Leitfaden zur Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3987 (Antikörpersuchtest): Indikationen, Kombinationen und Tipps zur Vermeidung von Honorarverlusten.
Offizielle Beschreibung der GOÄ-Ziffer 3987
Antikörpersuchtest (Antikörper gegen Erythrozytenantigene) mit zwei verschiedenen Test-Erythrozyten-Präparationen im indirekten Anti-Humanglobulin-Test (indirekter Coombstest)
Die GOÄ-Ziffer 3987 beschreibt eine grundlegende immunhämatologische Laboruntersuchung. Ziel dieses Verfahrens ist der qualitative Nachweis von irregulären Antikörpern im Serum oder Plasma des Patienten, die gegen fremde rote Blutkörperchen gerichtet sind. Diese Antikörper können durch vorangegangene Schwangerschaften oder Bluttransfusionen gebildet worden sein.
Die Leistung umfasst die Durchführung des Tests mit exakt zwei unterschiedlichen Test-Erythrozyten-Präparationen. Als methodischer Standard kommt der indirekte Anti-Humanglobulin-Test, auch bekannt als indirekter Coombstest, zum Einsatz. Alle vorbereitenden Maßnahmen, die Bereitstellung der Reagenzien sowie die Dokumentation des Testergebnisses sind mit der Gebühr abgegolten.
GOÄ 3987 in der Praxis: Indikationen und klinischer Stellenwert
In der täglichen Praxis findet der indirekte Coombstest nach GOÄ 3987 vor allem in zwei klinischen Szenarien Anwendung. Das erste große Einsatzgebiet ist die Schwangerschaftsvorsorge zur frühzeitigen Erkennung einer Rhesus-Inkompatibilität oder anderer fetomaternaler Blutgruppenunverträglichkeiten. Hierdurch lassen sich schwerwiegende Komplikationen wie der Morbus haemolyticus neonatorum rechtzeitig abwenden.
Das zweite wesentliche Einsatzgebiet ist die prätransfusionelle Diagnostik im Rahmen der Kreuzprobe beziehungsweise des sogenannten "Type and Screen"-Verfahrens. Vor jeder geplanten Verabreichung von Erythrozytenkonzentraten muss sichergestellt werden, dass der Empfänger keine klinisch relevanten Antikörper gegen die Spenderzellen besitzt. Dies gewährleistet die Patientensicherheit während der Transfusion maßgeblich.Tipp: Achten Sie bei der präoperativen Vorbereitung darauf, den Antikörpersuchtest rechtzeitig zu veranlassen, da der Nachweis irregulärer Antikörper zeitaufwendige Folgetests zur Spezifizierung nach sich ziehen kann.
Typische Praxisbeispiele für die GOÄ 3987
Fallbeispiel 1: Routine-Schwangerschaftsvorsorge
Eine schwangere Patientin stellt sich in der 10. Schwangerschaftswoche zur Erstuntersuchung vor. Im Rahmen der gesetzlichen Mutterschafts-Richtlinien wird eine Blutgruppenbestimmung inklusive eines Antikörpersuchtests veranlasst. Die Durchführung des Suchtests erfolgt mit zwei Testzell-Präparationen im indirekten Coombstest. Abgerechnet wird die GOÄ-Ziffer 3987 zum Regelsatz (1,15-fach) neben der Blutgruppenbestimmung.
Fallbeispiel 2: Präoperative Vorbereitung vor Hüft-TEP
Bei einem Patienten steht eine elektive Hüftgelenksendoprothese an, bei der ein mittleres Transfusionsrisiko besteht. Zur Sicherheit wird präoperativ ein Antikörpersuchtest durchgeführt, um im Bedarfsfall kompatible Blutkonserven ohne Verzögerung bereitstellen zu können. Der Test verläuft negativ. Die Abrechnung der GOÄ-Ziffer 3987 erfolgt korrekt im Rahmen der präoperativen Labordiagnostik.
Fallbeispiel 3: Abklärung einer unklaren Anämie
Eine Patientin mit Verdacht auf eine autoimmune hämolytische Anämie (AIHA) wird klinisch untersucht. Zur Differenzierung zwischen zellgebundenen und freien Antikörpern werden sowohl der direkte Coombstest als auch der indirekte Coombstest veranlasst. Die Bestimmung der freien Antikörper im Serum erfolgt mittels der GOÄ-Ziffer 3987, während die zellgebundenen Antikörper separat liquidiert werden.
Häufige Fehler bei der GOÄ 3987: Was Prüfer beanstanden
Ein häufiger Fehler bei der Abrechnung immunhämatologischer Leistungen ist die Verwechslung der Ziffern 3987 und 3988. Während die GOÄ 3987 die Verwendung von zwei Test-Erythrozyten-Präparationen vorschreibt, verlangt die GOÄ 3988 den Einsatz von drei Präparationen. Eine Doppelabrechnung beider Ziffern für dieselbe Untersuchung ist absolut unzulässig und führt regelmäßig zu Kürzungen durch die privaten Krankenversicherungen.
Zudem müssen die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts M (Laboratoriumsuntersuchungen) beachtet werden. Die Ziffer 3987 unterliegt der Spartenbegrenzung und den Höchstwerten für Laborleistungen, sofern die Analysen in einer Laborgemeinschaft oder einem Großlabor durchgeführt werden. Eine unzulässige Nebeneinanderberechnung mit ähnlichen Suchtests am selben Kalendertag wird von Prüfstellen konsequent herausgefiltert.
Achtung: Die Abrechnung der GOÄ 3987 setzt voraus, dass tatsächlich zwei getrennte Test-Erythrozyten-Präparationen eingesetzt wurden. Die Verwendung von nur einer Präparation erfüllt den Leistungsinhalt nicht und darf nicht unter dieser Ziffer liquidiert werden.
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Dokumentation der GOÄ 3987: Praxisbewährte Hinweise
Eine lückenlose Dokumentation ist das Fundament einer erfolgreichen Honorardurchsetzung bei Rückfragen von Kostenträgern. In der Patientenakte muss die medizinische Indikation für den Antikörpersuchtest klar ersichtlich sein. Dazu gehören Angaben wie Schwangerschaftswoche, geplante operative Eingriffe mit Transfusionsrisiko oder klinische Zeichen einer Hämolyse.
Darüber hinaus müssen das angewandte Testverfahren sowie das exakte Testergebnis (positiv oder negativ) dokumentiert werden. Bei einem positiven Testergebnis sollte zudem der Verweis auf die eingeleitete Antikörperspezifizierung (z. B. nach GOÄ 3989) in der Dokumentation festgehalten werden, um die Folgeschritte plausibel zu machen.
Dokumentation: Indirekter Coombstest (Antikörpersuchtest) mit 2 Test-Erythrozyten-Präparationen durchgeführt. Indikation: Schwangerschaftsvorsorge (12. SSW). Ergebnis: Negativ, keine irregulären Antikörper nachweisbar.
GOÄ 3987: Steigerung und sinnvolle Ziffernkombinationen
Steigerungsfähigkeit
Da es sich bei der GOÄ-Ziffer 3987 um eine Leistung des Abschnitts M III (Spezielle Laboruntersuchungen) handelt, ist der Gebührenrahmen stark eingeschränkt. Der Regelhöchstsatz beträgt das 1,15-fache der Gebühr. Eine Steigerung bis zum 1,3-fachen Höchstsatz ist nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen möglich. Solche Gründe können ein extrem schwieriges Probenmaterial oder unklare, grenzwertige Reaktionsausfälle sein, die eine wiederholte manuelle Überprüfung erfordern.
Typische Ziffernkombinationen
In der Praxis wird die GOÄ 3987 selten isoliert durchgeführt. Häufige und zulässige Kombinationen ergeben sich im Rahmen der Blutgruppenbiologie. So wird der Antikörpersuchtest regelmäßig zusammen mit der Blutgruppenbestimmung (GOÄ 3980) und der Bestimmung des Rhesusfaktors (GOÄ 3981) abgerechnet. Auch die Kombination mit dem direkten Coombstest (GOÄ 3986) zur Abklärung hämolytischer Zustände ist eine gängige und erstattungsfähige Konstellation.
Ziffer 3987 in der neuen GOÄ
Der Antikörpersuchtest auf Antikörper gegen Erythrozytenantigene mit zwei verschiedenen Testzellpanels wird in der neuen GOÄ zur neuen Nummer 11769 mit einem Festpreis von 8,29 € (heute beim 2,3-fachen Satz: 9,38 €). Die neue AHG-Suchtestziffer entspricht dem alten Standard mit zwei Panels; sie ist nicht neben 11771 oder 11775 berechnungsfähig.
Stand: Entwurf vom 15. Juli 2026 (BÄK/PKV-Verband). Der Entwurf ist ein Verhandlungsstand — Ziffern und Bewertungen können sich bis zum Inkrafttreten ändern. Unsere vollständige Auswertung: GOÄ neu im Zahlen-Check.
Häufige Fragen zur GOÄ-Ziffer 3987
Was hat nicht gestimmt?