss der konkret untersuchte Parameter explizit angegeben werden. Die bloße Nennung der Ziffer 3852 ohne den Zusatz 'Thyreoglobulin-Antikörper' oder 'Tg-AK' kann zur Ablehnung durch die Erstattungsstellen führen.
Eine Steigerung bis zum Höchstsatz von 1,3 (38,64 Euro) ist nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Typische Begründungen umfassen einen ungewöhnlich hohen Analyseaufwand durch störende Begleitfaktoren im Patientenserum.
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